[Rezension] Ahern, Cecelia – Zeit deines Lebens

Originaltitel: The Gift
Genre: Liebesromane & Frauenliteratur
Verlag: Krüger (2oo9)
Übersetzung: Christine Strüh
ISBN: 9783810501462
Seiten: 362
Website der Autorin: www.cecelia-ahern.com

Kurzbeschreibung

Was ist das größte Geschenk, das man einem Menschen machen kann?
Lou Suffern ist ein »BWM«, ein Beschäftigter Wichtiger Mann. So wichtig und beschäftigt, dass er den 70. Geburtstag seines Vaters vergisst, seine Frau leichthin betrügt und seinem kleinen Sohn noch nicht ein einziges Mal die Windeln gewechselt hat. Eines Tages verwickelt ihn ein Obdachloser namens Gabriel in ein Gespräch. Lou fühlt sich dem Unbekannten seltsam verbunden und verschafft ihm kurzerhand einen Job – was nun wirklich nicht seine Art ist. Doch auch Gabriel hat ein Geschenk für Lou: ein rätselhaftes Mittel, durch das Lou ein anderer wird.

Rezension

Was für den einen eine Lektion ist, ist für den anderen einfach nur eine Geschichte. (Seite 357)

Für den Leser von «Zeit deines Lebens» beginnt die Geschichte an einem besinnlichen Weihnachtsmorgen, der durch den Fensterflug eines tiefgefrorenen Truthahns ein jähes Ende findet. Kurz darauf sitzt der Übeltäter, ein verloren wirkender Teenie, der im Folgenden nur «der Truthahnjunge« genannt wird, auf der Polizeiwache.
Während er dort auf seine Mutter wartet, erzählt ihm der wachhabende Officer die unglaubliche Geschichte von Lou Suffern, einem Geschäftsmann im mittleren Alter, der rücksichtslos und gefühlsblind durch sein Leben hetzt, am liebsten immer zeitgleich an zwei Orten wäre und erst mit Hilfe eines Obdachlosen, dem er aus einer Laune heraus einen Job in seiner Firma verschafft, seine ganz persönliche und doch eigentlich ziemlich allgemeingültige Lektion lernt.

In ihrem mittlerweile sechsten Roman verpackt Cecelia Ahern eine an sich simple Aussage in eine emotionsgeladene Geschichte, die innerhalb weniger Stunden weggeschmökert ist.
Und das, obwohl die Hauptfigur – zumindest zunächst – alles andere als sympathisch ist; betrügt Lou doch seine Frau und setzt – ohne Rücksicht auf Verluste – alles daran, seine Karriere mehr und mehr voranzutreiben. Dabei stößt er seiner Frau, den Kindern, Geschwistern und Eltern immer wieder rüde vor den Kopf und verletzt sie mit seinem egoistischen Handeln zutiefst. In diesen Momenten möchte man ihm als Leser eigentlich nur eine saftige Ohrfeige verpassen.
Andererseits gibt es aber auch Situationen, in denen er einem fast schon leid tun kann. Etwa wenn er sich in Zwickmühlen hineinmanövriert hat, aus denen er gar nicht entkommen kann, ohne dabei die falsche Entscheidung zu treffen.

Das Auftreten von Gabe, dem Obdachlosen, dem Lou spontan einen Kaffee ausgibt und später einen Arbeitsplatz in der Postverteilerstelle seines Unternehmens verschafft, öffnet Lou nicht nur die Augen und bringt dadurch eine Veränderung in dessen Leben, sondern gibt der Geschichte auch eine übersinnliche Komponente. Diese macht den Roman – in Kombination mit der teils vorwegnehmenden Erzählweise – fast schon zu einem modernen Märchen, auf das man sich einlassen muss, um es zu mögen. Wer eine durchweg realistische Geschichte lesen möchte, ist bei «Zeit deines Lebens» daher an der falschen Adresse.
Ebenso wie Leser, die mit ein bisschen Kitsch nicht viel anfangen können. Denn das Ende ist – so sehr es auch zu Tränen rührt – nahezu von Beginn an abzusehen und noch dazu reichlich dick aufgetragen.

Trotzdem hat mich das Buch nicht nur gut unterhalten, sondern auch ziemlich berührt. Marian Keyes sagte über die Geschichte sogar, dass sie «uns retten kann, wenn wir genau hinhören». Letztlich ist zwar schnell erraten, welches geheimnisvolle Geschenk, das im englischen Original sogar titelgebend ist, Lou von Gabe bekommt und phasenweise hebt Cecelia Ahern den Zeigefinger doch etwas arg hoch, aber trotz allem ist die Moral der Geschichte einfach so wahr, dass sie sich ganz tief in die Köpfe der Leser eingraben sollte. Denn wer sich diese zwar nicht neue, aber immens wichtige Erkenntnis wirklich zu Herzen nimmt, hat definitiv etwas gewonnen. Oder vielleicht auch geschenkt bekommen. Es kommt nur darauf an, was er daraus macht.

FAZIT: Ein gefühlvoller Roman, der sich nicht nur durch das überraschend rote Cover von seinen Vorgängern unterscheidet, sondern auch dadurch, dass man ihm die neu gewonnene Reife der Autorin deutlich anmerkt und in dem ausnahmsweise mal nicht ein Liebespaar im Vordergrund steht, so dass auch männliche Leser einen Versuch wagen könnten.

3 Comments

  • 15. September 2009 - 07:21 | Permalink

    Hi Nina,

    da hast du ja mal wieder eine super schöne Rezi geschrieben. Die hat mich echt überzeugt mir das Buch auch zuzulegen :)

  • 15. September 2009 - 09:47 | Permalink

    Ähm… irgendwie ist nach dem Herz aus Größer-als-Zeichen und 3 der Rest meines Kommentars verschwunden… Sollte heißen: Ich habe das Buch zwar schon gelesen, aber wenn es nicht so wäre, würde ich es nach dieser Rezi tun ;)

  • 15. September 2009 - 23:34 | Permalink

    @ Bella
    Das freut mich! :D Es lohnt sich wirklich. Allerdings, wenn du es nicht allzu eilig hast, warte bis Weihnachten! Zur passenden Zeit ist das Buch sicher noch mal einen Tick schöner.

    @ Katrin
    Ich hab den 1-Wort-Unfall-Kommentar mal gelöscht. Keine Ahnung, wo da das Problem war. Normalerweise macht ein <3 sowas nicht.
    Ansonsten: Danke! Freut mich, dass dir die Rezi gefällt. :D

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