Originaltitel: One day 
Genre: Liebesromane
Verlag: Kein & Aber (2oo9)
Übersetzung: Simone Jakob
ISBN: 9783036955421
Seiten: 541
Website des Autors: www.david-nicholls.de
Kurzbeschreibung
20 Jahre. 2 Menschen. 15. Juli 1988. Emma und Dexter, zwei eigentlich füreinander bestimmte Menschen, begegnen sich mit zwanzig zum ersten Mal. Schon am nächsten Tag trennen sich ihre Wege. Wo werden sie am 15. Juli ein Jahr später sein und wo das Jahr danach? Werden sie zusammenkommen?
»Und – was ist mit Ihnen passiert?«
»Das Leben. Das Leben ist passiert.« (Seite 378)
Rezension
15. Juli 1988: Nach der Collageabschlussfeier landen Dexter Mayhew und Emma Morley miteinander im Bett. Obwohl die beiden Zwanzigjährigen unterschiedlicher nicht sein könnten und jeder am nächsten Morgen in ein komplett neues Leben starten wird, beschließen sie, Freunde zu werden – was ihnen trotz zwischenzeitlicher Funkstille auch tatsächlich gelingt.
Über zwei Jahrzehnte hinweg darf der Leser die Höhen und Tiefen dieser Freundschaft nun verfolgen. Jahr für Jahr gewährt uns der Autor jeweils am 15. Juli einen Einblick in das Leben der beiden Hitzköpfe, lässt uns ihre Sehnsüchte nachempfinden, ihre Freude teilen und mehr als einmal ihre Fehler verfluchen, die das so sehr gewünschte Happy End immer wieder verhindern.
Genau diese Fehler sind es allerdings, die das Buch so realistisch machen. »Zwei an einem Tag« ist keine rosarote Herzschmerzromanze im Stile von Pilcher oder Sparks, sondern eine erstaunlich kitschfreie und dennoch warmherzige, kluge Geschichte, wie sie sonst eigentlich nur das Leben schreibt. Und da läuft bekanntlich nicht immer alles so, wie man es gerne hätte.
Auch Emma und Dexter sind keine perfekten Romanhelden, die sämtliche Erwartungen des Lesers umgehend erfüllen. Beiden spielt das Leben immer wieder übel mit, überhäuft sie mit Problemen und Sorgen, die man nur allzu oft wiedererkennt.
Die spröde, intelligente Emma muss viel zu schnell erleben, wie ihre früheren Ideale auf der Suche nach ihrem Platz im Universum bald schon in Vergessenheit geraten und dass auch ein ausgezeichneter Abschluss und eine sichere Beziehung keine Garantie für ein glückliches Leben sind.
Dexter wiederum ist zwar weniger gescheit, weiß sich dafür aber gut zu verkaufen. Der charmante Frauenheld aus gutem Elternhaus führt zunächst ein aufregendes Jet-Set-Leben, doch auch Spaß und Erfolg können seine innere Leere nicht füllen; ebenso wenig wie Alkohol und Drogen, die ihn nach und nach zu zerstören drohen.
Es mag an der ausführlichen Beschreibung der Charaktere liegen oder an der Tatsache, dass man knapp zwanzig Jahre ihres Lebens miterlebt. Was auch immer der Grund dafür ist, ich habe mich Romanfiguren selten so nah und verbunden gefühlt wie Dexter und Emma. Ihr – immer wieder überraschendes – Schicksal wird so intensiv und einfühlsam geschildert, dass es schwer vorstellbar ist, dass diese beiden Figuren tatsächlich nur auf dem Papier existieren.
So habe ich jede einzelne der eng bedruckten 541 Seiten – auch dank der angenehmen, fließenden Sprache des Autors – geradezu inhaliert, die Charakterstudien und die tragische, wunderschöne Liebesgeschichte genossen und irgendwo im letzten Drittel angefangen, Rotz und Wasser zu heulen. So sehr, dass ich das Buch lieber nicht weiter in der Bahn lesen wollte, sondern die Lektüre auf den Feierabend zu Hause verschoben habe, damit niemand sieht, dass ich schon wieder verstohlen zum Taschentuch greife.
Trotzdem habe ich jeden Moment mit dem Buch ausgekostet und hatte am Ende, als sich der Schluss nicht länger herauszögern ließ, das Gefühl, zwei sehr gute Freunde zurücklassen zu müssen.
FAZIT: Pointiert, leicht und zugleich schwermütig, amüsant und gleichzeitig tieftraurig. Eine der schönsten, wenn nicht gar die schönste Liebesgeschichte, die ich je gelesen habe und die mich über die letzte Seite hinaus noch lange Zeit beschäftigt hat.





13 Comments
Ganz tolle Rezi…klingt regelrecht danach, dass ich das Buch haben muss
Allerdings werde ich mir das Buch eher auf englisch anschaffen…das HC ist mir eindeutig zu teuer!
Klingt gut. Von Nicholls hab ich bislang nur “Keine weiteren Fragen” gelesen und hätte den Hauptdarsteller phasenweise mit dem Kopf gegen die Wand hauen können, trotzdem (oder gerade deswegen) tolles Buch. Aber das hier klingt noch weit besser.
Deine Rezension hat mein Interesse geweckt und das Buch werde ich auf meine to-read-Liste setzen. Viele Grüße
@ Katha
Ich würde ja sagen, dass das Buch jeden Cent wert ist, aber abgesehen von der Preisersparnis ist es sicher nicht verkehrt, das englische Original zu lesen.
@ stiller
Dann werde ich doch mal einen Blick riskieren und mir ‘Keine weiteren Fragen’ ansehen…
@ natira
Das freut mich! Mich hat das Buch wirklich umgehauen und ich freu mich jedes Mal, wenn ein Kunde auf der Arbeit Interesse daran meldet.
Ich hab’s heute in der Stadtbibliothek zurücklegen lassen, das HC ist mir auch noch viel zu teuer. Bei der Suche habe ich Die Einsamkeit der Primzahlen entdeckt und auch gleich zurücklegen lassen. Bin schon sehr gespannt!
So long,
Corinna
Hallo Nina,
muss mich anschließen, eine wirklich tolle Rezi, die richtig richtig richtig Lust aufs lesen dieses Buches macht … mhhh, da wird sich mein SUB aber nicht freuen
.
Viele Grüße
Sandra
Deine Rezi macht mir gerade Lust, das Buch zum zweiten Mal zu lesen. Es war wirklich einfach wunderschön. Leider habe ich es gerade schon zum zweiten Mal verliehen. Weil ich immer so begeistert davon erzähle.
Liebe Grüße
Emily
Danke für die Blumen! Ich hatte nach der langen Pause schon befürchtet, dass ich schreibtechnisch erstmal Anlaufschwierigkeiten haben könnte…
@ Corinna
Das Primzahlenbuch spring mir auch immer wieder ins Auge. Muss ich mir mal genauer ansehen.
ich habe das buch auf english gelesen und fand es ebenfalls wunderschön, verstohlene tränen über das unfaire ende inklusive … “keine weiteren fragen”, auch von nicholls, fand ich nicht schlecht. im grunde ein ganz gelungenes und lustiges buch. im direkten vergleich zu “zwei an einem tag” aber eindeutig der verlierer.
Wow, wirklich eine super Rezension! Auch ich habe das Buch im vergangenen Jahr auf englisch gelesen und es ist sofort zu einem meiner absoluten Lieblingsbücher geworden. Deine Rezension gibt haargenau meine Empfindungen wieder – auch ich habe wahnsinnig mit den Charakteren mitgefiebert und hatte zum Schluss das Gefühl, zwei Freunde verlassen zu müssen…
Super eingefangen von dir! Und schön, dass du die Rezi nochmal verlinkt hast – lese zwar inzwischen schon eine ganze Weile mit, aber wohl noch nicht seit letztem November, denn diese Rezension hatte ich bisher verpasst
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