Moers, Walter – Wilde Reise durch die Nacht

Kurzbeschreibung
Der junge Gustave möchte unbedingt ein großer Zeichner werden. Aber zuvor muss er in einer einzigen Nacht von der Erde zum Mond und einmal quer durchs Universum reisen, denn er hat eine Wette mit dem Tod abgeschlossen, bei der es um nichts Geringeres als sein Leben und seine Seele geht.
Moers illustrierte Gustaves fantastische Reise anhand von 21 beeindruckenden Bildern aus dem Werk von Gustave Dore, dem erfolgreichsten Zeichner des 19. Jahrhunderts.

libromanie-Rezension
Alles fing mit einer Illustration von Gustave Doré (1832-1883) an, die Walter Moers in einem Sachbuch entdeckte. Begeistert vom zeichnerischen Talent des „besten Illustrators auf diesem Planeten“ (O-Ton Moers) machte der Kultautor sich ans Werk. Was zunächst als Kurzgeschichten zu ausgesuchten Illustrationen Dorés geplant war, entwickelte sich bald zu einem ganzen Roman, der auf 21 eher düsteren Illustrationen des Zeichners basiert und in dem dieser selbst die Hauptrolle spielt.

Die Geschichte beginnt auf der Aventure, dem Schiff des 12jährigen Gustave, das von einem denkenden Zwillingstornado in die Luft gewirbelt wird. Während die restliche Besatzung ins Weltall gesogen wird, hat Gustave Glück im Unglück. Der Goethe zitierende Tod persönlich stellt dem Jungen sechs haarsträubende Aufgaben, die er bestehen muss, um sein Leben zu retten. Und so macht sich Gustave auf den Weg, das größte Abenteuer seines Lebens zu bestreiten, bei dem er – begleitet von seinem „treuen“ Pferd Pancho Sansa – unter anderem durch den Gespensterwald und die Alm der Rätselhaften Riesen reist und den Tod und seine verrückte Schwester Dementia in deren Haus auf dem Mond besucht. Dabei trifft er neben erstaunlichen Objekten wie den raumzeitkontinuierlichen Eventualitätswaben auch auf allerhand monströse Gestalten wie dem schrecklichsten aller Ungeheuer, einer Traumprinzessin und dressierten Lindwürmern. 
Am Rande erfährt er von der Lösung des größten Geheimnisses des Universums und muss feststellen, dass wir doch letztendlich alle bloß Diener des Todes sind.

Wer meint, Moers würde mit Wilde Reise durch die Nacht lediglich eine bloße Bildbeschreibung abliefern, irrt gewaltig, denn auch wenn Illustrationen üblicherweise erst nach dem Text entstehen, harmonieren die beiden Komponenten hier perfekt miteinander. Wen anschließend das Doré-Fieber gepackt hat, der findet am Ende des Romans eine Zeittafel und ein Verzeichnis der wichtigsten von Doré illustrierten Bücher, in dem zum Beispiel auch die Bibel aufgeführt ist.

FAZIT: Ein Märchen voller spritziger Dialoge und skurrilen Charakteren. Der Leser erlebt mit Gustave eine irrwitzige Reise in die Welt der Fantasie, Philosophie und Science Fiction!
Auch eingefleischte Zamonien-Fans werden bei der Lektüre für ein paar Stunden die Welt um sich herum vergessen.

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