Patterson, James – Sams Briefe an Jennifer

Originaltitel: Sam’s Letters to Jennifer | Website des Autors

Kurzbeschreibung
Seit dem Unfalltod ihres Mannes hat sich die Journalistin Jennifer völlig von der Welt zurückgezogen. Erst die Nachricht, dass ihre geliebte Großmutter Sam im Koma liegt, reißt sie aus ihrer Erstarrung. Jennifer reist nach Lake Geneva, wo Sam im Krankenhaus liegt und wo Jennifer unverhofft auch Brendan trifft, einen Freund aus Kindertagen. Aber nicht nur diese Begegnung bringt Jennifers Gefühle durcheinander, sondern auch ein Bündel Briefe, das sie im Haus ihrer Großmutter findet. Denn in den Briefen enthüllt Sam ihrer Enkelin ein schockierendes Familiengeheimnis…

libromanie-Rezension
Die Kolumnistin Jennifer hat in ihrem jungen Leben schon großes Leid erfahren. Nach nur kurzer Ehe stirbt ihr Mann bei einem tragischen Unfall. Einziger Halt ist ihre Großmutter Sam, zu der sie schon immer ein ganz besonders Verhältnis hatte.
Als Sam urplötzlich ins Koma fällt, zieht Jennifer in deren Haus am Lake Geneva. Dort findet sie neben einem Stapel Briefe, in denen ihre Großmutter sie in das intimste Geheimnis ihres Lebens einweiht, eine neue große Liebe in Brendan, einem Freund aus Kindertagen, der ihr jedoch etwas verschweigt, was ihrer beider Leben verändern soll…

Nachdem mich Tagebuch für Nikolas zu Tränen gerührt hat, war James Patterson’s zweiter Liebesroman leider eine herbe Enttäuschung.
Als eigentlicher Thriller-Autor versteht er es zwar vorzüglich, die Spannung zu halten und auch der Lesefluss reißt aufgrund der klaren, angenehmen Sprache nie ab. Leider macht der Autor für mich jedoch den gravierenden Fehler, die schriftstellerische Grundregel “Show, don’t tell” völlig zu missachten. Kaum eine Szene wird ausführlich beschrieben, Teile der Geschichte wirken unausgegoren und abgehackt. Sam’s Koma und die möglichen Hintergründe werden nicht näher geschildert. Sie scheinen lediglich als Grundkonstrukt zu dienen, um die Handlung ins Laufen zu bringen. Auch die Titel gebenden Briefe rücken insgesamt betrachtet eher in den Hintergrund und bergen letztlich nicht das erschütternde Geheimnis, das sie versprechen.

Die Charaktere bleiben durchgehend sehr blass. Während der ganzen Lektüre konnte ich einfach keinen Bezug zu ihnen finden, was wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass Patterson ein wenig zu arg auf die Tränendrüse drückt und seinen Figuren so viele Schicksalsschläge widerfahren, dass diese nur noch unglaubwürdig und übertrieben sind.
Tiefgreifende Gespräche in Anbracht der dramatischen Geschehnisse finden allerdings nicht statt. Unterhaltungen dienen lediglich dazu, sich gegenseitig von der Schönheit des anderen vorzuschwärmen und am Ende kommen die – ohnehin platten Erkenntnisse über die Kostbarkeit der Zeit – auch noch mit dem Holzhammer, Romantik steht über medizinischen Erkenntnissen.

FAZIT: Alles in allem hinterlässt das Buch auf mich den Eindruck als sei es schnell konstruiert und herunter geschrieben worden, um an den Erfolg von Patterson’s erstem Ausflug ins Liebesroman-Genre anzuknüpfen. Wer eine wirklich anrührende Liebesgeschichte aus Patterson’s Feder lesen möchte, sollte also lieber zu Tagebuch für Nikolas greifen.

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