[Check] Ansprüche an einen Buchhändler

Im Rahmen meiner Vorüberlegungen zur großen Nina-testet-die-lokalen-Buchläden-Aktion schwirrt mir die ganze Zeit eine Frage im Kopf herum. Nein, eigentlich gleich zwei:

  1. Was muss ein Buchhändler an Beratung eigentlich leisten können?
  2. Und, ist Buchhändler nicht gleich Buchhändler?

Wie ich darauf komme? Nun, in einer Kölner Bahnhofsbuchhandlung kannte man Christoph Marzi nicht, obwohl der kurz zuvor den deutschen Phantastik-Preis gewonnen hatte. In der Buchhandlung am Düsseldorfer Bahnhof konnte man Pippi Langstrumpf erst über Umwege im PC finden, weil man den Namen nicht richtig schreiben konnte. In der Buchabteilung vom Bonner Kaufhof kannte man Doris Dörrie nicht. Und im Kölner Kaufhof hatte die Buchhändlerin in der Jugendbuchecke ‘Twilight’ nicht gelesen. Ebenso wie eine Leverkusener Buchhändlerin.

Natürlich kann ein Buchhändler nicht alle Bücher, die er verkauft, auch gelesen haben. Aber Pippi Langstrumpf? :shock: Das ist ein Kinderbuchklassiker! Ebenso denke ich, dass man  ‘Twilight’ oder ‘Harry Potter’ gelesen haben sollte, wenn man in der Jugendbuchabteilung arbeitet. Bei den Verkaufszahlen sollte man doch wissen wollen, was man den Lesern in die Tüte packt.

Auffällig ist natürlich auch, dass ich diese Erfahrungen in Bahnhofsbuchhandlungen und den Buchabteilungen im Kaufhof* gemacht habe. Ist also Buchhändler nicht gleich Buchhändler – je nach Einsatzort? Oder habe ich mal wieder zu hohe Erwartungen?!

Ich hoffe, auch dieser Frage in der nächsten Zeit auf den Grund gehen zu können.

*Damit wir uns nicht falsch verstehen: Zumindest in der Kölner Filiale handelt es sich dabei nicht nur um eine kleine Ecke mit 2-3 Bücherstapeln, sondern um einen recht großflächigen Buchbereich mit separater Kasse/Bestellservice und – wie ich zumindest immer vermutet habe – entsprechend ausgebildetem Personal. Im Supermarkt und in der Lottoannahmestelle erwarte ich natürlich keine fachkundige Beratung. ;)

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21 Responses to [Check] Ansprüche an einen Buchhändler

  1. Melli sagt:

    Hi Nina,

    habe bei mir im Blog auch einen Beitrag dazu geschrieben, nachdem ich hier bei dir von deinem Buchhandeltest gelesen hatte. Hab schon die 3 größeren Buchhandlungen getestet und werde mir nun in der nächsten Zeit ein paar kleinere vornehmen. Bin gespannt, was dabei rauskommt. Berichte in meinem Blog darüber.

    Lg
    Melli

  2. Tja, eine schwierige Frage. Vielleicht erwarten wir tatsächlich einfach zu viel, WEIL wir so viel lesen. Wir kennen uns aus, merken uns Autorennamen, deren Bücher, wissen zum Teil welches Buch an welcher Stelle in welcher Serie kommt. Und wenn wir dann doch mal eine Frage haben, erwarten wir vermutlich einfach, dass wir die beantwortet bekommen, schließlich stehen wir vor einer Fachkraft. Aber auch eine Fachkraft kann nicht alles wissen, dafür ist der Büchermarkt einfach viel zu groß. Ich erwarte aber, dass das Gängige, die Bestseller etc. jedem geschulten Buchhändler bekannt sind.

    Und ich finde auch hier gilt, dass man nicht alles wissen muss, man muss nur wissen wo es steht. Und ich erwarte in einer Buchhandlung durchaus den Service, dass man meiner Frage auf den Grund geht, wenn man sie nicht beantworten kann.

    Tintagel ist es in meiner Anwesenheit passiert, dass sie bei Thalia extra nachgefregt hat, welchen Teil sie von der Serie gerade in der Hand hielt. Die Buchhändlerin konnte es so nicht beantworten, meinte aber, sie schaue mal nach. Nach ein paar Minuten gab sie Tintagel die gewünschte Auskunft. Bedauerlichweise eine total falsche, wie wir später online feststellten.

    Wenn ich die Wahl zwischen einer falschen und gar keiner Auskunft habe, möchte ich doch lieber keine.

    Vielleicht erwarten wir einfach, dass jeder Buchhändler weiß, wo er wichtige Infos herbekommt, wie man einen Titel googled und die Reihenfolge einer Serie herausfindet, weil wir es können. Weil wir total dem Buchwahnsinn verfallen sind und uns damit intensivst auseinandersetzen. Weil Buchhändler unser heimlicher Traumberuf ist und wir natürlich viel bessere Buchhändler abgeben würden, mit mehr Hintergrundwissen. Wir wären leidenschaftliche Buchhändler und vielleicht meinen wir, dass jeder Buchhändler so leidenschaftlich ist wie wir es sind und damit natürlich eine Menge Wissen rund ums Buch voraussetzen…

  3. Nina sagt:

    Danke für deinen tollen Beitrag, Melli aka Cait! Du sprichst mir aus der Seele! *knuddel*

    Aber auch eine Fachkraft kann nicht alles wissen, dafür ist der Büchermarkt einfach viel zu groß. Ich erwarte aber, dass das Gängige, die Bestseller etc. jedem geschulten Buchhändler bekannt sind.

    Genau so sehe ich das auch. Und wie du schon sagst, wenn man mal was nicht im Kopf hat – kein Problem! Aber dann muss man eben wissen, wo man die Antwort findet. Das ist in jedem anderen Beruf ja auch so.

    Vielleicht erwarten wir einfach, dass jeder Buchhändler weiß, wo er wichtige Infos herbekommt, wie man einen Titel googled und die Reihenfolge einer Serie herausfindet, weil wir es können.

    Ich finde, dass man das aber auch erwarten kann. Sonst kann ich mir die Infos ja gleich selbst raussuchen und es muss niemand dafür bezahlt werden, dass er mir keine oder falsche Antworten liefert.
    Wahrscheinlich erwarte ich persönlich aber wirklich, dass ein Buchhändler mit Herzblut bei der Sache und genauso begeisterte Leseratte ist wie ich. Warum sonst hätte er diesen Beruf erwählt?
    Wobei ich an dieser Anstelle anfügen möchte, dass ich sicherlich Verständnis dafür habe, wenn gerade keine Zeit für ein ausführliches Kundengespräch vorhanden ist oder der Buchhändler mal einen schlechten Tag hat. Ist ok. Aber leider wurde mir in der Vergangenheit eben oft mit Unwissen oder Desinteresse begegnet und das hat mich schon ziemlich enttäuscht auf Dauer.

  4. Ich finde, dass man das aber auch erwarten kann. Sonst kann ich mir die Infos ja gleich selbst raussuchen und es muss niemand dafür bezahlt werden, dass er mir keine oder falsche Antworten liefert.

    Das sehe ich absolut genauso und ich gestehe, ich kaufe eigentlich nur noch online. Ich gehe gerne in eine Buchhandlung, um zu stöbern und erwarte schon gar keine Beratung mehr, mit der ich etwas anfangen kann. Wenn ich gezielt in eine Buchhandlung gehe, um dort ein bestimmtes Buch zu erwerben, nehm ich alle nötigen Infos dazu schon vorsichtshalber selber mit, die ich vorher im I-Net recherchiert habe. Hab also quasi einen Einkaufszettel in der Hand. Wozu soll ich dann noch in der BH kaufen?

    Da ist es ehrlich gesagt viel bequemer, gleich nach der Online-Buchsuche das Buch online zu bestellen und es nach Hause zu bekommen. Ich muss nicht in die Stadt rein, keinen Parkplatz suchen, in die BH steifeln, um dort festzustellen, dass das Buch bestellt werden muss. Um mich dann am nächsten Tag der gleichen Prozedur zu unterziehen, um das Buch abzuholen.

    Und richtiges Flair besitzen mittlerweile nur noch die wenigsten Buchhandlungen, so dass mich nicht einmal das mehr ködern kann. Thalia & Co. mag ich, weil das Sortiment so gigantisch ist und sich das Stöbern dort lohnt, aber Flair? Ne, da ist keine Atmosphäre, alles wirkt kalt und nüchtern… Und bei den kleineren Buchhandlungen kann man sich leider fast schon sicher sein, dass das Buch, das man haben will, bestellt werden muss.

    In Rendsburg gibt es die Buchhandlung Reichel, die früher in einem richtig altem Haus untergebracht war. Das war eine Atmosphäre. Alles in dunklem Holz gehalten, es war richtig heimelig und ich war immer gene dort. Leider wurde die reichel von der Stadt genötigt in einen Neubau (kleines Einkaufszentrum) umzuziehen (die Hintergründe weiß ich im einzelnen leider nicht mehr) und seither ist das Flair dahin. Zwar haben sie versucht, auch hier eher dunkle Farben zu verwenden, aber die Räumlichkeiten sind einfach nicht so schön – eine einzige große Verkaufsfläche (früher gab es noch einen ersten Stock, alles war ein wenig verwinkelt). Das Sortiment konnte und kann sich immer noch für eine kleine Buchhandlung wirklich sehen lassen. Selbst die Beratung ist dort komeptent (auch heute noch, wenn ich meiner Schwester glauben kann).

    Leider komme ich dort nur noch hin, wenn ich meine Mom besuche, aber jedes Mal wenn ich da bin, MUSS ich auch zu Reichel. Aber ich bedaure auch jedes Mal, dass sie umgezogen sind… Ich steh einfach auf Buchhandlungen mit Atmosphäre und dafür würde ich mein Buchkaufverhalten wohl auch ändern…

  5. Oh Mann! Ich nochmal. ;)
    Ich hab noch einen besseren Link zu besagter Buchhandlung gefunden, da sieht man auch ein wenig von der neuen Verkaufsfläche.

  6. Katha sagt:

    “Und bei den kleineren Buchhandlungen kann man sich leider fast schon sicher sein, dass das Buch, das man haben will, bestellt werden muss.”

    Was ich mich da immer frage ist, warum ruft man nicht einfach an, fragt die Buchhändlerin ob das Buch im Laden ist oder erst bestellt werden muss. Wenn es im Laden steht, kann man es noch am selben Tag abholen, wie geplant oder wenn nicht, dann bestellt man es einfach am Telefon und kann es dann 1 oder 2 Tage oder auch später abholen.
    Kleine Buchhandlungen haben sicherlich keine riesige Auswahl und ich muss den Großteil meiner Bücher auch bestellen, aber dafür stehen oft Bücher in den Regalen, die die Buchhändler auch selbst gelesen haben und bei einem Beratungsgespräch auch empfehlen können. In großen Buchhandlungen ist das in der Regel anders, bei solchen Mengen an Büchern würde es mich nicht wundern, wenn die Buchhändler den Überblick etwas verloren haben und eine Empfehlung schon schwerer fällt.

    Erwartungen an einen Buchhändler? Also, bekannte (Kinder-)Klassiker sollten schon bekannt sein, sowie Autoren, die gerade einen Preis gewonnen haben oder die auf der Bestsellerliste stehen. Den Computer sollte jeder Buchhändler auch bedienen können, sodass er vielleicht einen Autor oder die Reihenfolge einer Reihe, die er nicht weiß, sofort nachschauen kann und richtig antworten.
    Ich finde nicht, dass jeder Buchhändler auch “Twilight” oder “Harry Potter” gelesen haben muss, aber zumindest den Inhalt kennt und weiß, worum es geht.

  7. Was ich mich da immer frage ist, warum ruft man nicht einfach an, fragt die Buchhändlerin ob das Buch im Laden ist oder erst bestellt werden muss.

    Katha, das hab ich auch schon gemacht, keine Frage. Aber wenn ich morgens gleich bei amazon bestelle, liegt meist am nächsten Tag das Buch schon im Briefkasten und ich muss nirgendwo hinfahren. ;) Und nach meinem Anruf-Experiment habe ich tatsächlich nicht das Buch in der Buchhandlung bestellt, sondern ernsthaft online bestellt. *schulterzuck* Ausserdem bin ich was sowas angeht nicht so der Telefonierer, weiß auch nicht warum. *kopfkratz*

    Kleine Buchhandlungen haben sicherlich keine riesige Auswahl und ich muss den Großteil meiner Bücher auch bestellen, aber dafür stehen oft Bücher in den Regalen, die die Buchhändler auch selbst gelesen haben und bei einem Beratungsgespräch auch empfehlen können.

    Das erübrigt sich in dieser Buchhandlung, da es dort eher wenig Histos gibt, dafür viele Krimis und die kommen mir nunmal nicht ins Haus. Auch verlass ich mich bei Empfehlungen lieber auf meine Forum-Mädels, da ich deren Geschmack mittlerweil kenne und den der Buchhändlerin eben gar nicht. *g*

    Wie gesagt, mich kann eigentlich nur eine Buchhandlung mit Flair locken, so gern ich die kleinen Buchhandlungen auch unterstützen möchte.

  8. Nina sagt:

    Was ich mich da immer frage ist, warum ruft man nicht einfach an, fragt die Buchhändlerin ob das Buch im Laden ist oder erst bestellt werden muss.

    Ich sehe das wie M.a.C. Gleich online bestellen ist einfach weniger umständlich. Davon ab, ich hab das auch schon mal gemacht, weil ich ‘Fabula’ sofort haben wollte, nachdem ich gesehen hatte, dass es schon erschienen war. Da habe ich auch erst hier bei uns in der Buchhandlung angerufen und nachgefragt, ob das Buch vorrätig ist. Die nächsten Bücher habe ich dann aber doch wieder online bestellt.
    Wenn ich denn aber wirklich eine Buchhandlung finden würde, die den von M.a.C. angesprochenen Flair hat, würde ich – zwar nicht immer, aber immer mal wieder – weniger bequem sein. Wenn ich gerne in die Buchhandlung gehen würde, weil ich mich dort wohl fühle und das Personal mag, würde ich sie auch gerne unterstützen.

    Ich finde nicht, dass jeder Buchhändler auch “Twilight” oder “Harry Potter” gelesen haben muss, aber zumindest den Inhalt kennt und weiß, worum es geht.

    Den Inhalt und die Reihenfolge zu kennen ist für mich das Mindeste. Vor allem, wenn man in der Jugendbuchabteilung arbeitet. Voraussetzen kann ich die Lektüre vielleicht nicht, aber es enttäuscht mich einfach, wenn jemand, der Bücher offensichtlich gerne liest (sonst würde er sie nicht verkaufen wollen) ein Buch täglich verkauft und sich dennoch nicht dafür interessiert und es zumindest mal kurz überfliegt. Sicher ist es schwer, da die Grenze zu ziehen, aber die genannten Bücher sind so dermaßen erfolgreich… Um die kommt man doch wirklich nicht rum.

  9. Katha sagt:

    “Vor allem, wenn man in der Jugendbuchabteilung arbeitet.”

    Hmm…kann man es sich aussuchen, in welcher Abteilung man arbeiten will? Wenn ja, dann muss ich sagen, sehe ich es wie du. Dann sollte man doch auch vielverkaufte Bücher aus dem Gebiet lesen, zumal wenn man sich eine Abteilung aussuchen kann, dann wird man das Genre wohl auch gerne lesen.
    Wenn man es sich nicht aussuchen kann, dann würde ich es wie gesagt nicht voraussetzen oder so. Auch wenn man das Lesen und Bücher liebt, kann man die Person ja nicht zwingen, ein Genre zu lesen, dass man eigentlich meidet, vorallem da es das Buch dann auch wesentlich schwerer hat, einem überhaupt zu gefallen!

    “Das erübrigt sich in dieser Buchhandlung, da es dort eher wenig Histos gibt, dafür viele Krimis und die kommen mir nunmal nicht ins Haus. Auch verlass ich mich bei Empfehlungen lieber auf meine Forum-Mädels, da ich deren Geschmack mittlerweil kenne und den der Buchhändlerin eben gar nicht. *g*”

    Das war von mir auch eher allgemein genannt.
    Außerdem müssen die Buchhändler in den kleinen Läden auch schauen, welche Bücher besser verkauft werden und das wird in deinem Fall wohl eher Krimis sein. Auch wenn es schade ist. In “meiner” kleinen Buchhandlung gibt es überwiegend Krimis und Frauenromane und ich erlebe es auch oft, dass vorwiegend aus diesen Genres Bücher verkauft werden. Ich freue mich immernoch, dass es seit ca. diesem Jahr viel mehr Fantasyromane dort gibt :mrgreen:

    Übrigens wollte ich euch nicht irgendwie zu nahe treten oder so, falls mein Beitrag vielleicht etwas rüde klang. Ich bin es nur eigentlich mein Leben lang gewöhnt, meine Bücher in der Buchhandlung zu bestellen und zu kaufen. Sei es persönlich oder per Telefon. Und durch mein Praktikum im letzten Jahr hatte ich eben auch mitbekommen, dass es der Buchhandlung eben auch nicht mehr sooo gut ging, wie früher z.B. Und daher finde ich es halt einfach nur traurig, dass viele kleine Unternehmen aufhören müssen. Ein Leben ohne eine Buchhandlung, in dem man nur online Bücher kaufen kann, stelle ich mir einfach schrecklich vor!

  10. Wenn man es sich nicht aussuchen kann, dann würde ich es wie gesagt nicht voraussetzen oder so. Auch wenn man das Lesen und Bücher liebt, kann man die Person ja nicht zwingen, ein Genre zu lesen, dass man eigentlich meidet, vorallem da es das Buch dann auch wesentlich schwerer hat, einem überhaupt zu gefallen!

    In jedem anderen Beruf kann man es sich aber doch auch nicht aussuchen, in welcher Abteilung man landet und trotzdem macht man sich mit seinem Arbeitsgebiet vertraut. Da kann ich das auch von einem Buchhändler erwarten. Er muss nicht alles gelesen haben, aber ein paar Infos sollte er/sie schon auf Lager haben.

    Übrigens wollte ich euch nicht irgendwie zu nahe treten oder so, falls mein Beitrag vielleicht etwas rüde klang.

    Ach liebe Katha, das bist Du gewiss nicht. Ich finde diese Diskussion grad äußerst spannend und aufregend. :)

    Ich bin es nur eigentlich mein Leben lang gewöhnt, meine Bücher in der Buchhandlung zu bestellen und zu kaufen. Sei es persönlich oder per Telefon. Und durch mein Praktikum im letzten Jahr hatte ich eben auch mitbekommen, dass es der Buchhandlung eben auch nicht mehr sooo gut ging, wie früher z.B. Und daher finde ich es halt einfach nur traurig, dass viele kleine Unternehmen aufhören müssen. Ein Leben ohne eine Buchhandlung, in dem man nur online Bücher kaufen kann, stelle ich mir einfach schrecklich vor!

    Früher (in Rendsburg) hab ich auch immer in besagter Buchhandlung gekauft, da war ich aber auch noch nicht so I-Net-fit wie heut. ;) Ein Leben ganz ohne Buchhandlungen kann ich mir auch nicht vorstellen und generell würde ich auch gerne die kleineren Buchhandlungen unterstützen wollen, aber nicht um jeden Preis. Ich muss mich dabei schon wohl fühlen, auch wenn es hart klingt, aber die Caritas bin ich nicht. Ich würde mein Parfum auch nicht in einer Parfümerie kaufen, nur weil es ihr schlecht geht, sondern immer meine Lieblingsdrogerie bevorzugen. Der Vergleich mag ein wenig hinken, aber ich glaub, es kommt etwa rüber, was ich meine.

    LG
    Melli

  11. Katha sagt:

    “In jedem anderen Beruf kann man es sich aber doch auch nicht aussuchen, in welcher Abteilung man landet und trotzdem macht man sich mit seinem Arbeitsgebiet vertraut. Da kann ich das auch von einem Buchhändler erwarten. Er muss nicht alles gelesen haben, aber ein paar Infos sollte er/sie schon auf Lager haben.”

    Das sehe ich ja ganz genauso. Von jemanden, der keine Kinder-oder Jugendbücher liest, aber in dieser Abteilung arbeitet (oder arbeiten muss), verlange ich nicht, diese Bücher auch zu lesen, auch wenn sie täglich 10 mal verkauft werden oder so, aber den Inhalt und Serienreihenfolge (von bekannten Serien wie “Twilight”, etc.) sollte man schon parat haben. Auch wenn es natürlich positiver auffällt, wenn er/sie bekannte Bücher gelesen hat.

    Schöner Vergleich ;) und ich kann deinen Standpunkt auch gut verstehen. Eigentlich richtig schade, dass es anscheinend nur noch sehr wenige kleine Buchhandlungen mit Flair gibt. Ich persönlich ziehe kleine Buchhandlungen in den meisten Fällen vor, leider gab es auch schon die ein oder andere Ausnahme. So große Läden wie Thalia, etc. mag ich gar nicht so…da würde ich, glaube ich, lieber im Internet bestellen…

  12. So große Läden wie Thalia, etc. mag ich gar nicht so…da würde ich, glaube ich, lieber im Internet bestellen…

    Mögen ist auch bei mir wohl zu viel gesagt, aber ich finde das Angebot schon beeindruckend und zum Stöbern ist es wirklich ein Schlaraffenland und wenn ich dort dann was finde, nehm ich es auch mit. ;)

  13. tinius sagt:

    In einem Punkt möchte ich euch als (Ex -) Mann vom Fach einmal explizit widersprechen : Natürlich sollte man Pippi Langstrumpf mindestens in groben Zügen und der Orthographie nach kennen, mindestens der Autorenname und daß das Buch aus drei einzelnen Teilen besteht, sollte buchhändlerisches Allgemeingut sein. Aber es gibt keinen stichhaltigen Grund, weshalb ein Buchhändler “Twilight” gelesen haben sollte. Er dollte via Klappentext grob wissen, worum es dabei geht – der Medienrummel ist groß genug, um Basis – Infos im Übermaß zu vermitteln, aber er braucht das Buch nicht wirklich gelesen zu haben, schon deshalb, weil es sich genug von allein verkauft. Da liegt die Konzentration auf eher beratungsintensive Titel schon näher. Ihr müßt zudem bedenken, daß Buchhändler weder für das Lesen bezahlt werden – das tun sie nämlich in ihrer unbezahlten Freizeit, obwohl es (zumindest in meiner Generation) unabdingbar für diesen Beruf ist bzw. war, noch daß sie Bücher umsonst bekommen : möglicherweise erhalten sie Leseexemplare, meist zur Weitergabe an die Kollegen, aber nicht für jedes interessante oder auch nur wichtige Buch gibt es sie, zudem greift im Rahmen der Einsparungspolitik immer mehr die auf wenige Seiten beschränkte Leseprobe um sich. Zwar werden Kollegen, allerdings abhängig von der Firma, rabattiert, aber die Hauptlast der Anschaffungskosten liegt dennoch beim Buchhändler selbst. Und dessen Budget, sprich : Gehalt, ist begrenzt. Er ist Arbeitnehmer des relativ schlecht bezahlten Einzelhandels. Es wäre also töricht und zuviel erwartet, zu fordern, ein Buchhändler müsse auch nur die wichtigsten Bücher auch gelesen haben. Das funktioniert auch wegen der seit Jahren grassierenden Titelschwemme überhaupt nicht. An einem Beispiel läßt sich das verdeutlichen : Allein die Anschaffung aller Titel auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis hat bei mir zwei, drei Monate gebraucht, sie zu lesen dauert ebenfalls einen nicht geraumen Zeitraum, dann aber kommt schoin der Preis der Leipziger Buchmesse, dann recht fix schon wieder der Deutsche Buchpreis. Und damit hat man allenfalls einige der als wichtig empfundenen deutschsprachigen Autoren im Blick, von übersetzter Literatur ist wenig dabei. Und Buchhändler haben durchaus auch noch andere Beschäftgungen z.B. Arbeit, Hobbys, Kinder, Partner, Haushalt etc. Also, seid, bitte, duldsam…. ;) LG tinius (Buchhändler)

  14. Nina sagt:

    Übrigens wollte ich euch nicht irgendwie zu nahe treten oder so, falls mein Beitrag vielleicht etwas rüde klang.

    Liebes Kathchen, ich freu mich doch, wenn hier angeregt diskutiert wird. :) Und der Ton war völlig in Ordnung.

    @ Melli
    Ich glaube, wir suchen so ziemlich dasselbe! :)

    @ tinius
    Schön, auch mal was von der Expertenseite zu hören. :)

    An dieser Stelle möchte ich aber noch mal Manfred Queißer zitieren: «Das große Plus der Kleinen liegt darin, dass sie ihr eigenes Lesevergnügen dem Kunden spürbar und überzeugend vermitteln.» Genau das suche ich.
    Ein Buchhändler muss ein Buch natürlich nicht gelesen haben, um es mir zu verkaufen. Da reicht es, wenn er sich anderweitig informiert. Aber, informieren kann ich mich auch selbst. Ohne vor die Tür gehen zu müssen.
    Ich will eine Buchhandlung mit Flair, mit Buchhändlern, die mir das Gefühl geben, dass sie dieselbe Sucht mit mir teilen.

    Sie werden für das Lesen nicht bezahlt? Ich auch nicht. Sie haben andere Hobbies und Beschäftigungen? Ich auch. Und trotzdem lese ich viel. Ich möchte einfach nicht in eine Buchhandlung gehen und das Gefühl haben, dass ich über mehr Bücher reden kann als die Person, die sie mir verkauft.
    Das gilt für mich aber in sämtlichen Servicebereichen. Ich möchte auch nicht zu einem Autoverkäufer gehen, der weniger Ahnung von Autos hat als ich. Oder zu einem Anwalt, bei dem ich mich auch gleich selbst vertreten kann. Ich will Kunde sein und vom Fachmann beraten werden, ganz einfach.

    Wie schon gesagt, die Grenze zu ziehen ist schwer. Aber ich erwarte ja auch nicht, dass ein Buchhändler alles gelesen haben muss. Zumindest aber diverse Klassiker und die gängigen Titel, v.a. in dem Bereich, im dem er spezialisiert ist. Die komplette Longlist muss für mich niemand gelesen haben, aber zumindest den Gewinnertitel.

    Sorry, dass ich wahrscheinlich alles andere als duldsam klinge. Ich weiß, ich mache es den Buchhandlungen nicht leicht. Aber wenn es nun mal nirgends den wahren Buchhändler meines Vertrauens gibt, dann gibt es für mich eben kaum Grund, nicht weiterhin online zu bestellen. Finde ich schade, ist aber so.

  15. @ Melli
    Ich glaube, wir suchen so ziemlich dasselbe!

    *lach* Irgendwie wundert mich das gar nicht. ;)

    Was Du noch geschrieben hast, kann ich genauso unterschreiben. Bin also ebenso wenig duldsam wie Du. *g*

    LG
    Melli

  16. ri sagt:

    Da kann ich nur zustimmen. Für mich muß eine Buchhandlung sein gemütlich sein, ich muß mich drin wohlfühlen und vor allem sollten Bücher auch wertgeschätzt werden.
    Bis dato bin ich mit der Mayerschen in Dortmund richtig glücklich, keine Fehlinfo, netter Bestellservice und auch nette ambitionierte fachkundige Berater.
    Wir hatten mal eine Familientraditionsbuchhandlung, die vor zwei Jahren von der Mayerschen übernommen wurde und mittlerweile aus Pachtgründen geschlossen hatte. Diese Buchhandlung war für mich ein absolutes tiefrotes Tuch. Kaum hatte man den Fuß hineingesetzt, da wurde man schon gescannt, ob man sich überhaupt ein Buch leisten könnte, bzw. ob man überhaupt liest. Total unfreundliches Personal, schnippisch “Na, dann suchen se mal dahinten!!” und arrogant “Haben wir nicht!! Können wir IHNEN auch nicht bestellen!!”. Falls man notgedrungen doch was gekauft hatte, wurde es an der Kasse *ironiean* liebevoll *ironieaus* in die Tüte geschmissen und über die Theke geschleudert. Juchhhuuu!

    Früher war hier auch noch ein richtig schönes Antiquariat, auch geschlossen, aber aus Altersgründen. Da war stöbern immer was Feines. Zwar hatte der Laden keinen Charm, dafür aber der Buchbestand. Und hatte man eine Frage, die zwei alten Damen wußten alles, so richtig passionierte Buchliebhaber. Herrliches Gespann! Die eine fing an zu erzählen, die andere warf immer noch was passendes dazu ein. Falls man dann doch nichts gekauft hatte, weil man sich zwischen zehn Büchern nicht entscheiden konnte, war das absolut nicht schlimm. Schließlich haben Sie einen ja “Appetit” gemacht… Schade, dass Sie dann doch in Rente gingen.

    Ansonsten hat Dortmund garantiert noch irgendwo eine oder mehrere kleine Buchhandlungen, doch ich beweg mich ja nur noch in den Mittagspausen und da ist die “Ketten”buchhandlung das nächste und wie gesagt, ich fühl mich gut
    aufgehoben.

    Ich seh das auch, das man als Buchhändler nicht alles lesen kann und will, doch man kann sich über den Mainstream informieren bzw. sollte man es. Wenn man dann doch nichts aus dem Stehgreif dazu sagen kann, dann sollte man wissen, wie man schnell an die Info kommt.

    Also mein Geld landet entweder in der “Ketten”buchhandlung oder bei amazon. :) (Vorteil ist natürlich online Lieferung nach Hause, meistens da und/oder eventuell Supersonderangebote – kaum aus dem Urlaub, schon fünf HC-Bücher im Schnäppchenstore plus frz. Kochbuch für 30 Euronen ergattert – die Sucht… die Sucht.. ich schweif ab…)…

    LG
    ri

  17. ri sagt:

    Wenn man schon müde ist vom ganzen Wäsche waschen und sortieren, dann sollte man es sein lassen einen kleinen Roman zu schreiben. Argh!

  18. Nina sagt:

    Ach was, immer her damit! :D

    Kaum hatte man den Fuß hineingesetzt, da wurde man schon gescannt, ob man sich überhaupt ein Buch leisten könnte, bzw. ob man überhaupt liest.

    Dieses Scannen kenne ich aus kleinen Läden auch. Allerdings nicht nur aus Buchhandlungen. Da fühlt man sich beim Stöbern gar nicht richtig wohl, weil man sich immer so beobachtet fühlt bzw. die Jetzt-kauf-endlich-was-und-verschwinde-Blicke im Rücken spürt. Total unangenehm.

  19. Katha sagt:

    Oja, dieses Scannen ist mir auch schon 1, 2 mal in kleinen Buchhandlungen passiert. Zum Glück waren das eh nur “Urlaubs”orte, und in diese Buchhandlungen werde ich sicherlich nie wieder gehen! Ansonsten kenne ich das eigentlich nur aus kleineren Läden mit Bastel-und Schreibwaren, die ich seitdem auch zum Großteil meide.

  20. Merrique sagt:

    Hey
    Ich bin gelernte Buchhändlerin uns so wie sich das hier liest würde ich euch nicht als Kunden haben wollen.Scheinbar denkt ihr,dass jeder bei einem Angebot von ca. 80.000 Neuerscheinungen pro Jahr,immer euren Schmu gelesen haben und sich damit auskennen muss.Weltfremder kann man schon gar nicht mehr sein.Mir tun alle Kollegen Leid,die euch schon hatten,denn ich kann mir vorstellen,welche Kategorie Kunde ihr seid.

  21. Nina sagt:

    Tja, und ich arbeite inzwischen in einer Buchhandlung mit Kollegen, die zum Glück nicht so denken wie du. Und ehrlich gesagt, solche unfreundlichen und pauschal verurteilende Kommentatoren wünsche ich auch keinem Blogger.

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