Originaltitel: The Nanny Diaries
Kurzbeschreibung
Nanny jobbt schon seit Jahren als Kindermädchen, um sich ihr Studium in New York zu finanzieren. Doch dass sie sich von den Eltern des vierjährigen Grayer anheuern lässt, bereut sie schon bald zutiefst: Sie muss den Alltag der so reichen wie neurotischen Mutter organisieren, die Spitzenunterwäsche der Geliebten des Vaters diskret entsorgen und natürlich auf den Jungen aufpassen. Ohne den attraktiven Harvard-Studenten, in den sich Nanny Hals über Kopf verliebt, würde sie in diesem Alptraum den Verstand verlieren…
libromanie-Rezension
Eigentlich hatte ich eine kurzweilige, amüsante Lektüre erwartet, aber nun habe ich den Roman mit Tränen in den Augen beendet…
Die 21jährige Nan arbeitet als Kindermädchen bei Familie X, einer „typischen“ Familie der New Yorker Upper Class. Schnell stellt sich heraus, dass dieser Job anders ist als Nan erwartet hat.
Neben tausend Erledigungen, die sie für Mrs. X zu besorgen hat, muss Nan den 4jährigen Grayer nicht nur von der Schule abholen, zum Musikunterricht bringen etc., sondern die gesamte Rolle seiner Mutter, denn Mrs. X ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sein. Schließlich hat sie einige Vorurteile zu erfüllen. Shoppen, Wohltätigkeitsveranstaltungen … alles ist wichtiger, als ihr Kind.
Auch Mr. X hat für familiäre Angelegenheiten wenig Zeit, denn er ist entweder arbeiten oder vergnügt sich mit seiner Geliebten. Ihre Unzufriedenheit darüber lässt Mrs. X so auch gerne an ihrem – in ihren Augen „minderwertigen“ – Personal aus. Am Anfang fragt man sich noch, warum Nan sich all die Schikanen gefallen lässt, aber der Grund wird eigentlich ziemlich schnell klar: Wie kann sie einen vierjährigen Jungen im Stich lassen, der niemanden hat und sich die Hände waschen muss, bevor er seine Mutter umarmen darf? Und so wächst der kleine Junge nicht nur Nan, sondern auch dem Leser richtig ans Herz, der sich fragt, wie diese Geschichte bloß ein gutes Ende nehmen soll.
Auch wenn man bei der Lektüre auf das ein oder andere Klischee trifft, so befürchte ich doch, dass die beiden Autorinnen nicht alles aus der Luft gegriffen haben, zumal sie selbst mehrere Jahre als Nannies in Familien der entsprechenden sozialen Schicht gearbeitet haben, in der Kinder nur ein nötiges Accessoire zu sein scheinen, das bestenfalls perfekt und möglichst wenig Kind sein soll. Dafür sorgen Elitegrundschulen, Französisch-, Tennis- und Klavierunterricht, etc.
Der Schreibstil der Autorinnen ist flüssig und angenehm zu lesen, die Charaktere überzeugen trotz leichter Eindimensionalität.
Fazit: Wer bloß einen leichten, amüsanten Roman erwartet, wird möglicherweise enttäuscht sein, denn auch die Liebesgeschichte zwischen Nan und dem benachbarten Studenten gerät eher in den Hintergrund. Dennoch gibt es zwischen all den schockierenden Schilderungen auch die ein oder andere lustige Szene, so dass der Roman für mich eine sehr gelungene Mischung darstellt. Einziger Kritikpunkt: Man hat das Buch viel zu schnell durch.
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