Anlässlich des Erscheinens von Tintentod ging Cornelia Funke zusammen mit Rainer Strecker, dem Sprecher der Tintenwelt-Hörbücher auf Lesereise durch Deutschland. Am 22.11.2007 fand um 17.oo Uhr eine Lesung im ausverkauften Sartory-Saal in Köln statt. Durch den Nachmittag führte die NDR-Redakteurin Margarete v. Schwarzkopf.
Nach einer kurzen Anmoderation betrat Cornelia Funke die Bühne und wurde von mehreren Hundert Fans mit tosendem Applaus begrüßt. Die Stimmung war einfach unglaublich und erinnerte mehr an ein Popkonzert als an eine Lesung. Als schließlich auch Rainer Strecker, Schauspieler und Sprecher der Tintenwelt-Hörbucher auf einem der Sofas Platz genommen hatte, begann ein kleines Interview, in dem Cornelia Funke erzählte, wie sie auf die Idee zur Tintenwelt-Trilogie gekommen ist. Zum einen habe sie die Anfangsszene von Tintenherz bildlich vor Augen gehabt, wie in einer regnerischen Nacht ein merkwürdiger Mann vor der Tür von Mo und Meggie steht, und zum anderen wollte sie – nachdem es in Herr der Diebe nur ein einziges Mädchen gab – einmal eine Geschichte mit einer Heldin schreiben. Hinzu kam der Gedanke, dass Figuren einem manchmal länger in Erinnerung bleiben als lebendige Personen. “Wer kann sich im Alter noch genau an seine einstigen Klassenkameraden erinnern?” Eine Figur wie Harry Potter bliebe doch viel länger im Gedächtnis.
Eigentlich war nur ein Buch geplant gewesen, so Funke. Aber da sie so viele Ideen für einen zweiten Teil hatte, musste dieser auch noch geschrieben werden. “Dessen Ende hätten mir die Leser aber kaum verziehen”, sagt sie mit einen Lächeln. Und so schrieb sie eben einen weiteren Teil, nach dem allerdings erstmal Schluss sein soll. Ob es ihr schwer fiele, die Figuren nach Abschluss eines Romans zu verlassen? “Eher nicht. Die Figuren blieben ja weiterhin im Leben. Sie sind nicht weg, aber ihre Geschichte ist erzählt und nun wollen sie nicht mehr.” Außerdem ist Cornelia Funke immer wieder neugierig auf neue Figuren mit neuen Geschichten, aber “man soll auch niemals nie sagen”. Vielleicht wird es also irgendwann doch noch einen weiteren Tintenwelt-Band geben…
Nächstes Jahr kommt jedoch erstmal die Verfilmung von Tintenherz in die Kinos. Für die Autorin eine spannende Erfahrung. So aufregend, dass sie jedem, der ein Buch geschrieben hat, wünscht, einmal zu erleben, wie seine Schöpfungen auf der Leinwand lebendig werden. Sie selbst war völlig überwältigt, als sie Capricorn’s Dorf in Ligurien besucht hat und dort Capricorn’s Männern begegnet ist – die plötzlich alle auf sie zukamen, um sich ihre Bücher signieren zu lassen, erzählt die Autorin.
Neben Cornelia Funke sollte aber auch Rainer Strecker zu Wort kommen. Und so erzählte er, wie er bei der Aufnahme der Hörbücher vorgeht. Insgesamt lese er das Buch vier Mal. Das erste Mal verschlinge er das Buch, wie jeder andere Leser, der seine Neugierde stillen möchte. Beim zweiten Durchgang mache er sich Notizen, überlege, wie welche Stimme gelesen wird und markiere manche Stellen mit Ausrufezeichen. Anschließend lese er den Text laut und beim vierten Mal wird auch schon aufgenommen. Cornelia Funke ist mit seiner Arbeit mehr als zufrieden. Die beiden haben während der Aufnahme immer wieder telefonischen Kontakt und manchmal, sagt die Autorin, habe sie sich eine Stimme zwar anders vorgestellt, aber wenn sie die Vertonung dann höre, habe sie das Gefühl, “dass es sich genau so anhören muss”. Kein Wunder, denn nach fünf Stunden Arbeit “ist man voll in der Geschichte drin und kann die Gefühle der Figuren nachempfinden”, so Strecker.
Dass er diese Gefühle durch seine Stimme auch wunderbar vermitteln kann, bewies er in der Lesung, die um etwa 17.20 Uhr begann. Abwechselnd lasen er und Cornelia Funke knapp eine Stunde; insgesamt drei Szenen und anschließend noch eine Zugabe, bei denen Cornelia Funke die weiblichen und Rainer Strecker die männlichen Stimmen übernahm.

Besonders die Zugabe, bei der Funke die hysterische Stimme der Elinor nachahmte und Strecker den von ihr genervten Fenoglio gab, war ganz großes Kino und führte zu etlichen Lachanfällen im Publikum, die auch die beiden Vortragenden ergriffen. Selbst ein eigentlich störender Mikrofonausfall konnte die gute Laune während der Lesung nicht trüben und so muss ich meine Meinung über Cornelia Funke, die mir bislang immer etwas kühl vorkam, absolut revidieren, denn die Autorin wirkte sehr warmherzig, natürlich und hat offensichtlich ein großes Herz für Kinder, was sich u.a. darin widerspiegelt, dass sie sehr engagiert ist und seit dem 22.11. auch Botschafterin für Wünschdirwas ist, ein eingetragener Verein, der schwerkranken Kindern Herzenswünsche erfüllt.
Nach der Lesung erhielten zwei junge Leser die Möglichkeit, der Autorin ein paar Fragen zu stellen.

Dabei wollten sie u.a. von der Autorin wissen, welche Bücher sie mit auf eine einsame Insel nehmen würde, wenn sie sich zwei ihrer eigenen Werke aussuchen dürfe. Cornelia Funke entschied sich für Das Piratenschwein und Igraine Ohnefurcht. Einen Lieblingscharakter habe sie aber nicht, sagt sie. Während Rainer Strecker erzählt, dass seine Lieblinge mit der Zeit wechseln, so wie sich die Figuren entwickeln. Mochte er früher Staubfinger besonders, so liegt ihm heute viel an Darius, der auch Stoplerzunge genannt wird.
Auf die Frage, welchen Tipp sie angehenden Schriftstellern geben würde, antworterte Cornelia Funke “Viel lesen, neugierig sein und immer ein Notizbuch dabei haben.” Kinder, die nicht lesen, tun ihr übrigens ziemlich leid. “Das ist so, als ob jemand noch nie Schokolade gegessen hätte.” Aber man soll Kinder nicht zum Lesen zwingen. Manche haben eben andere Interessen. “Mein Sohn springt auch lieber auf seinem Trampolin”, meint sie.
Dass zumindest die Kinder, die an diesem Tag im Sartory-Saal waren, nicht erst zum Lesen bekehrt werden müssen, zeigte sich in der anschließenden Schlange, die sich innerhalb kürzester Zeit vor dem Signier-Tisch gebildet hatte. Aufgrund des großen Ansturms war es Cornelia Funke lediglich möglich, stets nur ein Buch pro Person zu signieren. Trotzdem waren sie und Rainer Strecker eine ganze Weile beschäftigt. Ich möchte nicht wissen, wie sich die Handgelenke der beiden nach diesem Signier-Marathon, der ja am nächsten Tag schon wieder in Hannover weiterging, angefühlt haben.






