Hier ist nun also endlich der Lesungsbericht vom 15.05.2007.
Nachdem ich mir bereits Wochen zuvor die ersten Karten gesichert hatte, fand am 15.05.2007 endlich die lang ersehnte Lesung von Kai Meyer in der Bonner Universitätsbuchhandlung Bouvier statt.
Hatten etliche Plakate in der Bonner Fußgängerzone versprochen, der Autor würde aus dem zweiten Band der Wolkenvolk-Trilogie vorlesen, so wurden die etwa 50 Zuhörer bald eines Besseren belehrt. Selbst die Buchhändlerin, die durch den Abend führte, war überrascht, als Kai Meyer pünktlich um 20:30 Uhr zu Beginn der Lesung verkündete, dass er nicht nur einen Auszug aus Lanze und Licht, sondern aus allen drei Teilen der Trilogie vortragen werde. Die Freude war groß, denn wie begeisterte Kai-Meyer-Leser wissen, erscheint der dritte Teil erst im Juni unter dem Titel Drache und Diamant.
Zunächst einmal gab der Autor aber das erste Kapitel von Seide und Schwert zum Besten, um die Zuhörer in die Geschichte einzuführen. Durch Kai Meyer’s angenehme Stimme und seine ruhige, betonte Vortragsart, war es ein Leichtes, schnell (wieder) hineinzufinden in die Geschichte um Nugua, das Mädchen, das unter Drachen aufwächst und dann von einem Tag auf den anderen von ihnen zurückgelassen wird.
Anschließend bekamen wir einen Teil aus Lanze und Licht zu hören. Hier hatte sich der Autor eine etwas actionreichere Szene ausgesucht, in der die Zuhörer auf Feiqing und Wisperwind trafen, die mutig gegen eine Reihe Raunen kämpft.
Während es beim Vortrag der Auszüge aus Seide und Schwert und Lanze und Licht im Publikum noch vereinzelt zustimmendes Kopfnicken und in Erinnerung schwelgendes Seufzen gab, war es danach mucksmäuschenstill. Keiner wollte auch nur einen Satz verpassen, als Kai Meyer eine der hinteren Szenen aus Drache und Diamant vorlas – die Schilderung einer alles entscheidenden Schlacht, in der wir von einem Wesen hörten, das eigentlich schon aus dem ersten Teil bekannt war, dem man dort aber vielleicht keine allzu große Beachtung geschenkt hätte…
Dass dieses Wesen noch eine Rolle spielen würde, wusste selbst der Autor nicht von Anfang an, wie er nach der insgesamt etwa 45minütigen Lesung in der anschließenden Fragerunde verriet. Eigentlich plane er den Plot seiner Geschichten immer möglichst genau durch, aber manchmal schleicht sich eben auch später noch so manche Idee ein, die sich als ziemlich gut herausstellt.
Ausschlaggebend für die Entstehung der Wolkenvolk-Trilogie war, dass Kai Meyer „unbedingt einmal über fliegende Schwertkämpfer“ schreiben wollte. Nachdem er sich daraufhin näher mit der chinesischen Mythologie beschäftigt hatte, entstand nach und nach die Geschichte um Nugua und Niccolo, der – wie der Autor auf die Frage, warum seine Helden immer weiblich wären, erklärte – der eigentliche Hauptcharakter der Trilogie ist. So wurde die Theorie der stets weiblichen Heldinnen schnell widerlegt, denn dass Kai Meyer auch von männlichen Hauptfiguren schreibt, beweisen zum Beispiel Griffin aus der Wellenläufer-Trilogie oder Serafin aus der Trilogie um die Fließende Königin.
Doch nicht nur zu seinen Büchern und kommenden Verfilmungen gab der sympathische Autor Auskunft, sondern plauderte auch ungezwungen über seinen Alltag als Bestsellerautor. Seit der 1969 geborene Schriftsteller im Jahr 1993 sein erstes Buch veröffentlichte, sind einige Jahre vergangen – und über 40 weitere Werke aus seiner Feder erschienen. Auf die Frage, woher er die ganzen Ideen nehme, antwortete er, dass “alle Menschen Ideen haben, die meisten Leute sie aber nie aufschreiben und verwerten”. Kai Meyer hingegen hat – zur großen Freude seiner Fans – ständig Notizbücher bei sich, in denen er alle Gedanken festhält, um sich dann diszipliniert der Schreibarbeit zu widmen. „10 Seiten pro Werktag, am Wochenende ist Pause“. Schreibblockaden kennt Kai Meyer nicht. Auch wenn ein Tag mal wenig viel versprechend anfängt, setzt er sich an seinen PC und meist sind die Seiten, die dabei zustande kommen, “sogar die besten”.
Seine eigenen Bücher liest Kai Meyer aber nur noch selten. Zum einen bleibt ihm hierzu kaum Zeit, zum anderen aber stößt er vereinzelt immer mal wieder auf Stellen, die er heute anders schreiben würde. So wäre es wohl schon mal vorgekommen, dass er während einer Lesung im fertigen Buch herumkorrigierte.
Kurz nach 22 Uhr las Kai Meyer, der sich selbst nicht in eine der Kategorien Kinder-/Jugend- oder Erwachsenen-Autor einsortieren mag, sondern als Geschichtenerzähler versteht, noch eine Kurzgeschichte vor, die er vor einiger Zeit für den Fernsehsender Premiere geschrieben hatte. Hier wurden im Rahmen einer Halloween-Reihe Texte bekannter deutscher Autoren von ebenso berühmten deutschen Schauspielern/Schauspielerinnen, schaurig in Szene gesetzt, vorgetragen.
Nach diesem abschließenden Gruselerlebnis bestand die Möglichkeit, seine mitgebrachten Bücher signieren zu lassen, sich eine Autogrammkarte abzuholen und Kai Meyer persönliche Fragen zu stellen. So gab der aufgeschlossene und lockere Autor seinen Fans zum Beispiel auch bereitwillig Auskunft über seinen Musikgeschmack.
Als Letzte in der Reihe ließ dann natürlich auch ich meine Ausgabe von Lanze und Licht signieren, durfte mich ein paar Minütchen mit Kai Meyer unter anderem über Bücher von Terry Pratchett und Walter Moers unterhalten und verabschiedete mich gut gelaunt mit einem Hinweis auf die beiden Leserunden, die demnächst auf leserunden.de stattfinden und auf die ich mich jetzt schon wahnsinnig freue.

Fazit: Ein überaus gelungener Abend, der sich in der Form gerne wiederholen darf.






One comment
Hallöchen meine Liebe!
Habe es noch geschafft kurz rein zu schauen, wobei ich ja sagen muss das ich sehr traurig bin das ich nicht mit konnte. Es freut mich aber das es dir gut gefallen hat und das nächste Mal gehen wir dann zusammen!
Liebste Grüsse Luci