[Rezension] Wright, Jason F. – Die Mittwochsbriefe

Originaltitel: The Wednesday Letters
Genre: Liebesromane & Frauenliteratur
Reihe: -
Verlag: Heyne (2008)
Übersetzung: Marie Rahn
ISBN: 9783453266094
Seiten: 285
Website des Autors: www.jasonfwright.com

Kurzbeschreibung

Fast vierzig Jahre waren Jack und Laurel verheiratet, als sie in derselben Nacht Arm in Arm sterben. Die drei erwachsenen Kinder kommen zum Begräbnis im Elternhaus zusammen – und entdecken im Keller ein Vermächtnis: Tausende von Briefen, die der Vater jeden Mittwoch an die Mutter schrieb. Wunderbare Briefe voller Liebe und Gefühl. Und ein Brief, der ein schreckliches Familiengeheimnis offenbart.

Rezension

In einer einzigen Nacht verlieren die drei Cooper-Geschwister beide Elternteile und finden sich im Zuge der Beerdigung seit langer Zeit wieder in ihrem Elternhaus ein: Matthew, der Vorzeigesohn, der verzweifelt versucht, Nachwuchs zu bekommen, Samantha, eine allein erziehende Polizistin mit schauspielerischen Ambitionen, und Malcolm, das schwarze Schaf der Familie, der vor Jahren nach Brasilien geflüchtet war; zum einen, um einem drohenden Gefängnisaufenthalt zu entgehen und zum anderen, um Abstand von seiner Jugendliebe Rain zu gewinnen, die mittlerweile einen neuen Freund hat.
Im Keller der kleinen Pension, die ihre Eltern führten, finden Matthew, Samantha und Malcolm tausende an die Mutter adressierte Briefe von ihrem Vater – die Mittwochsbriefe.
Anfangs noch zurückhaltend machen die Geschwister sich daran, die Briefe zu sortieren und nach und nach zu lesen. Dabei erfahren sie nicht nur mehr über ihre Eltern und deren fast 40jährige Ehe, sondern stoßen auf ein dramatisches Familiengeheimnis, das bislang Selbstverständliches plötzlich in Frage stellt…

Anders als zu erwarten wäre, spielen die titelgebenden Briefe eine verhältnismäßig geringe Rolle. Zwar offenbaren sie besagtes Familiengeheimnis, ansonsten sind es jedoch mehr oder weniger belanglose, unchronologische Liebesbekundungen, manche rührend schön, andere fast schon kitschig, selbst geschriebene, sehr religiös angehauchte Liedtexte oder Anekdoten, etwa von einem Besuch in Graceland, die Laurel eigentlich selbst auch miterlebt hatte.
Deutlich im Vordergrund steht stattdessen das Verhältnis der Geschwister untereinander, vor allem aber Malcolm, die eigentliche Hauptfigur der Geschichte. Er steht nicht nur mit dem Gesetz in Konflikt und hat immer noch sehr starke Gefühle für Rain, sondern ihn trifft ein Ereignis in der Vergangenheit seiner Eltern auch deutlich heftiger als Matthew und Samantha.

Leider waren sämtliche Auflösungen und Entwicklungen allerdings so vorhersehbar, dass ich an keiner Stelle auch nur ansatzweise überrascht war und auch die Charakterzeichnung wirkte besonders in Bezug auf Jack und Laurel reichlich überzogen. So werden sie nicht nur von ihren Kindern, sondern auch auf diversen Trauerveranstaltungen von sämtlichen Personen, die im Laufe ihres Lebens in irgendeiner Weise mit ihnen zu tun hatten, als perfektes Ehepaar dargestellt, dessen Liebe, Nächstenliebe und vor allem Fähigkeit, zu verzeihen, einfach grenzenlos war. Hierbei wird Laurel wird fast schon als eine Art Heilige dargestellt, was irgendwann einfach zu viel des Guten ist; ebenso wie der sehr stark ausgeprägte Glaube an Gott, der die Geschichte in eine Richtung gehen lässt, der ich persönlich wenig abgewinnen konnte.

Dennoch kann ich nicht behaupten, dass mich das Buch gar nicht berührt hätte. Alleine von der Thematik geht es jemandem, der auch schon den einen oder anderen Verlust zu beklagen hatte, einfach nahe; auch wenn die Cooper-Kinder selbst manchmal etwas ichbezogen und weniger emotional agieren, als es hier und da angebracht wäre.
Alles in allem wirkt die Geschichte aber zu pathetisch, zu unnatürlich und zu überladen, um den hohen Erwartungen, welche die Grundidee weckt, wirklich gerecht zu werden. Darüber kann leider auch der schön verpackte Epilog, der in einem separaten Briefumschlag auf der Innenseite des Buches steckt, nicht hinwegtäuschen.

8 Comments

  • 28. Oktober 2009 - 20:40 | Permalink

    Deine Rezension hat mich wenigstens kurzzeitig vom ebenso langen wie langweiligen Musikpädagogik-Text abgelenkt, erweckt allerdings den Eindruck, dass du einfach zu abgebrüht bist meine Liebe ;)
    Ich kann deine Kritikpunkte sehr gut nachvollziehen, allerdings sind dann die 3 Sterne fast zu viel des Guten. Ich hoffe man versteht was ich meine… ;)

    Schönen Abend!

  • 28. Oktober 2009 - 21:29 | Permalink

    Wenn ich wirklich so abgebrüht wäre, hätte ich gestern nicht Rotz und Wasser geheult, als ich »Zwei an einem Tag« beendet habe. ;) Die Mittwochsbriefe drücken mir nur leider etwas zu plump auf die Tränendrüse, deswegen haben sie mich eben nur ansatzweise berührt.
    Die 3 Sterne schienen mir im ersten Moment, ehrlich gesagt, auch etwas zu gut. Aber wenn ich mir ansehe, welche Bücher nur 2 Sterne bekommen haben, dann waren die Mittwochsbriefe eben doch einen Tick besser.

    Kurzer Nachtrag:
    3 = Nette Lektüre – nicht mehr, nicht weniger.
    2 = Trotz guter Ansätze insgesamt leider schwach. -> Dafür hätten dann z.B. noch sprachliche Mängel vorliegen müssen, was ja zum Glück nicht der Fall war.

  • 28. Oktober 2009 - 21:38 | Permalink

    Okay, du hast recht. Ich mags auch wenn mal plump auf die Tränendrüse gedrückt wird *auf meine 11 Nicholas Sparks Bücher im Regal schiel* Deine 3 Sterne kann ich jetzt auch schon eher nachvollziehen.

    In “Zwei an einem Tag” hab ich noch nicht so recht rein gefunden. Nachdem ich bis grade Kalvier geübt habe, werd ichs wohl nochmal versuchen schätze ich ;) Bin auf deine Rezi gespannt. Bei meinem Tempo kommt sie -sicher- bevor ich fertig bin ;)

    Gute Nacht!

  • 28. Oktober 2009 - 22:15 | Permalink

    Hehe, an die Sparks-Bücher musste ich auch denken. Da kann ich mich einfach nicht mit anfreunden, obwohl ich schon ganz gerne mal flenne, wenn’s traurig ist. Ich meine, ich kann mir »Dumbo« nicht ansehen, ohne zu heulen… :oops:

    Die »Zwei an einem Tag«-Rezi schaffe ich vielleicht/hoffentlich morgen. Jetzt, wo ich in der Uni so schön ins Internet komme, lohnt es sich auch, den Laptop mitzunehmen. Mal sehen, was ich in den Freistunden so schaffe.

    Ich stürze mich gleich noch mal in Arkadien. Bin mir sicher, dass du in die Geschichte um Emma und Dex auch noch reinfindest!

    Gute Nacht! :D

  • 29. Oktober 2009 - 08:53 | Permalink

    Nina, ich finde es ganz prima, dass du für mich das Heulen übernimmst und mich vor den kleinen Nervenzusammenbrüchen bewahrst, die bei mir mit dem Lesen solcher Bücher einhergeht.

    Ich war schon immer schrecklich nah am Wasser gebaut, selbst als ich noch als Mann gelebt habe, aber inzwischen ist das so schlimm geworden, dass ich manches gar nicht mehr an mich heranlasse. Und da kommst du ins Spiel: Du vergießt diese Tränen für mich und rettest mir alle Abende, an denen das rezensierte Buch mich sonst zum Heulen gebracht hätte.

    Ich danke dir dafür und finde dich alles andere als abgebrüht. Diesen Eindruck hatte ich noch nie bei deinen Texten. Ich finde im Gegenteil, dass du deine Rezensionen sehr professionell und trotzdem mit viel Gefühl schreibst. Eine tolle Mischung. Bitte mach genau so weiter.

    Liebe Grüße, Svenja

  • 29. Oktober 2009 - 17:48 | Permalink

    Oh, die Kurzbeschreibung klang so nett, aber deine Kritikpunkte kommen mir so bekannt vor, dass ich das Buch wohl nicht lesen würde. Manchmal ist es ganz erholsam keine gute Kritik zu lesen, denn je mehr ich hier so rumsurfe, desto länger wird die Leseliste ;-)

  • 1. November 2009 - 23:31 | Permalink

    @ Svenja
    Danke!! ❤

    @ anjasi
    Hehe, manchmal sind negative Kritiken wirklich gar nicht mal schlecht. Zumindest für den SuB. ;)
    Ich fühl mich jedenfalls sehr geehrt, dass du meiner Meinung so großen Wert beimisst.

  • 6. November 2009 - 08:23 | Permalink

    Interressanterweise hab ich das Buch ja auch stark kritisiert und am Ende trotzdem 8/15 Punkten gegeben. Und auch ich stand nach der Punktevergabe da und dachte: Für das, was du da schreibst, sind 8 Punkte eigentlich zu viel. Liegt wohl daran, dass das Buch mich schon berührt und gefesselt hat – trotz aller Kritikpunkte. Das ist ja irgendwie auch zu würdigen bzw. schlägt sich in der Punktevergabe nieder. Bei mir zumindest.

  • Hinterlasse eine Antwort

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

    *

    Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>