Originaltitel: Firmin. Adventures of a Metropolitan Lowlife
Genre: Sonstige Belletristik
Reihe: -
Verlag: Ullstein (2008)
Übersetzung: S. Aeckerle, M. Balkenhol, H. Gieselbusch, K. Fieber
ISBN: 9783550087424
Seiten: 216
Website des Autors: -
Kurzbeschreibung
Firmin wächst im Keller einer Bostoner Buchhandlung auf und liest sich Buch für Buch durch die Weltliteratur. Er entdeckt, wie spannend das Leben der Menschen ist, und macht sich auf, ihre Freundschaft zu suchen.
Sam Savage erzählt in diesem gefeierten Kultbuch die traurig-charmante Geschichte eines verkannten Außenseiters.
libromanie-Rezension
Die Geschichte von Firmin, tragischer Held des Romans, beginnt im Keller einer Bostoner Buchhandlung. Als Schwächster des Wurfes kommt er bei der Nahrungsaufnahme stets zu kurz und entgeht dem Hungertod nur knapp, indem er beginnt, die Bücher in den Regalen anzuknabbern und Papier zu fressen. Bald jedoch entdeckt er, dass Bücher auch geistige Nahrung sind und liest sich durch die gesamte Weltliteratur…
Für Menschen, die gerne und viel lesen, dürften allein schon das Setting in der Buchhandlung und die vielen Anspielungen auf bekannte Romane Anreiz sein, dieses Buch zu kaufen. Hinzu kommt die originelle Idee, eine Ratte ihre Lebensgeschichte erzählen zu lassen.
Firmin ist aber nicht nur eine – im wahrsten Sinne des Wortes – Leseratte. Das gewitzte Kerlchen betrachtet sich selbst als „äußerst zynisches, einigermaßen niederträchtiges und melancholisches Genie“. Schon früh wird deutlich, dass er sich von seinen Artgenossen abhebt und später auch bewusst distanziert. Weil sein eigenes Leben ihm naturgegeben nicht viel bietet, flüchtet er sich immer mehr in die Welt der Literatur, verliert sich in Tagträumen und unternimmt verzweifelte Versuche, Kontakt zu Menschen aufzunehmen, denen er sich aber tragischerweise einfach nicht verständlich machen kann.
Aufgrund des flüssigen, selbstironischen Schreibstils lässt sich das Buch angenehm und zügig lesen und obwohl die Erzählung zu Beginn nicht gerade stringent ist und Firmin einige kleinere Exkurse unternimmt, hat man sich schnell in die Geschichte eingefunden.
Leider ist das Buch jedoch sehr handlungsarm. Die wenigen Wendungen sind voraussehbar und auch das Ende vermag kaum zu überraschen. Auch philosophische und gesellschaftskritische Ansätze bleiben leider nur sehr oberflächlich, sodass das Buch insgesamt – nicht nur vom Umfang her- reichlich dünn wirkt.
Außerdem fand ich sehr schade, dass Firmin sich weniger aus Liebe den Büchern zuwendet, sondern vielmehr aus der Not heraus. Sein Schicksal ist zwar sehr traurig, hat mich aber nur selten wirklich berühren können.
Dafür ist die Aufmachung des Romans sehr gelungen. Der Schutzumschlag wirkt alt und rissig, die Seiten sind etwas dunkler als gewohnt und der Seitenschnitt ist dank Rough Cuts ungleichmäßig gefasst, sodass es beinahe so aussieht, als hätte Firmin daran geknabbert.
FAZIT: Leider können die ausgefallene Idee und die niveauvolle Sprache das Fehlen einer ordentlichen Spannungskurve nicht völlig ausgleichen, sodass ich insgesamt eher enttäuscht bin.
Bewertung : 




Also können Ratten nicht nur gut kochen … sie können auch Bücher lesen ;D ;D
Ja, das können sie.
Allerdings muss ich sagen, dass ich von Ratatouille damals genau so enttäuscht war wie von Firmin. Dabei mag ich Ratten total gerne. Mein Traum zu Schulzeiten war immer eine eigene Ratte. Den Namen hatte ich schon: Quasimodo. Nur die Ratte selbst blieb Wunschdenken.
Firmin – ein Rattenleben
Firmin, als 13. seiner Art geboren, musste schon früh ums Überleben kämpfen, denn die süße Milch der Mutter ist für ihn als Schwächling nur in seltenen Fällen zu haben. Aus Not isst er das Nest unter sich auf, das Bücherfetzen besteht. Vielleicht ist das auch der Grund weshalbt Firmin so anders ist als der Rest seiner Familie. Frimin kann lesen und das eröffnet ihm den Zugang zu einer völlig fremden Welt – Welt der Menschen.
1. Je mehr er über sie liest, desto näher will er ihnen sein. Seine Begierde gehört den Menschenfrauen, seine erste große Liebe und gleichzeitig die größte Enttäuschung – ebenfalls ein Mensch. Doch auch einen Freund findet er unter ihnen, oder hält dieser ihn nur für ein lustiges Haustier?!
Und am Ende bleiben immer dieselben Fragen: Wurde ich jemals geliebt? Wurde ich jemals ernst genommen? Und was verdammt nochmal war der Sinn dieses kurzen Lebens?
Firmin ist eine Ratte oder doch ein Mensch? Diese Entscheidung sollte dem Leser überlassen werden. Feststeht: Firmins Dasein schockiert und ermuntert zugleich. Sein Leben bewegt und erinnert an die Kürze und Sinn des eigenen Daseins.
Lesern rate ich die erste Seite, also den Spruch von Tschuang Tse nach der Lektüre noch einmal durchzulesen…es macht schon einiges verständlicher !
Das Buch beginnt sehr schön und ist sprachlich ein Genuss, leider lässt dieser Genuss von Kapitel zu Kapitel nach. Ab dem elften wird es so simpel, dass ich nicht mehr glauben kann, dass es sich noch um dasselbe Buch handelt, bis ich auf die mehreren Übersetzer aufmerksam werde. Klar könnte es natürlich auch sein, dass Sam Savage seinen Stil mitten im Buch ändert, doch ich vermute es liegt eher an der Übersetzung. Wie kann man denn ein Buch in 4 Teile trennen und von verschiedenen Menschen übersetzen lassen, die alle keine Ahnung vom Zusammenhang haben? Vor allem hat jeder seinen eigenen Stil, seine Art die sich auch bei einer Übersetzung nicht hinter dem Original verstecken lässt. Und das spürt man besonders arg gegen Ende der Lektüre. Meiner Meinung nach ist es ein Verbrechen an der wunderschönen Geschichte die dahinter steht!
Alles in allem bin ich sehr zufrieden. Das Buch hat mich wirklich berührt und ich würde es jedem weiterempfehlen der ein wenig an philosophischem Gedankengut interessiert ist. Ich selber werde noch die englische Version lesen um den wahren Schreibstil kennenzulernen.
Als ich das Buch in der Hand hielt war ich absolut begeistert. Zuerst einmal von der wunderschönen Ratte und dem fleckigen Schutzumschlag. Doch auch das was sich darunter verbirgt, sieht sehr ansprechend aus. Die Seiten sind sehr dick und in “Rough Cut” gestaltet, was das Buch noch gebrauchter erscheinen lässt. Die Seiten sind natürlich, beige und ermüden nicht die Augen wie manch weiße auf Hochglanz polierte Romane.
Hallo dyabollo,
es freut mich, dass du auf meiner Seite vorbeigeschaut hast! Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich es in Ordnung finden soll, dass meine Kommentarfunktion dafür genutzt wird, Punkte bei vorablesen.de einzuheimsen.
Kommentare zu meinen Beiträgen sind natürlich erwünscht und auch Links zu weiteren Meinungen in Foren oder auf der eigenen Homepage sind gerne gesehen, aber eigentlich wollte ich auf dieser Seite nur meine eigenen Rezensionen sammeln/vorstellen.
Vor allem hätte ich mich über deine Rezension wesentlich mehr gefreut, wenn du dir die Mühe gemacht hättest, ihr einen persönlichen Kommentar voranzustellen. So entsteht bei mir leider der Eindruck, dass du lediglich einen weiteren Link zu deiner Rezi setzen wolltest.