[Rezension] Stiefvater, Maggie – Lamento. Im Bann der Feenkönigin

Originaltitel: Lament: The Farie Queen’s Deception
Genre: Fantasy
Reihe: Faerie (1)
Verlag: Pan Verlag (2009)
Übersetzung: Katharina Volk
ISBN: 9783426283103
Seiten: 348
Website der Autorin: www.maggiestiefvater.com

Kurzbeschreibung

Immer wieder träumt die 16-jährige Deirdre von einem geheimnisvollen Jungen namens Luke. Doch das sind nur Träume, oder? Das Mädchen kann es kaum glauben, als ihr Luke bei einer Schulaufführung plötzlich leibhaftig gegenübersteht. Noch seltsamer wird es, als ihre Großmutter sie eindringlich vor dem Jungen warnt und sie bittet, sich von ihm fernzuhalten. Das ist längst unmöglich für Deirdre: Sie hat sich unsterblich verliebt. Doch Luke ist nicht der, für den sie ihn hält. Als er plötzlich spurlos verschwindet und Deirdre sich auf die Suche nach ihm macht, gerät sie mitten hinein in einen magischen Krieg, der seit Jahrhunderten währt. Und sie erfährt, dass der Junge, den sie liebt, von der rachsüchtigen Feenkönigin mit einem ganz bestimmten Auftrag zu ihr geschickt wurde: Um sie zu töten…

Rezension

Obwohl die 16jährige Deidre ein musikalisches Ausnahmetalent ist, hat sie vor jedem Auftritt unfassbares Lampenfieber. Als auch diesmal wieder ihr Magen rebelliert und sie sich vor einer wichtigen Aufführung auf’s Schulklo flüchtet, trifft sie dort auf einen Jungen, dem sie noch nie begegnet ist, der ihr aus ihren Träumen aber gut bekannt ist.
Obwohl ihre Familie dagegen ist, beginnt sie, Luke regelmäßig zu treffen. Plötzlich jedoch tauchen überall vierblättrige Kleeblätter auf und Deidre sieht Dinge, die anderen Sterblichen verborgen bleiben. Deidre erkennt, dass sie in Gefahr ist, doch ihre Gefühle für Luke sind bereits zu stark, um sich von ihm abzuwenden…

Schon der Einstieg ist irritierend. Dass Deidre Luke aus ihren Träumen kennt, wird gerade mal am Rande erwähnt, sodass ihr recht ungezwungener Umgang miteinander sehr verwunderlich ist. Generell werden übernatürliche Vorkommnisse viel zu schnell hingenommen, ohne sie groß zu hinterfragen. Das erhöht zwar das Erzähltempo, trägt dafür aber nicht gerade dazu bei, der Geschichte besonderen Tiefgang zu verleihen.

Auch die Charaktere lassen sehr zu wünschen übrig, allen voran derjenige der Hauptfigur. Schnell wird deutlich, dass Deidre ein schüchternes, unsicheres Mädchen sein soll, keine typische Heldin. Doch gerade zu Beginn wirkte sie auf mich einfach nur zickig, ihre Reaktionen waren kaum nachvollziehbar. Ihre größte Angst ist es, gewöhnlich zu sein. Erst als sich der gut aussehende Luke für sie interessiert, fühlt sie sich besonders. Ihr ausgezeichnetes Harfespiel, das ihr eine große Musikerkarriere verspricht und sie alleine dadurch von der breiten Masse abhebt, zählt für sie nicht. Da muss sich schon erst die Feenwelt für ihre Musik interessieren, damit sie erkennt, dass sie scheinbar doch nicht so gewöhnlich ist, wie sie meint.

Ebenso blutleer und undurchschaubar wie Deidre, die darüber hinaus am Ende eine sehr unliebsame Entscheidung trifft, ist auch Luke. Er soll wohl ein typischer Mädchenschwarm mit anziehender, mysteriöser Seite sein, doch gutes Aussehen und Schmeicheleien reichen nicht, um mir eine Person schmackhaft zu machen. Da kann er noch so oft «hübsches Mädchen» sagen, mich hätte er damit nicht überzeugt. Geschweige denn dass nachvollziehbar ist, wie man sich in wenigen Tagen unsterblich in ihn verlieben kann.
Am nervigsten ist jedoch Deidres bester Freund James, der in der im Oktober erscheinenden Fortsetzung von der Nebenfigur zum Hauptcharakter avanciert. Leider ist er so gewollt anders und seine Sprüche so dermaßen aufgesetzt, dass er nur noch unglaubwürdig ist.

Neben der missglückten Figurenzeichnung ist auch die Sprache sehr gewöhnungsbedürftig. Die Dialoge wirken oft sehr unnatürlich. Welches Mädchen will schon «Du hast einen unglaublich süßen Pferdeschwanz, den ich am liebsten ständig anfassen würde. Das ist mir jetzt einfach so rausgerutscht» (Seite 218) hören?
Zwar bemüht sich die Autorin um eine möglichst poetische Sprache, meist wirken ihre Vergleiche aber eher abgedroschen und sperrig. So zieht die böse Feenfrau «einen Schmollmund, so schön, dass Engel weinten und Blumen verschrumpelten» (Seite 172) und Luke «schlich so leise durch die Tür wie rieselnder Schnee in der Nacht» (Seite 175).

Auch den Aufbau des Buches kann ich nicht unbedingt als gelungen bezeichnen. Während der Anfang sich etwas in die Länge zieht, geht zum Ende hin alles so schnell, dass man nur noch Bilder an sich vorbeiziehen sieht, ohne den Zusammenhang zu erkennen. Lösungen werden einfach so präsentiert, ohne dass sie sich vorher angedeutet haben oder anschließend erklärt werden. So schwebte mir mehr als einmal ein großes Fragezeichen über dem Kopf. Auch hinsichtlich der Tatsache, dass das Buch in sechs Bücher unterteilt ist. Der Grund dafür hat sich mir bis zum Schluss nämlich nicht erschlossen.

Störend war darüber hinaus auch, dass immer, wenn von den Feen die Rede war, Wörter kursiv gedruckt waren, die ich im Kopf automatisch betont gelesen habe, ohne dass sie in dem Fall betont werden müssten. So wurde ich manchmal auf einer Seite gleich mehrfach aus dem Lesefluss gerissen.

Positiv zu erwähnen ist allerdings, dass für den Entwurf des Feenvolkes irische Sagen und Volkslieder herangezogen wurden, die diese Wesen mal in einem anderen, gefährlichen Licht erscheinen lassen.
Alles in allem war das Buch für mich aber leider trotzdem eine große Enttäuschung. Den zweiten Teil, der im englischen Original Ballad: A Gathering of Faerie heißt, werde ich daher ganz sicher nicht lesen.

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5 Responses to [Rezension] Stiefvater, Maggie – Lamento. Im Bann der Feenkönigin

  1. Katha sagt:

    Tolle Rezi!
    Ok, die Vergleiche klingen tatsächlich mehr als gruselig und sollte mal jemand zu mir “du hast einen unglaublich süßen Pferdeschwanz” sagen, werde ich schleunigst lachend reißaus nehmen und mich von dieser Person fern halten :mrgreen:

    Mal schauen, ob es auf Englisch dann besser ist…

  2. Nina sagt:

    Mag sein, dass es auch ein bisschen an der Übersetzung liegt. Die soll aber, wie ich in einer anderen Rezi gelesen habe, besonders gelungen sein. Aber das kann man letztlich wohl nur beurteilen, wenn man beide Versionen gelesen hat.
    Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass du mehr Spaß an dem Buch hast als ich!

  3. Katrin sagt:

    Huhu!

    Also ganz ehrlich, so wie du die Geschichte zusammen gefasst hast, hätte sie eigentlich unheimlich Potenzial gehabt. Schade, dass nichts daraus wurde :( Deine “Fallbeispiele” der Sprache verdeutlichen das Problem allerdings ziemlich gut. Obwohl Musik drin vor kommt, werde ich dann doch die Finger davon lassen :)

  4. Nina sagt:

    Ja, die Geschichte an sich hätte definitiv Potential gehabt. Die Grundidee (Mädchen liebt Jungen, der ihren Tod bedeuten kann) ähnelt der von «Twilight» natürlich sehr, aber mit dem Feenhintergrund und der Musik zur Abrundung hätte das Buch wirklich was hergeben können. Leider ist die Umsetzung eben so gar nichts geworden. Zumindest in meinen Augen. An anderen Stellen hat das Buch durchaus gute bis sehr Kritiken bekommen. Für mich nicht nachvollziehbar, aber letztlich liest eben jeder anders.

  5. Marie Hauser sagt:

    Die Argumente, die du da vorbringst, sind schon eindeutig. Ich persöhnlich lese keine Bücher ohne Tiefgang. Trotzdem finde ich die Grundgeschichte auch interresant und möchte mir selber eine Meinung von dem Buch machen.

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