[Rezension] Glattauer, Daniel – Gut gegen Nordwind

Originaltitel: –
Genre: Liebesromane & Frauenliteratur
Reihe: Emmi/Leo (1)
Verlag: Goldmann (2008)
Übersetzung: -
ISBN: 9783442465866
Seiten: 222
Website des Autors: www.danielglattauer.com

Kurzbeschreibung

Emmi Rothner möchte per E-Mail ihr Abo der Zeitschrift ‘Like’ kündigen, doch durch einen Tippfehler landen ihre Nachrichten bei Leo Leike. Als Emmi wieder und wieder E-Mails an die falsche Adresse schickt, klärt Leo sie über den Fehler auf. Es beginnt ein außergewöhnlicher Briefwechsel, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Auf einem schmalen Grat zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität kommen sich die beiden immer näher – bis sie sich der unausweichlichen Frage stellen müssen: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?

“Schreiben Sie mir, Emmi. Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf.” (Seite 88)

Rezension

Zufälliger könnte eine Zufallsbekanntschaft nicht sein. Eigentlich will Emmi nämlich nur ein Zeitschriftenabo kündigen, doch statt im elektronischen Postfach des Like-Magazins landen ihre eMails bei Leo Leike. Zunächst will dieser Emmi nur auf ihren Fehler hinweisen, doch bald schon beginnen die beiden, sich regelmäßig zu schreiben, sitzen nachts mit einem Glas Wein bzw. Whiskey vor dem PC und warten sehnsüchtig auf eine Nachricht des anderen.
Als nach einer Weile die zwangsläufige Frage nach einem Treffen im Raum steht, wird es jedoch kompliziert…

«Gut gegen Nordwind» ist ein moderner Briefroman, sozusagen ein eMail-Roman, der ausschließlich aus mal kürzeren, mal längeren Nachrichten besteht, über denen lediglich eine Zeitangabe und manchmal ein Betreff vermerkt sind.
Im Vorfeld war ich deswegen etwas skeptisch. Letztlich konnte ich bis auf 1-2 Ausnahmen aber mühelos den Überblick über den jeweiligen Absender behalten und fand es auch ganz reizvoll, dass man als Leser nie mehr wusste als das, was die Figuren in ihren eMails von sich preisgaben. Erst nach und nach konnte ich mir ein Bild von ihnen machen und ihre regelrechte Sucht nach dem Briefwechsel ergründen.

Am Anfang ist da wohl der Reiz des Neuen, des Anonymen, im Falle der verheirateten Emmi vermutlich auch der Reiz des Verbotenen. Man kann sich gut vorstellen, wie zwanglos und offen der Schriftverkehr mit einer fremden Person ist. Wie leicht es ist, sich aus den empfangenen Worten eine Fantasiegestalt zu erschaffen, die perfekt zu sein scheint.
Leo und Emmi jedenfalls geht es so. Sie plaudern nicht über Belanglosigkeiten, ganz selten erzählen sie sich gegenseitig von ihrem Privatleben. Sie schaffen sich eine eigene Welt, in der sie ihre Freundschaft zelebrieren und sich ausmalen, was sein könnte, aber eben nicht sein darf.

Ihre eMails sind klug, witzig und (meist) ehrlich. Es macht Spaß, den Austausch zwischen dem ruhigen, philosophierenden Leo und der schlagfertigen, manchmal rotzfrechen Emmi zu verfolgen.
Leider kommt man aber irgendwann an einen Punkt, an dem sich alles nur noch im Kreis dreht. Ständig stellen sich die beiden die Frage, ob sie sich nun treffen sollen oder ob ein realer Austausch das romantisch-virtuelle Band zwischen ihnen zerstören würde.
Emmis Nachrichten beginnen, aggressiv zu klingen. Sie kam mir regelrecht aufdringlich vor und plötzlich ist nichts mehr so zwanglos wie am Anfang. Es wird gestritten, geschmollt und geschwiegen. Bis das Ganze wieder von vorne losgeht, weil sie doch nicht voneinander lassen können.

Sicher, die Situation ist verzwickt und die Emotionen realistisch und schmerzlich-schön beschrieben. Aber ganz ehrlich? Irgendwann nervt es und als das Ende kam, war ich froh darüber.
Ob ich die Fortsetzung «Alle sieben Wellen» lesen werde? Irgendwann bestimmt. Man ist ja neugierig. Aber eilig habe ich es damit nicht.

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11 Comments

  • 16. Juli 2009 - 03:50 | Permalink

    Tolle Rezi, aber von dir war ja auch nichts anderes zu erwarten ;)

    Mittlerweile denke ich, dass ich mir das Buch auch zulegen werde, ich bin einfach zu neugierig ;) Allerdings werde ich es mir lieber zu Weihnachten, etc. schenken lassen oder vielleicht begegnet es mir mal bei BT (sobald ich denn wieder Tickets habe :mrgreen: ), das Geld gebe ich dann doch lieber für Bücher aus, bei denen ich mir beim Kauf nicht so unsicher bin wie hier :)

  • 16. Juli 2009 - 10:11 | Permalink

    Das Buch subt auch noch bei mir. Hab mich bis jetzt noch nicht so recht ran getraut, weil ich genau wie du der email-Form gegenüber skeptisch bin. Bei “Die Girls von Riad” haben mich die emails so genervt und verwirrt, dass ich nach wenigen Seiten schon aufgegeben hab:D

  • 16. Juli 2009 - 10:29 | Permalink

    Wirklich eine schöne Rezension, ich war eh schon gespannt auf deine Meinung zu dem Buch und freue mich, dass es dir gefallen hat!
    Ich konnte allerdings nicht warten mit der Fortsetzung, ich war viel zu neugierig wie die Geschichte weitergeht ;)

  • 16. Juli 2009 - 12:50 | Permalink

    @ Katha
    Wenn du Glück hast, bekommst du das Buch bei BT sogar für ein Ticket. Hätte ich eigentlich für dich reservieren können. Nun ist es schon weg, sorry! Mit knapp 8 € finde ich es aber auch verhältnismäßig günstig. Im Club kostet es sogar unter 7 €.

    @ Laura
    Wie gesagt, verwirrend war das Buch nicht. Und so viele Seiten hat es ja auch nicht. Regelmäßig muss ich solche eMail-Romane aber auch nicht lesen. Ab und an mag das nett sein, aber die “normale” Form gefällt mir doch besser.

    @ Eva
    Ich muss gestehen, ich fand das Ende gut – so wie es ist. Anders hätte ich es mir auch gar nicht vorstellen können, von daher weiß ich nicht so ganz, was ich von der Fortsetzung erwarten soll. Geht es denn wieder entspannter weiter oder wieder so verkrampft wie zum Schluss?

  • 17. Juli 2009 - 22:23 | Permalink

    ich habe beide teile vor ein paar monaten als hörbücher gehört und war völlig begeistert: beim nähen so nebenbei gehört kamen auch eigentlich keine längen auf, in schriftform würde ich es jetzt auch nicht lesen wollen…
    empfohlen sei aber auf jeden fall die fortsetzung, am besten in der audio-fassung mit andrea sawatzky und christian berkel- ich fand’s toll!

  • 18. Juli 2009 - 01:22 | Permalink

    Ich bin gerade echt am Überlegen, ob ich mir nicht besser das Hörbuch anschaffe…da könnte ich es mir gut vorstellen, auch wenn ich sonst nicht so gerne Hörbücher höre…und das ist ja auch recht billig…außerdem mag ich Andrea Sawatzki…hmm…

  • 18. Juli 2009 - 11:10 | Permalink

    Hm, die Hörbuchfassung wäre wirklich eine Überlegung wert… Vor allem, weil ich Andrea Sawatzki auch sehr mag. Eigentlich lese ich ja lieber selbst, aber in dem Fall könnte ich mir das Hören gut vorstellen.
    Billig finde ich EUR 24,95 für «Alle sieben Wellen» aber nicht… Mal schauen. Auf jeden Fall Danke für den Tippp, NI-KO!

  • 20. Juli 2009 - 10:37 | Permalink

    Puh, schwer zu sagen. Es geht auf jeden Fall spannend weiter!
    Wenn ich nicht gewusst hätte dass es eine Fortsetzung gibt, hätte mir das Ende auch gepasst so wie es ist ;)

  • 18. November 2010 - 14:44 | Permalink

    gott, bin ich froh, dass andere das überall so enthusiastisch besprochene buch ebenfalls nur mittelmäßig finden. gute idee, erschöpfende umsetzung.

    übrigens: tolles blog und guter geschmack. werde mich hier öfters vorbeikommen :)

    LG, m.

  • 22. November 2010 - 22:54 | Permalink

    @ vielsagerin
    Danke für das Kompliment! :D
    Ich muss allerdings gestehen: Teil 2 fand ich (als Hörbuch) auch richtig gut.Teil 1 war aber, wie du schon richtig sagst, einfach erschöpfend.

  • Pingback: [Ich höre] »Alle sieben Wellen« von Daniel Glattauer |

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