[Rezension] Wassermann, Sabine – Das gläserne Tor

Originaltitel: –
Genre: Fantasy
Reihe: Frostbeule und Feuerkopf (1)
Verlag: Heyne (2008)
Übersetzung: -
ISBN: 9783453523395
Seiten: 685
Website der Autorin: www.sabinewassermann.de

Kurzbeschreibung

Es geschehen seltsame Dinge am Ausgrabungsort des jungen Berliner Archäologen Friedrich. Nicht datierbare Schmuckstücke tauchen auf, und eines Nachts stößt seine Verlobte Gracia auf einen dunklen Fremden, der vor ihren Augen im Wasser verschwindet. Wenig später zieht es auch Gracia in den See, doch sie findet sich nicht am Grund des Sees wieder, sondern in einer fremden Welt voller Magie, Zauber und Gefahr. Während Friedrich in Berlin verzweifelt nach Gracia sucht, wird sie von Kriegern gefangen genommen und vor deren despotischen Herrscher geführt. Als ihr ein mysteriöser Sklave zur Flucht verhilft, beginnt für die junge Frau das Abenteuer ihres Lebens…

Rezension

Bislang war Grazias Leben alles andere als spannend. Als Tochter einer angesehenen Berliner Familie soll sie bald den ambitionierten Archäologen Friedrich heiraten und ihm – wie das 1895 eben so war – eine gute Frau sein.
Doch bei einem Besuch an einer mysteriösen Ausgrabungsstätte auf der Pfaueninsel passiert das Unfassbare – Grazia fällt in die Havel und durchquert die Grenze zu einer anderen Welt. Eine Wüstenwelt, über der ein Fluch lastet, dessen Folgen auch Grazia zu spüren bekommen soll…

Obwohl der Anfang mit einem göttlichen Kuss etwas surreal wirkt, findet man sich schnell in die Geschichte ein. Anders als erwartet geht es allerdings nicht vorrangig um eine möglichst schnelle Rückkehr nach Berlin, sondern darum, wie Grazia lernt, sich in der fremden, an die Bronzezeit angelehnte Welt zurechtzufinden und dank einer besonderen Gabe gleich zwischen die Fronten gerät. Und wie sie sich in Anschar verliebt, den besten Krieger des Landes und zugleich versklavter Spielball der Herrscher.

Sowohl das Berlin der Kaiserzeit als auch die staubtrockene Fantasiewelt beschreibt Sabine Wassermann sehr anschaulich und bringt viele originelle Ideen wie etwa Sturhörner und eine schwebende Stadt ein, die sich problemlos vor dem Auge des Lesers abzeichnen. Angenehm ist auch, dass das fremde Volk nicht gleich über Grazia herfällt und sie (als Frau) als Freiwild sieht, wie es in vielen anderen historisch angehauchten Romanen der Fall ist.

Neben den Hauptfiguren räumt die Autorin auch etlichen interessanten Nebencharakteren ausreichend Platz ein, besonders mit Grazia und Anschar sind ihr aber zwei Protagonisten gelungen, an die ich noch lange zurückdenken werde. Beide haben Ecken und Kanten, sind manches Mal stur und naiv und handeln nicht immer so, wie es sich der Leser vielleicht wünschen würde. Dafür bleiben sie sich und vor allem ihrer Herkunft und Erziehung stets treu und machen im Laufe des Buches eine glaubhafte Entwicklung durch. Besonders menschlich macht sie, dass sie sich bei ihren Wüstenwanderungen etwa auch über alltägliche Probleme wie mangelnde Hygiene Gedanken machen.
Die Männer in dem Buch weinen zwar ziemlich häufig, aber dazu haben sie oft auch guten Grund.

Stellenweise ist das Tempo des Romans etwas gemächlich, Langeweile kommt aber dennoch nicht auf. Dafür sorgen Grazia und Anschar schon. Oder eben auch Theodor Fontane, der einen kleinen Gastauftritt in der Geschichte hat.
Das Ende ist an sich rund, lässt aber Spielraum für den zweiten Teil «Die eiserne Welt», mit der die Handlung dann erst endgültig abgeschlossen ist.

FAZIT: Ein unterhaltsamer Schmöker, der aufgrund der wenigen übernatürlichen Elemente auch für Fantasy-Einsteiger geeignet ist.

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10 Responses to [Rezension] Wassermann, Sabine – Das gläserne Tor

  1. Katha sagt:

    Ganz tolle Rezi! Und jetzt bin ich nur noch gespannter auf das Buch…mal schauen, wann ich es lesen werde…

  2. Nina sagt:

    Dann verrate ich dir am besten gar nicht, dass ich den zweiten Teil noch besser fand. ;)

  3. Katha sagt:

    Oh echt? Noch besser? Und wann kommt die Rezi? :mrgreen:
    Ich hoffe mal, dass ich es noch im August lesen kann…

  4. Nina sagt:

    Im besten Fall morgen. Kannst du dir eigentlich gleich in deiner Stammbuchhandlung zurücklegen lassen. ;)

  5. Katha sagt:

    Ich muss die Tage eh noch in meiner Stammbuchhandlung anrufen um Anna Fink zu bestellen und so wie es aussieht, wird es wohl noch ein zweites Buch dazugeben :mrgreen:

  6. Nina sagt:

    Stimmmmt, die Anna gibt’s ja jetzt auch endlich in der neuen Fassung. Da wünsch ich dir jetzt schon mal ganz viel Spaß mit!

  7. Soleil sagt:

    Das Buch liegt in meine SuB und obwohl ich immer mal wieder hingeschielt habe, konnte ich mich bisher nicht dazu druchringen, es zu lesen. Schade offenbar ;)
    Danke für die schöne Rezi!
    PS: Wie viele Teile gibt es eigentlich insgesamt?

  8. Nina sagt:

    Insgesamt gibt es zwei Teile. Mit der Fortsetzung «Die eiserne Welt» ist die Geschichte erzählt. Leider. Ich hatte ja fest mit einer Trilogie gerechnet, aber in der Leserunde zum zweiten Teil hat Sabine Wassermann erzählt, dass es keinen dritten Band geben wird.

  9. Katha sagt:

    Auf die Anna freu ich mich schon sehr und gerade habe ich die Bücher bestellt…”Die eiserne Welt” kann ich morgen auf alle Fälle abholen…ich hoffe, die Anna auch…

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