Keyes, Marian - Neue Schuhe zum Dessert
Originaltitel: The Other Side of the Story
Genre: Liebesromane & Frauenliteratur
Reihe: -
Verlag: Heyne (2006)
Übersetzung: Susanne Höbel
ISBN: 9783453580190
Seiten: 720
Website der Autorin: www.mariankeyes.com
Kurzbeschreibung
Ein Unglück kommt selten allein: Ausgerechnet ihre beste Freundin spannt Gemma den Lover aus. Und kurz darauf wird ihre Mutter sitzen gelassen und braucht fortan Rundumbetreuung. Gemma kauft sich eine Packung Kleenex, fünf Paar Schuhe und setzt sich an den Computer, um sich das Unglück von der Seele zu schreiben. Ihre Freundin Susan ist von den witzigen Texten so begeistert, dass sie diese heimlich einer Literaturagentin schickt. Und schon sehr bald hat Gemma anderes im Sinn als ihre verlorene Liebe.
libromanie-Rezension
Eine Affäre mit ihrem Chef bringt die erfolgreiche Literaturagentin Jojo Harvey ganz schön in die Bredouille. Aber auch ihre Klientin Lily Wright hat so ihre Probleme, denn sie hat soeben ihren ersten Roman veröffentlicht und soll nun einen möglichst ebenso erfolgreichen Nachfolger schreiben. Keine leichte Sache, denn neben den ständigen Geldsorgen plagt sie ihr schlechtes Gewissen. Anton, Vater ihrer Tochter, ist nämlich der Ex-Freund ihrer ehemals besten Freundin Gemma Hogan.
Die trauert ihrem Verflossenen immer noch hinterher und erlebt zudem gerade ein familiäres Drama: Ihr Vater hat eine Geliebte und verlässt ihre Mutter von einem Tag auf den anderen. Fortan muss Gemma ihre Mutter nahezu rund um die Uhr betreuen, wovon sie ihrer Freundin Susan in Seattle per eMail berichtet. Susan wiederum ist von den Geschichten derart begeistert, dass sie diese an Jojo weiterleitet, welche in ihnen Potential für einen Roman sieht. Und so kommt eins zum anderen…
Um es gleich vorweg zu sagen: Das Buch ist bei weitem nicht so oberflächlich, wie der völlig bescheuert unpassend übersetzte Titel vermuten lässt. Im Vergleich zu früheren Romanen von Marian Keyes ist es aber trotzdem deutlich schwächer.
Zwar gewährt die Autorin dem Leser einen interessanten Blick in das Verlagswesen und die Höhen und Tiefen einer Schriftstellerkarriere, jedoch ist die Handlung zu offensichtlich konstruiert, sodass die Geschichte oft unrealistisch wirkt; etwa wenn Bücher in wenigen Wochen geschrieben werden und Gemma an denselben Verlag gerät wie Lily.
Auch der Aufbau des Buches ist zu exakt geplant. Jede der drei Protagonistinnen wird zunächst fast genau 100 Seiten lang eingeführt, allerdings (aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen) in verschiedenen Erzählperspektiven. Gegen Ende springt die Autorin häufiger von einer Person zur anderen, auf ein finales Zusammentreffen aller wartet man jedoch vergebens.
Da häufig Szenen in die Länge gezogen werden, welche für den Fortgang der Geschichte eigentlich unerheblich sind, brauchte ich für die Lektüre fast zwei Wochen - statt wie üblich wenige Tage. Daran konnte leider auch der für Keyes typische, freche und flüssige Schreibstil nichts ändern.
Hinzu kommt dass ich zu keiner der Figuren einen richtigen Bezug finden konnte. Gemma war mir mit ihrer Rachsucht stellenweise richtig unsympathisch und Jojo und Lily manövrieren sich selbst ins Unglück, ohne dass ich ihre Beweggründe dafür nachvollziehen konnte.
FAZIT: Insgesamt immer noch ganz unterhaltsam, aber ganz sicher kein großer Wurf der irischen Autorin.
Bewertung: 
August 25th, 2008 at 23:34
hi Nina,
schöne Seite und gute Rezension. Kann es sein, dass Marian Keyes “Pusteblume” geschrieben hat? Ich kann mir nur vage an den Inhalt erinnern, aber ich meine es war ganz gut. Kann es aber leider nicht finden
LG
August 27th, 2008 at 13:13
Danke für das Lob, dolcevita!
Ja, ‘Pusteblume’ ist auch von Marian Keyes. Ansonsten hat sie noch ‘Wassermelone’, ‘Lucy Sullivan wird heiraten’, ‘Rachel im Wunderland’, ‘Sushi für Anfänger’, ‘Auszeit für Engel’, ‘Erdbeermond’ und ‘Märchenprinz’ geschrieben. Außerdem gibt es noch drei Kurzgeschichtensammlungen von ihr: ‘Unter der Decke’, ‘Pralinen im Bett’ und ‘Nothing bad ever happens in Tiffany’s’.
Ich mag ihren erfrischenden Schreibstil einfach sehr gerne, wobei ich die Romane nach ‘Sushi für Anfänger’ etwas schwächer finde. Mein Lieblingsbuch von Marian Keyes ist ‘Rachel im Wunderland’. Da zeigt sich besonders, dass die Autorin nicht nur witzig schreibt, sondern auch ernste Themen anpackt.
August 28th, 2008 at 01:28
Wahrscheinlich liegt es an den Buchtiteln, in “Pusteblume” ging es doch u.a. um Magersucht, die den Eindruck von oberflächlicher Frauenliteratur vermitteln. Na ja, einmal in einer Schublade kommt frau da schwerlich wieder raus - “The other Side of the Story” unter dem Titel “Neue Schuhe zum Dessert” auf den Markt zu werfen ist schon ziemlich dreist
LG
August 30th, 2008 at 23:16
Die Titel dieser “Freche Frauen-Romane” sind meist wirklich ziemlich daneben. Das Thema wäre eigentlich mal einen eigenen Beitrag wert.