[Rezension] Thiesler, Sabine – Die Totengräberin

Originaltitel: -
Genre: Thriller
Reihe: -
Verlag: Heyne (2o1o)
Übersetzung: -
ISBN: 9783453434684
Seiten: 512
Website der Autorin: -

Kurzbeschreibung

Wenn einer den anderen betrügt, ist das Leben zu Ende. Das hat sie schon als Kind gelernt. Und deshalb steht ihr Entschluss fest: Sie kann ohne ihn nicht leben, aber sie kann vor allem mit ihm nicht mehr leben. Es ist ein warmer Sommermorgen in der Toskana. Heute soll er sterben. Sie hat alles vorbereitet, er wird nichts spüren. Jedenfalls nicht in den ersten Minuten.

Rezension

Bereits in früher Kindheit hat Magda gelernt: Wenn einer den anderen betrügt, ist das Leben zu Ende. Deshalb muss ihr Gatte Johannes, der seit wenigen Monaten eine Affäre mit Carolina hat, sterben. Und so endet der – zumindest aus seiner Sicht – als Versöhnungsurlaub geplante Aufenthalt in ihrem Ferienhaus in der Toskana für Johannes im Gemüsebeet. Nach den ersten 50 Seiten liegt er mausetot unter einem hübschen kleinen Olivenbaum begraben.
Bis dahin – und nur so viel hatte der Klappentext ja auch über die Handlung verraten – war ich der festen Überzeugung, einen gut geschriebenen, spannenden Thriller in den Händen zu halten. Zügig zu lesen, mit interessanter Ausgangslage und durch gelegentliche Einschübe italienischer Sätze mit einem Hauch südländischen Flairs.

Ich hatte mich getäuscht. Zwar blieb der Schreibstil durchweg angenehm und auch vor unnötigen Längen blieb ich verschont, jedoch konnte die weitere Geschichte leider nicht halten, was der starke Anfang versprach.
Vielmehr bot sich mir letztlich eine eindimensionale Kriminalgeschichte, die einzig durch ihre unglaublich unglaubwürdigen Charaktere überraschen konnte; angefangen bei der Hauptfigur, die im einen Moment völlig kaltblütig den Mord an ihrem Mann zu vertuschen versucht, indem sie ihn als vermisst meldet und fälsche Fährten legt, und im nächsten Augenblick selbst eine verzweifelte Suchaktion startet.
Denkt man am Anfang noch, dass sie ihre Rolle als besorgte Ehefrau erstaunlich gut spielt, wundert man sich nach und nach über immer mehr Ungereimtheiten – bis man erfährt, dass Magda einfach ganz plötzlich von einer Seite zur nächsten eine schwere Geisteskrankheit entwickelt hat, die sie glauben lässt, Johannes wäre tatsächlich spurlos verschwunden.
Wenige Rückblenden in Magdas Vergangenheit sollen hierfür zwar eine Erklärung liefern, bieten aber kaum eine Grundlage. Ebenso wenig wie das Drama um ihren Sohn, das auf wenigen Seiten abgehandelt wird und höchst unrealistisch wirkt.

Doch Magda ist nicht die einzige Person, deren Verhalten nicht nachvollziehbar ist. Es fängt schon bei ihrer Chefin in der Apotheke an und zieht sich bis hin zu ihrem Schwager, der seit fast 20 Jahren in sie verliebt ist und auf die Tatsache, dass seine Traumfrau ihn plötzlich mit ihrer großen Liebe verwechselt, alles andere als normal reagiert. Er spielt das Spiel nämlich einfach mit. Nutzt seine Chance. Vermisster Bruder hin oder her. Aber Menschenleben sind sämtlichen Figuren in diesem Roman ohnehin nichts wert.
Die Polizeiarbeit ist – auch für italienische Verhältnisse – gänzlich unrealistisch beschrieben und der mit dem Fall beauftragte Commissario ist in seiner Unfähigkeit so überzeichnet, dass er fast schon lächerlich wirkt. Der plötzlich auftretende Erpresser wird zwar ausführlich als ganz schön Fieser vorgestellt, treibt den Puls aber auch eher dadurch in die Höhe, dass man sich über ihn ärgert. Schließlich sollte er doch eigentlich für ein bisschen Spannung sorgen. Dass er wie alle anderen nur falsche Vermutungen anstellt, während der Leser die Lösung schon längst kennt, macht die Sache auch nicht besser.

FAZIT: Es bleiben ein süffiger Erzählstil und eine interessante Idee, die vermuten lassen, dass die Autorin es eigentlich besser kann – insgesamt aber nicht genug für ein gutes Buch.

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4 Responses to [Rezension] Thiesler, Sabine – Die Totengräberin

  1. Karla sagt:

    Hach, da kann ich Dir nur zustimmen. Ich habe mich damals beim Lesen richtig geärgert und konnte es kaum fassen, dass der Verlag da nicht auch noch ein bisschen nachgebessert hat. Unglaubwürdig und immer unglaubwürdiger wird es und so gut die Handlung zusammen gefasst klingt, so schlecht entwickelt es sich gen Schluss hin. Schade, denn hier hätte ein wirklich guter Psychothriller entstehen können!
    Naja, auf zum nächsten Buch! :-)

  2. Nina sagt:

    Ich verstehe auch nicht, was da schief gelaufen ist, denn eigentlich hatte ich nur Gutes über die Autorin gehört und als ich es dann täglich im Laden vor der Nase hatte und der Klappentext so gut klang, dachte ich mir, ich versuche es mal.
    Aber das war nun wirklich nichts. Zwischendurch habe ich mich genau wie du richtig darüber geärgert.

  3. Kerstin sagt:

    Ich schließe mich euch an. Hatte das Buch aus der Bücherei ausgeliehen und ich fand es einfach nur, wie Karla schon schreibt, unglaubwürdig und es wurde zum Schluss hin immer schlimmer. War leider auch so gar nicht mein Fall :)

  4. Cleo sagt:

    Wie schon bei Twitter gesagt, wieder ein Buch weniger, das auf den SuB wandert… Der Klappentext und Beschreibung klingen so toll, aber bei den durchweg schlechten Kritiken und spätestens nach Deiner (der Anfang klang ja noch ganz gut…) lass ich’s doch lieber sein. Vielen Dank für die Rezension!

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