Picoult, Jodi – Beim Leben meiner Schwester

Originaltitel: My Sister’s Keeper
Genre: Sonstige Bellestristik
Reihe: -
Verlag: Piper (2006)
Übersetzung: Ulrike Wasel u. Klaus Timmermann
ISBN: 9783492247962
Seiten: 478
Website der Autorin: www.jodipicoult.com

Kurzbeschreibung
Ohne ihre Schwester Anna kann Kate Fitzgerald nicht leben: Sie hat Leukämie. Doch eines Tages weigert sich die dreizehnjährige Anna, weiterhin Knochenmark für ihre todkranke Schwester zu spenden…

libromanie-Rezension
Weil sie und ihr Sohn als passende Spender für ihre leukämiekranke Tochter Kate nicht infrage kamen, entschieden Sara und Brian Fitzgerald sich für die Zeugung eines Designerbabys, das mit den gleichen genetischen Merkmalen ihrer erstgeborenen Tochter auf die Welt kam. Gleich nach Anna’s Geburt wurde Kate das Nabelschnurblut verabreicht, im Laufe der Jahre spendete Anna immer wieder Blut und Knochenmark. Als nach der langjährigen, aggressiven Krebsbehandlung Kate’s Nieren versagen, soll Anna ihrer Schwester eine Niere spenden. Doch das mittlerweile 13jährige Mädchen weigert sich, kratzt ihr Taschengeld zusammen und nimmt sich einen Anwalt, um ihre Eltern auf das Recht am eigenen Körper zu verklagen – wohl wissend, dass ein Sieg vor Gericht den Tod ihrer Schwester bedeutet.

Die Geschichte dreht sich um einen Konflikt, für den es keine richtige oder falsche Lösung gibt, egal, von welcher Seite man es betrachtet.
Aus den verschiedenen Blickwinkeln der Beteiligten wird erzählt, wie sie die Situation erleben: Anna, das menschlich Ersatzteillager, ihr Vater Brian, der ältere Bruder Jesse, der durch Drogenmissbrauch und Brandstiftung auf sich aufmerksam zu machen versucht, Anna’s eiskalter Anwalt Campell Alexander, Julia, die Verfahrenspflegerin und Sara Fitzgerald, die dem Leser durch Rückblenden einen umfassenden Einblick in Kate’s Krankheitsverlauf und Behandlung gewährt.

So wäre die Geschichte selbst ohne Anna’s Weigerung, eine Niere zu spenden, sehr bewegend gewesen. Die Bestrahlungen und Chemotherapien, die Kate mit all ihren Nebenwirkungen über sich ergehen lassen muss und die ständige Angst ihrer Familie, die geliebte Tochter und Schwester von einem Tag auf den anderen zu verlieren, haben mir immer wieder Tränen in die Augen getrieben. Jodi Picoult schildert die Gedanken und Gefühle ihrer Figuren sehr realistisch und ergreifend.

Daher ist es sehr schade, dass die Autorin den gleichen Fehler macht wie in dem ersten Buch, das ich von ihr gelesen habe und die Geschichte mit viel zu vielen nebensächlichen Handlungssträngen und juristischen Problemen überlädt: Die Mutter ist zufällig Anwältin und vertritt die Gegenseite, stellt sich also nicht nur zuhause, sondern nun auch vor Gericht ausschließlich auf Kate’s Seite. Der Vater sucht als Feuerwehrmann nach einem Brandstifter, der sich als sein eigener Sohn entpuppt, dessen Eskapaden schnell nur noch überzogen wirken. Der entscheidende Richter ist nicht völlig unvoreingenommen, die Verfahrenspflegerin und Anna’s Anwalt kennen sich von früher.
Nebenbei spinnt Jodie Picoult auch noch eine ziemlich unnötige Liebesgeschichte, die bloß vom Wesentlichen ablenkt.

Natürlich wirkt eine Geschichte lebendiger, wenn jede Figur einen eigenen Hintergrund hat, hier jedoch hatte ich das Gefühl, dass es für die eigentliche Geschichte einfach zu viel wird und teilweise etwas konstruiert wirkt, um möglichst viele Konfliktsituationen zu schaffen.
Und am Ende entscheidet sich die Autorin auch noch für die denkbar einfachste und platteste Lösung, die möglich war.

FAZIT: Fesselnd und bewegend geschrieben, aber leider mit unnötigen Längen.

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