Kurzbeschreibung
Antonio will mehr. Will übers Meer. Will Burger statt Pasta. Basta.
Der italienische Gastarbeiter Antonio Marcipane hat alles erreicht: Er besitzt ein Reihenendhaus, ein schönes Auto und vier Dutzend Krawatten. Seine Töchter haben deutsche Männer geheiratet, und jetzt wartet ein entspanntes Rentnerdasein auf ihn. Wenn da nicht noch ein unerfüllter Traum wäre: Amerika. Da muss er hin – und sein Schwiegersohn muss mit.
libromanie-Rezension
Nach 37 Jahren „fleißiger“ Arbeit in einem Krefelder Stahlwerk geht Antonio Marcipane, Schwiegervater des Erzählers, in Rente. Das muss gebührend gefeiert werden und so macht sich Antonio gemeinsam mit Frau Ursula und Tochter Sara sowie deren Ehemann auf den Weg in seine Heimat Campobasso, einem kleinen Dorf in Molise/Süditalien.
Zurück in Deutschland (nach einem überaus unterhaltsamen Oktoberfest-Abstecher des Erzählers mit ein paar italienischen Cousins) rückt Antonio dann mit seinem neuesten Verhaben heraus. Er möchte sich einen Lebenstraum erfüllen: eine Reise nach Amerika. Getarnt als Mission zur Rettung Campobassos geht es zusammen mit seinem Schwiegersohn und Antonio’s bestem Freund, dem etwas eigenwilligen Rheinländer Benno, nach New York. Dass diese Reise alles andere als langweilig wird, zeigt sich schon beim Einchecken am Düsseldorfer Flughafen…
Antonio im Wunderland ist zweifellos eines meiner Lesehighlights des Jahres 2005. Während der gesamten Lektüre hatte ich ein amüsiertes Lächeln auf den Lippen, welches sich nicht selten in ein lautes Lachen steigerte und mir in der Bahn einige irritierte Blicke meiner Mitreisenden einbrachte. Dies mag auch daran gelegen haben, dass ich – als Deutsch-Italienerin – sehr viele Situationen wiedererkannt habe.
Obwohl dieser Roman im Vergleich zum Vorgänger eine rein fiktive Geschichte ist, weist Antonio nach wie vor typisch italienische Charakterzüge auf und legt entsprechende Verhaltensweisen an den Tag. Zwar beruhen die Erlebnisse nicht mehr auf wahren Begebenheiten, sie könnten aber dennoch so stattgefunden haben. Auch wenn eine Begegnung mit Robert De Niro nicht gerade alltäglich ist, zeigt dies doch das (tatsächlich so zu bestätigende) Verhalten der Italiener im Ausland. Hier eben dargestellt an einem etwas berühmteren Beispiel.
Neben urkomischen gibt es aber auch wieder überaus anrührende Szenen, etwa wenn sich Antonio’s Tochter Sara mit ihrer Vergangenheit als Gastarbeiter-Kind auseinandersetzt. Gekonnt wechselt der Autor zwischen Witz und Ernsthaftigkeit und zeichnet somit ein treffendes Bild der italienischen Mentalität, dieser möglicherweise eigensinnigen Art und Weise, mit Problemen umzugehen.
Aus der (von Seiten des typisch deutschen Erzählers anfangs eher befremdlichen) Beziehung zwischen Antonio und seinem Schwiegersohn ist eine ganz besondere Freundschaft geworden. Denn auch wenn der italienische Charakterkopf ziemlich anstrengend sein kann, ist er doch irgendwo einfach nur liebenswert.
Flüssig und treffend erzählt sind die Erlebnisse Antonio‘s wieder einmal ein absolutes Lesevergnügen, das die Eigenarten von Deutschen, Italienern und Amerikanern auf außerordentlich unterhaltsame Weise aufzeigt. Der bayerische, italienische und rheinländische Dialekt der Charaktere macht das Buch noch lebhafter.
Bewertung: ![]()
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