Golden, Arthur – Die Geisha

Originaltitel: Memoirs of a Geisha

Kurzbeschreibung
Die achtjährige Chiyo lebt in einem armseligen japanischen Fischernest. Als die Mutter im Sterben liegt, verkauft der Vater seine Tochter, die eine außergewöhnliche Schönheit zu werden verspricht, an ein Geisha-Haus in der alten Kaiserstadt Kyoto. Hier absolviert sie im mörderischen Konkurrenzkampf mit anderen Mädchen die harte Ausbildung zur Geisha. Mit seinem Roman führt der amerikanische Autor Arthur Golden in eine Welt, die es so nur in Japan gibt.

libromanie-Rezension
Japan zu Beginn der 30er Jahre: Das Mädchen Chiyo ist in ärmlichen Verhältnissen in einem Fischerdorf aufgewachsen. Kurz vor dem Tod ihrer Eltern wird sie zusammen mit ihrer Schwester Satsu nach Kyoto gebracht. Während Satsu in ein Bordell gesteckt wird, kommt Chiyo in eine Okiya, wo sie zur Geisha ausgebildet werden soll. Doch Hatsumomo, die Vorzeigegeisha der Okiya, macht ihr das Leben zur Hölle.
So ist es ein langer, steiniger Weg bis Chiyo schließlich zu Sayuri wird, einer der bekanntesten Geishas aller Zeiten. Wahres Glück kann Sayuri aber erst Jahre später in ihrer großen Liebe finden…

In fortgeschrittenem Alter blickt Saruyi, die mittlerweile in New York lebt, für einen befreundeten Professor auf ihr Leben zurück. So erzählt sie selbst ihre Geschichte, die nicht nur eine ungewöhnliche Liebesgeschichte ist, sondern auch einen umfassenden Einblick in die Welt der Geishas liefert. Traditionen und Rituale werden dabei ebenso detailliert geschildert wie Kimonos und Frisuren beschrieben werden, die in den verschiedenen Stadien der Geisha-Ausbildung getragen wurden. Das mag nicht immer wahnsinnig spannend sein, macht das Ganze aber unglaublich authentisch und lässt den Leser völlig in die Geschichte eintauchen. Fast schon vergisst man, dass Sayuri eigentlich nur eine fiktive Figur ist.

Die Sprache ist sehr schön bildhaft, wirkt manchmal jedoch ein wenig zu blumig. So muss man sich immer mal wieder in Erinnerung rufen, dass dies keine Eigenart des Autors ist, sondern dass er eine Frau sprechen lässt, die in Japan aufgewachsen ist, wo bestimmte Dinge eben eher subtil ausgedrückt werden. Zeigt man bei uns vielleicht eher ein tiefes Dekolletee, reichte es damals in Japan schon, den Männern nur ein Stückchen mehr seines Unterarmes zu zeigen, um ein Signal zu setzen. Und wenn eine Lerngeisha eine Frisur trug, die ‚Gespaltener Pfirsich’ hieß, hatte das eigentlich auch eine ganz offensichtliche Bedeutung. Dennoch ist festzuhalten, dass Geishas keine Prostituierten waren, sondern Künstlerinnen, welche die Männer unterhielten, sich aber auch von ihnen aushalten lassen mussten.

Die Geschichte fließt ruhig und langsam, aber nie zäh dahin. Sayuri nimmt mit der Zeit ihr Schicksal an und erduldet stumm ihr Leid. Es fällt auf, dass Gefühle nie laut gemacht werden. Als Leser schüttelt man darüber so manches Mal den Kopf, aber letztlich ist dieses Verhalten eben typisch japanisch und es zeigt sich – wie schon bei der Sprache – wie genau der Autor recherchiert hat und die japanische Mentalität wiedergibt.

Der Aufbau des Buches ist allerdings nicht ganz so stimmig. Während Sayuri’s Ausbildung sehr ausführlich beschrieben und besonders ihrer mizuage, dem ausschlaggebenden Punkt ihrer Karriere, sehr viel Platz eingeräumt wird, geht es anschließend etwas zu schnell. Plötzlich ist das Mädchen von damals nicht nur eine ausgebildete Geisha, sondern schon eine erwachsene Frau. Diese Entwicklung ist zu sprunghaft, denn man hat Sayuri über so viele Seiten als Mädchen und junge Frau begleitet, dass es schwer fällt, sich plötzlich ein genaues Bild ihres Charakters als Frau mittleren Alters zu machen. So war mir Sayuri am Ende auch nicht mehr ganz so sympathisch wie noch zu Beginn der Geschichte.

FAZIT: Ein ruhiges, unterhaltsames, aber auch informatives Buch, auf das man sich einlassen muss, um es genießen zu können.

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