Originaltitel: Flowers for Algernon | Website des Autors
Kurzbeschreibung
Charlie Gordon, ursprünglich kaum des Lesens mächtig, ist zu Forschungszwecken operiert worden und entwickelt eine überragende Intelligenz; schließlich überflügelt er intellektuell und fachlich sogar die Professoren, die das Experiment leiten. Zu seinen Freunden zählt die Maus Algernon – das erste Lebewesen, das mit derselben Methode erfolgreich behandelt wurde. Mit den überwältigenden Fähigkeiten stellen sich für das Genie Charlie jedoch auch die ersten Probleme ein – in der Bäckerei, in der er früher arbeitete, mit seiner Familie, von der er jetzt entdeckt, daß sie ihn nie akzeptiert hat, und im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht, vor dem er unerklärliche Angst hat.
Als Charlie auf einem Fachkongress als Attraktion vorgeführt werden soll, flieht er zusammen mit Algernon. Kurze Zeit später zeigen sich im Verhalten der Maus erste Verfallserscheinungen – Charlies Aufzeichnungen für das Forscherteam geben dem Leser einen atemberaubenden Einblick in seine geistige Entwicklung und das Drama seiner Existenz.
libromanie-Rezension
Charly Gordon ist 32 Jahre alt, mit einem IQ von gerade mal 68 jedoch geistig und emotional auf der Entwicklungsstufe eines Kindes. Eine neu entwickelte Gehirnoperation soll ihm dazu verhelfen, intelligent zu werden. Zunächst scheint alles gut zu laufen, Charly lernt in rasanter Geschwindigkeit und entwickelt sich bald zu einem wahren Genie – doch dann treten an der Versuchsmaus Algernon, welche dem selbem Experiment unterzogen wurde, Folgen auf, die auch auf Charly’s Entwicklung schreckliche Auswirkungen haben könnten…
Daniel Keyes hat mit Blumen für Algernon, das früher unter dem Titel Charly, Endwicklung eines Menschen erhältlich war, ein Buch geschrieben, das mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und derart emotional aufgewühlt hat, wie es selten zuvor einem Autor gelungen ist.
Der Leser verfolgt Charly’s Entwicklung anhand dessen Fortschrittsberichte, welche er im Zuge des Experiments regelmäßig verfassen muss. Diese Art Tagebuch setzt ein, als Charly in die engere Auswahl für das Forschungsprojekt kommt, an dem er auf Anraten seiner Lehrerin Miss Kinnian, die ihn auf der Mittelschule für retardierte Erwachsene unterrichtet, teilnehmen möchte, um „intelgent“ zu werden. So finden sich in den ersten Fortschrittsberichten zahlreiche Rechtsschreib- und Zeichensetzungsfehler, die das Lesen der ersten 40 Seiten zwar ein wenig erschweren, jedoch deutlich aufzeigen, auf welchem geistigen Niveau Charly sich gerade bewegt. Im Laufe der Zeit werden die Berichte immer ausgefeilter, Charly’s Ausdrucksvermögen steigert sich und er ist zum ersten Mal in seinem Leben in der Lage, klar zu denken und Dinge miteinander in Verbindung zu setzen. So erkennt er, welche Rolle er als ‘Schwachsinniger’ in der Gesellschaft tatsächlich gespielt hat und was Menschen, die er für Freunde hielt, wirklich über ihn denken. Vor allem aber beginnt er, sich an seine Kindheit zu erinnern. Diese episodenhaften Rückblenden, in denen Charly berichtet, wie seine Umgebung und vor allem seine Familie mit ihm umgegangen sind, haben mir immer wieder Tränen in die Augen getrieben. Schonungslos und realitätsnah wird beschrieben, wie der Junge von seiner Mutter, die nicht wahrhaben will, dass ihr Kind anders ist, misshandelt wird. Bis er schließlich ins Heim abgeschoben wird.
Diese Beschreibungen und die Erkenntnisse, die Charly durch das Projekt gewinnt, machen das Buch für mich zu einem ganz besonderen Werk, das emotional berührt und zum Denken anregt. Auch wenn die Idee der Gehirnoperation utopisch scheint, so kann man sich doch vorstellen, dass ein Großteil der geschilderten Problematik im Umgang mit Retardierten durchaus der Realität entspricht.
Für kurze Zeit ließ mich Daniel Keyes die Welt durch Charly’s (mal trübe, mal klare) Augen sehen. Eine Leistung, die ohne Zweifel mit der vollen Punktzahl belohnt werden muss.
FAZIT: Keine leichte Kost für zwischendurch. Lässt man sich aber auf dieses Buch ein und setzt sich mit der Thematik auseinander, so lernt man, mancherlei Dinge vielleicht aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
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