Lesungsbericht: Jan Weiler in Köln (02.05.2006)
Dieser Lesungsbericht ist zwar schon etwas älter, jedoch möchte ich ihn euch nicht vorenthalten.
Jan Weiler, Buchautor und Journalist, las am Dienstag, den 02.05.2006 aus Antonio im Wunderland, dem zweiten Teil der Geschichte um Antonio Marcipane, bekannt aus Maria, ihm schmeckt‘s nicht. Und ich war mit dabei…
Pünktlich um 20:15 Uhr begann die Lesung in der Mayerschen Buchhandlung in der Schildergasse in Köln.
Schon bei der Begrüßung war klar, dass dies ein sehr amüsanter und lockerer Abend werden würde - vermutete der Autor doch im Publikum den ein oder anderen männlichen Zuhörer, der von seiner Frau vom Fernseher weggezerrt wurde, weil ab 20:00 Uhr eigentlich der Ball in der Bundesliga rollte.
Schnell jedoch war man mit den Gedanken nicht mehr beim runden Leder, sondern ließ sich von Jan Weiler in ein kleines Reiheneckhaus in Krefeld, der neuen Heimat des italienischen Gastarbeiters Antonio Marcipane entführen. Von dort ging es mit kurzen Unterbrechungen zu Antonio‘s bisherigem Arbeitgeber, der ihn mehr oder weniger feierlich in Rente schickt. Nach einem kurzen Abstecher auf dem Münchener Oktoberfest flogen wir dann gemeinsam mit Antonio, seinem Schwiegersohn und Antonio‘s bestem Freund Benno nach New York, wo einige Abenteuer bestanden werden wollten, bis wir letztlich wieder im Hause Marcipane landeten, wo wir Zeuge einer Hausgeburt wurden.
All dies trug der Autor nicht einfach bloß vor, sondern bot auf dem Podest eher eine Art Ein-Mann-Theaterstück. Unter Einsatz von Mimik, Gestik, verschiedener Stimmlagen und Dialekten sorgte Jan Weiler für einen Lacher nach dem anderen.
Dabei war deutlich zu spüren, wieviel Herzblut der Autor in seine Figuren gesteckt hat, von denen man übrigens ohne weiteres glauben konnte, sie exisitierten tatsächlich.
Zwischen den einzelnen Kapiteln gab Jan Weiler seinen Zuhörern einen äußerst unterhaltsamen Einblick in die Erlebnisse seiner deutschlandweiten Lesereise. So durfte in Köln eine Anspielung auf die besondere ‚Freundschaft‘ mit Düsseldorf natürlich nicht ausbleiben. ![]()
Umfassende Eindrücke hielt er übrigens in einem Reise-Blog fest, der mittlerweile in gedruckter Form als Anekdoten-Sammlung mit dem Titel In meinem kleinen Land erhältlich ist.
Nach knappen zwei Stunden war die Lesung dann vorbei. Anschließend bestand die Möglichkeit, sich seine mitgebrachten Bücher signieren zu lassen. Und wer kein Buch dabei hatte, kaufte sich eben eines.
Bezeichnenderweise kamen am Ende der Veranstaltung auch keinerlei Klagen über einen verpassten Fußballabend. Man war sich einig: Der Mann schreibt nicht nur lustig, er ist auch überaus sympathisch.
Wer sich selbst davon überzeugen möchte, dass Jan Weiler nicht nur unterhaltsam schreibt, sondern auch noch ein großes Unterhaltungstalent besitzt, sollte sich unbedingt das Hörbuch zu Antonio im Wunderland anhören, an dem ganz nebenbei auch Christian Brückner, die deutsche Synchronstimme von Robert de Niro mitgewirkt hat.
Sollte sich Jan Weiler das nächste Mal auf Lesereise begeben, sitze ich also ganz sicher wieder im Publikum. Dann auch mit Fotoapparat. ![]()