[Rezension] Cashore, Kristin – Die Beschenkte

Originaltitel: Graceling
Genre: Fantasy
Reihe: Seven Kingdoms
Verlag: Carlsen (2009)
Übersetzung: Irmela Brender
ISBN: 9783551582102
Seiten: 487
Website der Autorin: kristincashore.blogspot.com

Kurzbeschreibung

Als Katsa dem geheimnisvollen Prinzen von Lienid begegnet, weiß sie sofort, dass auch er beschenkt ist – sie ist sich nur nicht sicher, mit welcher Gabe. Katsa dagegen ist in allen sieben Königreichen bekannt und gefürchtet: Sie hat die Gabe des Tötens.
Nur Bo, der fremde Prinz, scheint keine Angst vor ihr zu haben und ringt beharrlich und mit viel Geduld um ihr Vertrauen. Im Kampf gegen einen König mit einer teuflischen Gabe werden sie auf ihrem gemeinsamen Weg durch Schnee und Eis, über Meere und Gebirgsketten zu Verbündeten – und zu einem leidenschaftlichen, unabhängigen, innigen, streitenden, liebenden Paar.

Rezension

Katsa lebt in einer Welt, in der es so genannte «Beschenkte» gibt. Diese sind an ihren zweifarbigen Augen zu erkennen und zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine ganz besondere Gabe in die Wiege gelegt bekommen haben. Die meisten Gaben sind harmlos und mehr oder weniger nützlich, Katsas Gabe hingegen ist tödlich. Bereits mit acht Jahren konnte sie einen Mann mit bloßen Händen umbringen.
Ihr Onkel, Herrscher über eines der sieben Königreiche, weiß dies gnadenlos auszunutzen und macht die elternlose Katsa noch als Kind zu seiner ausführenden Hand. Hat ein Bürger einen Vertrag nicht eingehalten oder den König in sonstiger Weise verärgert, wird Katsa geschickt, den armen Sünder zu bestrafen, nicht selten sogar mit dem Tod.
Lange Zeit schon ist Katsa unglücklich mit der Situation, doch erst als sie auf den Prinzen Bo trifft, der ihr als Einziger ebenbürtig scheint, beginnt sie, gegen ihren Onkel zu rebellieren. Gemeinsam mit Bo macht sie sich schließlich auf, die Hintergründe zur Entführung von Bos Großvater zu erforschen und muss feststellen, dass es noch schrecklichere Gaben gibt als die ihre…

Selten habe ich es erlebt, dass ein Debütroman so extrem beworben wurde. Vom Verlag wird das Buch als Bis(s)-Nachfolger gehandelt, insgesamt wurden 500 (!) Exemplare verlost. In meinen Augen maßlos übertrieben, denn dieses Buch hätte es auch als anfänglicher Geheimtipp eher früher als später auf die Bestsellerlisten geschafft. Nicht etwa, weil es auf der Bis(s)-Schiene fährt, denn das tut es nicht. Nein, «Die Beschenkte», im Original «Graceling» ist einfach ein All-Age-Fantasy-Roman, der sämtliche Leserträume wahr macht: eine teuflisch gut erzählte, fesselnde Geschichte vor einem originellen phantastischen Hintergrund und Charaktere, in die man sich einfach verlieben muss.

Gleich zu Beginn wird man mitten ins Geschehen geworfen, langes Vorgeplänkel gibt es nicht. Der Leser wird damit vertraut gemacht, dass es Menschen mit besonderen Fähigkeiten gibt, die sieben Königreiche werden vorgestellt und dann geht es auch schon los. Verschnaufpausen gibt es nur selten, denn die Autorin treibt die Handlung mehr als rasant voran. Durch das Gebirge, über das Meer – Katsas Weg, verfolgbar auch anhand der mitgelieferten Karte, führt sie quer durch die Königreiche, in denen immer wieder andere Gefahren auf sie und ihre Begleiter warten.
Trotz des hohen Tempos hat man dennoch nie das Gefühl, gehetzt zu werden. Denn obwohl die einzelnen Szenen relativ kurz gehalten sind, hat man keine Schwierigkeiten, sofort und mit Haut und Haar in sie einzutauchen.
Manch einer mag vielleicht trotzdem bemängeln, dass manches sehr schnell geht und auch die Gaben kaum erklärt werden, sondern ihre Existenz einfach vorausgesetzt wird. Mir persönlich hat gerade das allerdings besonders gefallen.

Statt – wie in vielen Fantasy-Romanen üblich – z.B. Kampfszenen seitenweise auszubreiten, stellt Kristin Cashore vielmehr ihre Figuren in den Vordergrund.
Diese überzeugen durch ihre Vielschichtigkeit, ihre Natürlich- und Menschlichkeit. Katsa, zu Beginn noch unsicher, innerlich zerrissen und abweisend, schaffte es gar, sich im Laufe der Geschichte zu einer meiner liebsten Romanheldinnen zu entwickeln. Und auch Bo, der in der englischen Ausgabe übrigens Po heißt, hat ohne weiteres Edward-Niveau. Wenn man dann doch noch mal auf Bis(s) zurückkommen möchte. So abgedroschen es klingt, aber am Ende war ich wirklich traurig, diese starken Charaktere zurücklassen zu müssen.

Da die besonderen Gaben das einzige phantastische Element sind, dürften auch Nicht-Fantasy-Fans ihre Freude an dem Buch haben. Mich jedenfalls hat es – wie man an der begeisterten Rezension unschwer erkennen kann – richtig umgehauen. Vor allem auch, weil die Autorin immer wieder zu überraschen weiß und selbst nach dem eigentlichen Showdown noch einen Knaller bringt, der mir die Tränen in die Augen getrieben hat.

FAZIT: Besser geht’s nicht. Zum Glück ist «Fire», ein Prequel zu «Graceling» schon so gut wie auf dem Markt und auch ein weiterer Teil ist in Arbeit.

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13 Comments

  • DamianFrost
    8. September 2009 - 01:13 | Permalink

    Klingt gut. Ohne deine Rezi, wäre ich gar nicht drauf aufmerksam geworden – in diesem Sinne: Danke für den Tipp!

    Ob ich’s mir wirklich zulegen werde, muss ich noch sehen. Würdest du sagen, es ist ein Mädelsbuch à la Biss? Dann lieber nicht … o.O

  • 8. September 2009 - 05:41 | Permalink

    Wow, tolle Rezi!
    Jetzt kann ich es kaum abwarten, endlich damit anzufangen ;) Auch wenn Graceling dennoch etwas warten muss :(

  • 8. September 2009 - 07:06 | Permalink

    Hi Nina,

    das ist ja echt ein Zufall…gestern hab ich mir das Buch zugelegt und jetzt falle ich über so eine schöne Rezi von dir :D Freu mich jetzt noch mehr auf’s lesen!!

    LG

  • 8. September 2009 - 09:19 | Permalink

    Ich bin wie so oft hin und her gerissen. Es klingt so gut aber es ist ein Mehrteiler. Die Kampfszenen werden nicht so sehr beschrieben, was äußerst gut ist… Hach ich weiß es nicht :D Aber Dank deiner Rezi überlege ich überhaupt daran ;)

    Viele Grüße, hoffe es ist alles klar bei dir!

  • 8. September 2009 - 09:47 | Permalink

    @DamianFrost: Ich nehme mir mal heraus, das zu beantworten: Ich für meinen Teil käme nie auf die Idee, Graceling/Die Beschenkte mit den Biss-Büchern zu vergleichen, die haben für mich absolut nichts gemeinsam. Von meiner Warte aus gesehen, kannst du das Buch also ruhig lesen. ;)

    Nina, ich freu mich so, dass es dir auch gefallen hat!! *g* Und ich kann mich dir nur anschließen, Gott sei Dank kommt “Fire” in einem Monat! :D

  • 8. September 2009 - 09:54 | Permalink

    Hab das Buch letzte Nacht noch angefangen und nach deiner Rezi kann ich es jetzt kaum erwarten, weiterzu lesen ;)
    LG

  • 8. September 2009 - 10:03 | Permalink

    @ Katrin
    Es ist zumindest kein Mehrteiler in dem Sinne, dass diese Geschichte noch weitererzählt werden muss, sondern es folgen einfach noch weitere Bücher, die in der Welt der sieben Königreiche spielen und in denen bekannte Figuren hier und da noch mal auftauchen. Vielleicht überzeugt dich das ja. ;)

    @ Katha & Bella & Laura
    (Weiterhin) viel Spaß damit! :D

    @ DamianFrost
    Ich finde nicht, dass es ein reines Mädelsbuch ist, auch wenn die Hauptfigur natürlich ein Mädel im besten 1.-Liebe-Alter ist. ;)
    Wie in Bis(s) bloß geschmachtet und rumgestolpert wird hier allerdings nicht und die Geschichte lebt auch nicht bloß von dem Verhältnis der Figuren, sondern die Liebesgeschichte ist nur ein Teil des Ganzen. War für mich auch nie kitschig oder übertrieben und das, obwohl ich da eigentlich empfindlich bin. ;)

    @ Stefanie Emmy
    Danke, danke, danke für den tollen Tipp! :D Schließlich hätte ich das Buch ohne deine Rezi gar nicht erst gekauft.

  • 8. September 2009 - 18:59 | Permalink

    Ich war eine der Glücklichen, die dieses Buch gewonnen haben. Natürlich musste es gleich am nächsten Tag gelesen werden und ich war begeistert.

  • 9. September 2009 - 09:04 | Permalink

    Freut mich, dass es Dir auch gefallen hat. :)
    Der Vergleicht mit den Biss-Büchern ist meiner Meinung nach ein Marketing-Versuch der absolut unpassend ist. Und damit eventuell sogar Leser abschreckt. Dabei haben die Biss-Bücher so gar keine Ähnlichkeit mit “Die Beschenkte”.

  • 10. September 2009 - 08:21 | Permalink

    Auf das Buch bin ich wegen des tollen Covers in der Meyerschen aufmerksam geworden – das muss ich unbedingt haben, zumal es ja offenbar auch noch gut ist! Allerdings muss das warten, bis ichs mal gebraucht oder bei Buchticket krieg …

  • 13. September 2009 - 17:53 | Permalink

    Dank der Leseprobe in der Mayerschen, steht es jetzt auch weit oben auf meiner Wunschliste. Deine Rezi macht mir da die Verwendung eines Gutscheins richtig Probleme ;) . Eigentlich sollte der für nen Kalender und ein TB herhalten, aber… *grübel*

    Wie immer eine tolle Rezi und ich freu mich schon auf die nächste :)

    knuddelige Grüße
    ri

  • 14. September 2009 - 10:02 | Permalink

    Ich gehöre wohl zu den seltenen Exemplaren, die ein Vergleich mit den Biss Büchern auch eher abschreckt. Aber da ich nicht nur einmal lesen durfte, dass der Vergleich weit her geholt ist, wage ich mal einen Versuch. Danke für seeeeehr ausführliche Rezi.
    LG,
    Christiane

  • 14. September 2009 - 21:02 | Permalink

    ;Ich glaube auch, dass der Verlag sich mit der Bis(s)-Werbung nicht _nur_ einen Gefallen getan hat. Einige Leser wird er abschrecken, andere werden gewiss enttäuscht sein, keinen Bella-Edward-Abklatsch zu bekommen.
    Schade übrigens, dass ich das Buch nicht schon früher gelesen habe. Dann hätte ich nämlich rechtzeitig von der Verlosung gewusst und ihr hättet euer Glück versuchen können, statt jetzt ungeplant Gutscheine zu verkloppen oder auf BT warten zu müssen. ;)

    @ Christiane
    Gut ausführlich oder zu ausführlich? Ich befürchte ja, dass manche Leser so lange Rezensionen gar nicht komplett lesen. :oops:

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