Originaltitel: -
Genre: Kinder- und Jugendliteratur
Reihe: -
Verlag: Lübbe (2005)
ISBN: 9783404154128
Seiten: 446
Website des Autors: www.isau.de
Kurzbeschreibung
Das kleine Städtchen Silencia ist ein Ort der Dichter und Plaudertaschen. Auch das Mädchen Pala liebt Geschichten über alles, ganz besonders wenn sie von ihrem Freund, dem alten Gaspare, erzählt werden. Doch als sie Gaspare eines Tages besuchen will, bringt dieser zu ihrem Entsetzten kein Wort mehr heraus. Wie eine Krankheit breitet sich die “Verflüchtigung der Worte” in der Stadt aus, und mit den Worten schwindet die Menschlichkeit. Inmitten der plötzlich nur noch mit Arbeit beschäftigten Erwachsenen sucht Pala nach der Ursache für das Übel. In der Burg hoch über der Stadt, wo Zitto, der mysteriöse Wohltäter der Stadt, seine Wohnung hat, hofft Pala Antworten auf ihre Fragen zu finden. Doch um Zittos verwunschenes Reich zu betreten, muss sie erst ein Rätsel lösen, das in einem Gedicht verborgen liegt …
libromanie-Rezension
Pala lebt mit ihrer Familie in Silencia, der Stadt der Dichter und Erzähler. Schon frühzeitig hat das Mädchen seine Liebe zur Sprache entdeckt und verbringt die Zeit am liebstem damit, neue Wörter zu erfinden oder den Geschichten von Nonno Gaspare zu lauschen.
Doch dann zieht der geheimnisvolle Zitto in die jahrhundertealte Burg über der Stadt und bringt eine rätselhafte Seuche mit, die zuallererst Nonno Gaspare befällt und ihm die Sprache raubt. Nach und nach fallen immer mehr Bewohner Silencias der merkwürdigen Krankheit anheim, vergessen Silben oder ihren gesamten Wortschatz. Oder haben schlichtweg keine Zeit mehr für vernünftige Gespräche. Wo einst fröhlich geplappert und miteinander geplaudert wurde, wird nunmehr gestritten und geschwiegen.
Um die Stadt von dem unheimlichen Sprachverlust zu befreien, sucht Pala einen Weg hinauf zu Zitto’s Burg und gerät dort in einen verwunschenen Garten der Worte…
Ralf Isau’s Einfallsreichtum ist bemerkenswert. Jedem der insgesamt 15 Kapitel ist ein Sonett vorangestellt, dass sich thematisch auf den jeweiligen Abschnitt bezieht. Flüstertüten, Stilblüten und Bucheckern haben eine völlig andere Bedeutung und statt Korn- gibt es Zornblumen, die denjenigen, der sie berührt, in Rage versetzen. Die Leidenschaft des Autors zum Umgang mit Sprache ist nahezu spürbar, sodass das Lesen des Buches ein absoluter Genuss wäre – wenn neben ebendieser Sprachgewalt nicht all die anderen Dinge, die eine gute Geschichte ausmachen, nahezu komplett in den Hintergrund rücken würden.
So bleiben die Charaktere leider durchweg recht blass und konnten mich selbst in ihren emotionalsten Momenten nicht berühren.
Zudem kommt die Handlung einfach nicht richtig in Fahrt, spannend waren lediglich der mysteriöse Anfang und das Finale in der Burg. Die Rätsel, die Pala auf ihrem Weg lösen muss, sind sich allesamt sehr ähnlich und ihre Lösung meist schnell gefunden; haben sie doch alle eine mehr oder weniger neue moralische Erkenntnis zu bieten, die manchmal etwas plump daherkommt.
Eher unstimmig wirkt auch der zeitliche Sprung in der Erzählung. Während zunächst auf wenigen Seiten Monate und Jahre in Silencia vergehen, werden mit Beginn von Pala’s Mission plötzlich Tage und Stunden genau beschrieben, während die Geschichte zeitgleich auch recht unerwartet ins Märchenhafte abdriftet.
Das Ende ist zwar rund, fällt jedoch etwas übertrieben glücklich aus.
FAZIT: War ich zunächst absolut begeistert von Pala’s Kampf gegen die Wortklauber, habe ich das Buch zum Schluss eher enttäuscht zugeklappt.
Bewertung: 




Da das Buch schon lange auf meiner Wunschliste stand und ich heute eine Mail von Amazon mit einem 5-Euro-Gutschein bekommen habe, habe ich es mir gerade vorhin bestellt. Ich bin schon sehr gespannt – das, was du über die Sprache & den Einfallsreichtum schreibst, klingt toll. Mal sehen, ob mich die negativen Dinge, die du angesprochen hast, auch stören werden… auf jeden Fall hat mich deine Rezi noch neugieriger auf das Buch gemacht als ich eh schon war
Lg, Eva
Hallo Eva,
ich bin gespannt, wie dir das Buch gefällt und ob es dir ebenso gehen wird wie mir – was ich natürlich nicht hoffe.
Viel Spaß beim Lesen!
Nina
Hallo Nina!
Habe das Buch gestern Abend gelesen und muss dir leider in allen Punkten zustimmen – am Ende war ich schon so genervt von der Geschichte, dass ich froh war, als ich es endlich fertig hatte. Vor allem die moralischen Botschaften haben mich furchtbar genervt, besonders spannend war es auch nicht, die Charaktere waren, wie du sagst, blass… seine Ideen sind schon gut, aber im Allgemeinen bin ich doch schwer enttäuscht
. Schade – vom Grundgedanken her hätte die Geschichte viel Potential gehabt.
Aber interessant, wie sehr meine Meinung mit deiner übereinstimmt – ich kann deine Rezi eigentlich Punkt für Punkt unterschreiben
. Kennst du andere Bücher von Isau? Habe nämlich gelesen, dass die anderen besser sein sollten und vor allem auf “Das Museum der gestohlenen Erinnerungen” wäre ich trotzdem noch neugierig…
Liebe Grüße!
Eva
Hallo Eva,
einerseits freue ich mich natürlich, dass sich unsere Meinungen decken, andererseits hätte ich dir aber auch ein schöneres Leseerlebnis gewünscht.
Bislang habe ich von Isau noch ‘Die geheime Bibliothek des Thaddäus Tillmann Trutz’ und ‘Der Herr der Unruhe’ gelesen. Wenn du noch ein paar Tage wartest, bekommst du zu beiden Büchern eine Rezi. Die Notizen habe ich hier rumliegen, ich muss sie nur noch in Textform bringen.
Liebe Grüße,
Nina
Oh, da bin ich schon sehr gespannt auf deine Rezis – ich weiß nicht warum, irgendwie möchte ich ihm einfach noch eine Chance geben *lach*. “Der Herr der Unruhe” klingt (jetzt nur mal vom Titel her, ich weiß von dem Buch noch gar nichts) richtig gut!
‘Der Herr der Unruhe’ ist auch das beste Buch, das ich von Isau bislang gelesen habe. Mein erstes war ‘Die geheime Bibliothek des TTT’, aber wirklich begeistert war ich nicht. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass der Autor unglaubliches Potential hat.
‘Der Herr der Unruhe’ war dann auch wirklich gut, aber ‘Pala’ eben wieder enttäuscht. So wie ich das mitbekommen habe, bin ich aber auch eher an die schwächeren Isau-Bücher geraten. Na ja.
Weitere Ausführungen gibt’s dann die Tage.