Hein, Jakob – Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht

Originaltitel: -
Genre: Sonstige Belletristik
Reihe: -
Verlag: Piper (2008)
Übersetzung: -
ISBN: 9783492052078
Seiten: 173
Website des Autors: www.jakobhein.de

Kurzbeschreibung
Seit Boris Moser seine Agentur für verworfene Ideen eröffnet hatte, war niemand anderes als er selbst durch die Eingangstür getreten. Nun stand diese Frau vor seinem Schreibtisch, Rebecca. Kastanienbraunes Haar fiel auf ihre Schultern, und ihre Augen leuchteten. Während Boris noch darüber sinnierte, ob ihre elegante Nase ihr einen evolutionären Vorteil einbrachte, sprach Rebecca ihn an. Schlagartig wurde Boris klar, dass er diese Frau nie wieder gehen lassen durfte. Und dann tat er etwas, das er sonst unter allen Umständen vermieden hätte: Er erzählte ihr von einem verworfenen Romananfang. Er erzählte ihr von Sophia, die für ihren Auftrag­geber eine Geschichte aufschrieb. Sie handelte von dem Wissenschaftler Heiner, der kurz davor stand, den Sinn des Lebens zu ergründen.

libromanie-Rezension
Weil er an verwunschene Immobilien glaubt, hat Boris Moser seine „Agentur für verworfene Ideen“ in den ehemaligen Geschäftsräumen einer sehr erfolgreichen Computerfirma eröffnet. Seine Hoffnung, dass sein Laden deshalb genau so gut laufen würde, bleibt allerdings eher ein Wunschgedanke.
Dafür steht eines Tages jedoch Boris’ Traumfrau vor seinem Schreibtisch. Rebecca ist klug, schön und aus irgendeinem Grund an Boris interessiert. Auch wenn sie ihn für einen „schrägen Typen“ hält. Vielleicht aber auch gerade deswegen.
Und so kommt es, dass Boris ihr von seinem geheimen Romananfang erzählt, der mit Sophia beginnt, die mitten auf der Straße plötzlich umfällt und ihrem Arzt später davon erzählt, wie sie als Sekretärin für einen blinden Schriftsteller gearbeitet hat, der wiederum die Geschichte von Heiner verfasst hat, der auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist.

Der (mögliche) Anfang einer Romanze zwischen Boris und Rebecca dient somit eher als Rahmenhandlung für die weiteren, ineinander verschachtelten Geschichten. Als Leser taucht man nur kurz in die jeweilige Geschichte ein, bekommt einen flüchtigen Abriss über die auftretenden Personen und dringt dabei immer weiter vor in die (deutlich an Goethe’s Faust angelehnte) Suche nach des Pudels Kern Kerngeschichte, in der tatsächlich beinahe der Sinn des Lebens entdeckt wird.

Dabei gelingt es dem Autor vortrefflich, scheinbar belanglose, kleine Fragen des Alltags mit der alles entscheidenden Sinnfrage zu verbinden. So lässt er seine Figuren umfassende Monologe über den perfekten Tee oder die Zubereitung des vollkommenen Kaffees inklusive Milchschaum oder die Vorzüge eines Koffers im Vergleich zu einem Rucksack halten – und stellt diesen im selben Moment die Suche nach dem Alles oder Nichts gegenüber, ohne dass dies aufdringlich oder belehrend wirkt. Und auch wenn diese Ausführungen vielleicht informativ, aber nicht immer sonderlich spannend sind, fliegen die Seiten nur so dahin.
Selbst die Tatsache, dass es auf gerade einmal 173 Seiten unmöglich ist, den Figuren besondere Tiefe zu verleihen, ist nicht weiter tragisch. Schließlich wird dem Leser ohnehin nur ein kurzer Einblick in ihr Leben gewährt. Einzig, dass sie sich alle sehr gewählt ausdrücken, lässt sie und die vielen Dialoge, die sie führen, leider etwas unnatürlich erscheinen. Die melancholische Stimmung und der leise Humor machen dieses Manko allerdings (fast) wieder wett.

FAZIT: Ein ruhiges, intelligentes Buch mit philosophischen Ansätzen, die zum Nachdenken anregen. Denn, vielleicht sind es ja gerade die kleinen Dinge, die das große Ganze ausmachen…

Bewertung: 4ratten.png

One Thought on “Hein, Jakob – Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht

  1. Die Leseprobe hatte ich auch gelesen und das hörte sich klasse an. So richtig schön schräg mit Lebensweisheiten gespickt.

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