[Rezension] Sedgwick, Marcus - Das Buch der toten Tage
Originaltitel: The Book of Dead Days 
Genre: Jugendliteratur
Reihe: Boy & Willow (1)
Verlag: Dtv (2007)
Übersetzung: Friedrich Kur
ISBN: 9783423622943
Seiten: 317
Website des Autors: www.marcussedgwick.com
Kurzbeschreibung
Boy, ein Junge ohne Namen und Vergangenheit, ist Assistent des launischen, aber genialen Magiers Valerian. Als sein Herr immer unberechenbarer wird, ahnt Boy, dass er vor etwas unvorstellbar Fürchterlichem Angst hat. Boy hat Recht: Valerian hat einen verhängnisvollen Pakt mit den Mächten des Bösen geschlossen. Nur das mysteriöse Buch der toten Tage kann ihn jetzt noch retten.
Rezension
Jetzt, in den wenigen Tagen, bevor das neue Jahr anbrach, herrschte eine Art Ruhe vor dem Sturm. (Seite 134)
Bevor der mysteriöse Valerian ihn unter seine Fittiche genommen hat, lebte Boy auf der Straße. Nun hat der namenlose Junge als Famulus des Magiers zwar ein Dach über dem Kopf, aber ein glückliches Leben ist ihm dennoch nicht vergönnt, denn sein exzentrischer Meister behandelt ihn wie einen Leibeigenen.
Gegen Ende des Jahres wird Valerians Verhalten immer merkwürdiger. Der große Magier scheint sich vor etwas zu fürchten. Und tatsächlich: Valerian hat einen Pakt mit dem Bösen geschlossen. Ihm bleiben nur noch wenige Tage, um ein magisches Buch zu finden, das sein Leben retten könnte. Gemeinsam mit Boy und dem Waisenmädchen Willow begibt er sich auf eine schaurige Suche, die sie immer weiter in die Dunkelheit führt…
Zeitlich spielt das Buch während der so genannten toten Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr, in einer unbenannten Epoche, in der elektrisches Licht noch eine seltene Ausnahme ist.
Auch ein genauer Handlungsort wird dem Leser nicht verraten, jedoch erzählt der Autor im Vorwort, dass er sich von den Pariser Katakomben, dem Kanalsystems Bolognas und den Krakauer Friedhöfen inspirieren ließ und so ist der Schauplatz der Geschichte eine gelungene Mischung aus den genannten Orten, deren morbider Anstrich für eine gruselige Grundstimmung sorgt.
Hinzu kommen blutige Morde und die Frage, ob der undurchsichtige Valerian nur ein geübter Illusionist ist, der auf der Bühne mit Täuschungen und Tricks arbeitet, oder ob er tatsächlich über magische Fähigkeiten verfügt, so wie es manches Mal den Anschein hat. Ohnehin sind er und sein ehemals guter Freund Kepler, Naturphilosoph und Astrologe, die interessanteren Figuren in dem Roman.
Die etwa 15jährigen Boy und Willow, zwischen denen sich schnell zarte Bande entwickeln, sind zwar durchaus sympathisch und wecken das Mitgefühl des Lesers, bleiben als eigentliche Hauptfiguren aber noch etwas blass.
Auch der Plot ist anfänglich nicht allzu komplex. Zwar werden schnell einige Fragen aufgeworfen, Hinweise für mögliche Entwicklungen werden aber erst gegen Ende gestreut. Bis dahin verfolgt man eine etwas eigentümliche, dafür aber wunderbar gruselige Suche nach dem rätselhaften Buch der toten Tage, die in einem dramatischen Kampf unter der Erde gipfelt, bei dem sich die Ereignisse etwas überschlagen und man leicht den Überblick verliert, wer denn nun gut, und wer böse ist.
Neben der düsteren Atmosphäre und der Kürze der Kapitel ist es vor allem der anschauliche Schreibstil, der dazu beiträgt, dass sich das Buch sehr zügig lesen lässt. Zum Ende hin geht es dann aber etwas zu schnell, denn die Morde bleiben ungeklärt und auch Boys Herkunft sowie die Absichten diverser Figuren werden wohl erst in der Fortsetzung, die 2oo7 unter dem Titel »Bei Einbruch der Nacht« erschienen ist, näher beleuchtet.
FAZIT: Ein kurzes Abenteuer für zwischendurch, das vom Gruselfaktor sicherlich auch für Erwachsene geeignet sein dürfte.
