[Rezension] Marzi, Christoph – Heaven. Stadt der Feen

Originaltitel: –
Genre: Jugendliteratur
Reihe: -
Verlag: Arena (2009)
Übersetzung: -
ISBN: 9783401063829
Seiten: 358
Website des Autors: christophmarzi.de

Kurzbeschreibung

London – das ist seine Stadt. Und über den Dächern von London – dort hat David Pettyfer sein zweites Zuhause gefunden. Hier oben kann er den Schatten der Vergangenheit entfliehen. Bis er eines Tages auf ein Mädchen trifft, das alles in auf den Kopf stellt, an das er bisher geglaubt hat. Ihr Name ist Heaven. Sie ist wunderschön. Und sie behauptet, kein Herz mehr zu haben. Ehe David begreifen kann, worauf er sich einlässt, sind sie gemeinsam auf der Flucht. Und sie werden nur überleben, wenn sie Heavens Geheimnis lüften…

«Ihre Pfade hatten sich gekreuzt, und wenn seltsame Zufälle wie dieser etwas zu bedeuten hatten, dann musste man die Gelegenheiten, die sich einem so boten, einfach festhalten.» (S. 87)

Rezension

In einer kalten, mondlosen Nacht stiehlt ein gewisser Mr Drood, der sich auch Mr Scrooge oder Mr Heep nennt, dem Mädchen Heaven das Herz. Doch statt zu sterben, rappelt sich sein Opfer wieder auf und läuft davon.
Auf ihrer Flucht über die Dächer Londons trifft sie auf David, der zunächst nicht glauben kann, was er da vor sich sieht. Und doch nimmt er sich Heaven an, hilft ihr bei der Suche nach ihrem Herzen und verliert dabei sein eigenes…

Mit «Heaven. Stadt der Feen» hat Christoph Marzi mir mal wieder eine schlaflose Nacht beschert. Bereits nach den ersten Sätzen spürte ich schon wieder diesen typischen Zauber, den seine Bücher auf mich ausüben.
Der Autor hat einfach einen unverwechselbaren, eigenen Schreibstil, einen ganz besonders klingenden Sprachrhythmus. Kurze, knackige Sätze wechseln sich ab mit poetischen, traumhaft schönen Beschreibungen und erwecken ein düsteres, pulsierendes London zum Leben. Eine Stadt, über der ein Stück Himmel fehlt.

Gemeinsam mit Heaven und David versucht man, dem Rätsel auf die Spur zu kommen, einen Zusammenhang zu Heavens Schicksal zu erkennen. Man erlebt gnadenlose Verfolgungsjagden durch die Straßen Londons, die U-Bahn-Stationen, über die Friedhöfe und Dächer der Stadt. Ruhe findet man lediglich in den Räumen eines kleinen, heimeligen Buchladens mit dem entzückenden Namen «The Owl and the Pussycat» und in den wenigen, kurzen Momenten, in denen man das zarte Band zwischen dem Jungen und dem Mädchen wachsen sehen kann.
Die meiste Zeit jedoch rast man in unglaublichem Tempo durch die Kapitel und Zwischenspiele, fürchtet sich vor Mr Drood und seinem Lakaien und erlebt schließlich ein Finale, dessen Kulisse nicht atemberaubender gewählt sein könnte.

Neben Sprache, Setting und Spannungsbogen ist Christoph Marzi auch die Charakterzeichnung ausgezeichnet gelungen. Die Bösen sind richtig schön fies und die beiden Hauptfiguren unglaublich lebendig. Beide haben sie ihre eigene, sie prägende Geschichte, die sich nach und nach entfaltet und ihnen Tiefe und Authentizität verleiht. Am Ende ist man richtig traurig, dass Davids und Heavens Geschichte nun erzählt ist und man die beiden zurück lassen muss.

So ist «Heaven» wahrlich ein außergewöhnliches Leseerlebnis. Einerseits will man sich Zeit lassen, jeden einzelnen Satz genießen. Andererseits will man unbedingt schneller lesen, um zu erfahren, wie es weitergeht.
Begleitet wird dabei man von unzähligen musikalischen und literarischen Anspielungen, die eine ganz spezielle, dichte Atmosphäre schaffen. In Zukunft werde ich bei vielen Liedern, die ich im Radio hören werde, unausweichlich an dieses Buch zurückdenken müssen.

FAZIT: Spannend, rätselhaft, fantastisch, gruselig, mitreißend, wundervoll… Bisher mein Lesehighlight 2oo9.

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Interessantes Gedicht: The Owl and the Pussycat

6 Comments

  • 21. Juli 2009 - 13:46 | Permalink

    Hach, eine wundervolle Rezi!! Ich kann jedes Wort nur unterstreichen…

  • 21. Juli 2009 - 13:52 | Permalink

    wirklich eine tolle Rezi! Mit jeder neuen Rezi über “Heaven” fällt es mir schwerer, den Bestellbutton nicht zu drücken..

  • 21. Juli 2009 - 18:56 | Permalink

    Danke für die begeisterte Rezi. Jetzt freue ich mich umso mehr auf das nächste Wochenende, wenn ich es auch endlich lesen darf.

  • 21. Juli 2009 - 20:11 | Permalink

    Super Rezi! Klingt ja so, als wäre es ein Stand-alone. Ich werds mir zulegen, wenn ich meinen SUB noch ein wenig abgebaut habe :)

    Email Antwort kommt demnächst, diese Woche ist alles noch was knapp, aber der Termin steht auf jeden Fall!

    Küsschen

  • 21. Juli 2009 - 22:31 | Permalink

    @ Laura
    Ich bin niemand der “Kaufen! Kaufen!” schreit, aber hier lohnt es sich wirklich. ;)

    @ Emily
    Viel Spaß damit! Ich hätte es gerne auch noch vor mir. Blöd, oder? :mrgreen:

    @ Luci
    Für mich ist die Geschichte abgeschlossen und ich hab auch nirgends etwas von einer möglichen Fortsetzung gelesen. So ein Stand-Alone ist ja auch mal schön, auch wenn ich natürlich noch mehr Geschichten aus London lesen würde.

  • 2. August 2009 - 20:49 | Permalink

    … und wieder eins mehr auf meinem Wunschzettel! :)

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