[Rezension] Lorenz, Wiebke – Allerliebste Schwester

Originaltitel: -
Genre: Sonstige Belletristik
Reihe: -
Verlag: Blessing (2o1o)
Übersetzung: -
ISBN: 9783896674104
Seiten: 448
Website der Autorin: www.wiebke-lorenz.de

Kurzbeschreibung

Drei Jahre ist es her, dass Eva ihre Zwillingsschwester verlor, unter Umständen, die nie ganz aufgeklärt worden sind. Danach nahm Evas Leben eine von vielen als ungeheuerlich empfundene Wendung: Sie heiratete den Witwer, den Ehemann der verstorbenen Marlene. Allmählich haben sich die Menschen in ihrer Umgebung an dieses Arrangement gewöhnt. Doch ihr selbst kommt es wie ein Frevel vor, und als sie eine Totgeburt erleidet, empfindet sie diese als Strafe dafür.
Eva droht allen Halt zu verlieren, bis eines Tages in der Buchhandlung, wo sie als Aushilfe arbeitet, ein Mann auftaucht, der ihre Schwester gekannt hat. Auf sonderbare Weise fühlt sie sich zu diesem Unbekannten hingezogen und glaubt, dass er ihr helfen kann, das Rätsel um Marlenes Tod zu lösen.

Rezension

Nach dem plötzlichen Tod ihrer Zwillingsschwester Marlene beschließt Eva, das Leben ihrer Schwester für diese weiterzuleben und schlüpft kurzerhand einfach in Marlenes Rolle: Sie übernimmt Marlenes Job in einer kleinen Buchhandlung. Und heiratet Marlenes Mann Tobias!
Nach anfänglichem Entsetzen haben sich drei Jahre später alle mit der neuen Situation abgefunden und Eva und Tobias scheinen glücklich. Doch dann verliert Eva ihr Kind und plötzlich bricht alles um sie herum zusammen…

Mit »Allerliebste Schwester« hat Wiebke Lorenz, die als Teil des Autorenduos Anne Hertz eigentlich für ihre romantischen Komödien bekannt ist, ein Psychodrama geschrieben, das den Leser gnadenlos hineinzieht in einen Strudel aus verstörenden Emotionen und menschlicher Abgründe.
So abwegig die Ausgangssituation auf den ersten Blick auch anmutet, mit jeder weiteren Seite erfährt man mehr über Evas Charakter und ihre Beweggründe. Auch wenn man ihr Handeln vielleicht nicht befürwortet, so kann man doch nachvollziehen, was sie zu dieser Heirat veranlasste.
Mit ihrer Hauptfigur ist der Autorin ein Glanzstück an Charakterzeichnung gelungen. Man spürt förmlich, wie zerrissen Eva ist. Mal ist sie die starke Frau, die sich nimmt, was sie will. Mal ist sie völlig am Boden. Rückblenden in eine Kindheit voller Ungerechtigkeit und Gewalt beleuchten nicht nur das Verhältnis zu ihrer Schwester, sondern tragen noch zu der ohnehin sehr beklemmenden Atmosphäre der Geschichte bei, die mich beim Lesen hin und wieder zu Pausen zwang. So eindringlich erzählt die Autorin und lässt ihre Leser mit Eva leiden – und fürchten, worauf sie da so zielstrebig zusteuert.

Leider ist es Wiebke Lorenz aber nicht gelungen, das hohe Niveau bis zum Ende zu halten. Das letzte Drittel enttäuscht durch eine abrupte Verlangsamung des Erzähltempos, die fast schon wie ein Bruch in der Geschichte wirkt. Zudem ist das Ende in einem Punkt nur wenig überraschend und riecht in einem anderen viel zu sehr nach Hollywood, was so gar nicht zu der ansonsten großartigen Geschichte passt.
Darüber hinaus habe ich mich besonders zum Schluss hin an den Gesprächen Evas mit Marlene gestört, denn während diese zunächst noch als Wahnvorstellungen interpretiert werden können, enthalten sie mit der Zeit immer mehr Informationen, über die eigentlich nur Marlene selbst verfügen kann. Das kann man zwar als dichterische Freiheit abtun, aber ich persönlich habe mich leider sehr daran gestört.

FAZIT: Eine Frau auf der Suche nach ihrer Identität. Über 2/3 hinweg nahezu brillant, am Ende leider enttäuschend.

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5 Responses to [Rezension] Lorenz, Wiebke – Allerliebste Schwester

  1. Der Plot klingt echt gut, erinnert mich von der Tragik her irgendwie an Beim Leben Meiner Schwester. Das Cover finde ich auch total schön (ich hoffe der Apfel spielt eine Rolle in dem Buch), aber der Titel klingt irgendwie ziemlich kitschig und wie ein Sweet Sixteen Buch (… moment, ich glaube, es gibt sogar so ein Teeniebuch mit diesem Titel, das ich mit 12 mal gelesen hab xD).

  2. Nina sagt:

    Hmm, an »Beim Leben meiner Schwester« hätte mich das Buch jetzt so gar nicht erinnert, wobei es natürlich schon tragisch ist. Anders halt. Aber tragisch. :mrgreen:
    Der Apfel spielt – da muss ich dich enttäuschen – keine Rolle. Ehrlich gesagt frage ich mich gerade, warum er überhaupt für das Cover genommen wurde. Vielleicht, weil man bei einem Apfel an Gift denkt und sich die negativen Emotionen wie Gift einschlei… Na, ich will da mal lieber nicht zu viel reininterpretieren.
    Der Titel gefällt mir übrigens ganz gut, v.a. ist er auch sehr passend gewählt. Es gibt nämlich eine gleichnamige Geschichte von Astrid Lindgren, die in dem Roman auch eine nicht unwesentliche Rolle spielt, da in es dort ebenfalls um Zwillingsschwestern geht.

  3. Emily sagt:

    Apfel vielleicht weil: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Halber Apfel, weil die mit der verstorbenen Zwillingsschwester die Hälfte fehlt. Ohne das Buch gelesen zu haben, einfach mal wild spekuliert.

  4. Nina sagt:

    Hihi, gar nicht schlecht eigentlich. ;)

  5. Mareike sagt:

    Ich habe von Wiebke Lorenz diesen Sommer “Was? Wäre? Wenn?” gelesen und das fand ich richtig toll. War aber auch eher etwas Lustiges, im Gegensatz zu diesem… da werd ich mir noch mal überlegen, ob ich das wirklich haben will.
    Aber: wieder was gelernt, dass Wiebke Lorenz eine Hälfte von Anne Hertz ist, wusste ich gar nicht. :)
    Lieben Gruß

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