Martel, Yann – Schiffbruch mit Tiger

Originaltitel: Life of Pi

Kurzbeschreibung
Schiffbruch mit Tiger? Diese Geschichte würden Sie nicht glauben? Kein Wunder. Fantastisch. Verwegen. Atemberaubend. Wahnsinnig komisch. Eine Geschichte, die Sie an Gott glauben lässt. Pi Patel, der Sohn eines indischen Zoobesitzers und praktizierender Hindu, Christ und Muslim erleidet mit einer Hyäne, einem Orang-Utan, einem verletzten Zebra und einem 450 Pfund schweren bengalischen Tiger namens Richard Parker Schiffbruch. Bald hat der Tiger alle erledigt – alle, außer Pi. Alleine treiben sie in einem Rettungsboot auf dem Ozean. Eine wundersame, abenteuerliche Odyssee beginnt.

libromanie-Rezension
Als das Neue Indien sich als Fehlvorstellung entpuppt, löst die Familie des jungen Pi(scine) Molitor Patel ihren Zoo in Pondicherry auf. Doch der Frachter, der sie in ihre neue Heimat Kanada bringen soll, sinkt. Einzige Überlebende sind Pi, ein Zebra, eine Hyäne, ein Orang-Utan und Richard Parker, ein ausgewachsener bengalischer Tiger. Sie alle teilen sich ein Rettungsboot, bis nur noch Pi und der Tiger übrig sind. Eine abenteuerliche Reise beginnt…

Die eigentliche, namensgebende Geschichte beschränkt sich auf den mittleren Teil des Buches. Dort wird auf überaus spannende und eindrucksvolle Weise geschildert, wie Pi 227 Tage auf dem Meer überlebt, wie der einstige Vegetarier fischt, Schildkröten ausnimmt, Trinkwasser gewinnt und vor allem einen Weg findet, von Richard Parker akzeptiert zu werden.
Den Charakter des Pi und Teile seiner Kindheit lernt der Leser bereits im ersten Teil des Buches näher kennen. Man erfährt, wie der praktizierende Hindu, Christ und Moslem zu den verschiedenen Religionen fand, obwohl sein Vater, der Zoodirektor einer religiösen Weltanschauung eher skeptisch begegnet. So lernt Pi (und zugleich der Leser) dann auch einiges über die Zoologie, was ihm in seiner späteren Situation sehr zugute kommen soll.
Der dritte, philosophischere Teil des Buches konfrontiert den Leser mit der Frage, ob er sich als logisch denkender Mensch auf die Geschichte des Pi einlassen kann.
Dass der Roman den Leser nun gleich an Gott glauben lässt, wie der Klappentext verspricht, ist vielleicht ein wenig hoch gegriffen, doch wenn man der Geschichte wirklich Glauben schenken möchte, fällt dies ohne einen – zumindest kleinen – Funken Göttliches schon schwerer.

Yann Martels Sprache ist mal poetisch, mal umgangssprachlich, teils bitter, teils humorvoll. Insgesamt lässt sich das Buch wunderbar flüssig und angenehm lesen.
Die Charaktere sind glaubwürdig, ihre Entwicklung und Handlungen nachvollziehbar. Pis Gefüle werden dabei so eindringlich geschildert, dass man sie als Leser sämlich miterlebt: Angst, Hoffnung, Hunger und Durst, Trauer, Freude, Einsamkeit…

FAZIT: Ein unterhaltsames, aber zugleich auch lehrreiches Buch, das man nicht so schnell wieder vergisst.

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2 Comments

  • Wolkenschaf
    25. Juni 2009 - 15:10 | Permalink

    Die Kurzbeschreibung stimmt nicht ganz, denn der Tiger erledigt tatsächlich nur die Hyäne, die zuvor das Zebra und den Orang-Utan getötet hat.
    Das Buch ist außerdem nichts für Leute mit einem schwachen Magen, denn einige Szenen, wie der Tod der Tiere auf dem Schiff, werden sehr detailreich erzählt.
    Aber falls man daran keinen Anstoß nimmt sollte man dieses Buch auf JEDEN Fall lesen! Es ist lustig, spannend und unglaublich mitreißend!!

  • 25. Juni 2009 - 23:27 | Permalink

    Hallo Wolkenschaf,

    da ich stets die offiziellen Texte von buecher.de übernehme, konnte ich die Kurzbeschreibung nicht ändern. In meiner Rezension habe ich es aber auch extra anders formuliert.
    Wirklich schlimm fand ich persönlich die Szenen nicht. Ich würde sie eher mit dem Fressen-und-Gefressen-Werden vergleichen, das man regelmäßig in Tier-Dokus im TV zu sehen bekommt. Das ist auch nicht schön, aber man muss nicht weggucken. Ich zumindest nicht. ;)

    PS: Schöner Name! :)

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