Originaltitel: -
Genre: Jugendliteratur
Reihe: -
Verlag: Heyne (2o1o)
Übersetzung: -
ISBN: 9783453266612
Seiten: 560
Website des Autors: www.christoph-marzi.de
Kurzbeschreibung
Es waren einmal zwei Schwestern, die lauschten allabendlich den Worten ihres Vaters: “Mädchen, weicht vom Wege nicht!” Doch die Jahre vergingen, die eine Schwester starb und die andere vergaß Rotkäppchen. Bis sich das Märchen an einem stürmischen Herbsttag mit aller Macht bei der siebzehnjährigen Vesper Gold zurückmeldet.
Plötzlich geschehen seltsame Dinge in Hamburg: Ein Wolf streift durch die Stadt, Kinder fallen in einen rätselhaften Tiefschlaf. Und Vesper allein hält den Schlüssel zu einem düsteren Geheimnis in Händen, das bis zu den Brüdern Grimm zurückreicht.
Rezension
Seit der Scheidung ihrer Eltern – einem erfolgreichen Regisseur und einer weltweit gefeierten Konzertpianistin – lebt die 17jährige Vesper Gold in ihrer eigenen kleinen Wohnung in Hamburg. Abgesehen von den typischen Problemen, die man als Teenie, der nicht mit dem Strom schwimmen will, eben so hat, kann sich Vesper nicht beklagen – bis sie plötzlich innerhalb weniger Tage beide Elternteile verliert, sämtliche Kinder auf Erden in einen Tiefschlaf fallen und die Erwachsenen von grausamen Albträumen heimgesucht werden.
Mithilfe des Studenten Leander Nachtsheim, (k)einer Zufallsbekanntschaft, macht Vesper sich auf die Suche nach der Lösung des Rätsels und stößt auf einen mysteriösen Geheimbund, deren Mitglieder gnadenlos verfolgt werden…
Es war einmal eine Zeit, da gehörte Christoph Marzi zu meinen Lieblingsautoren. Weil er so fantasievolle Geschichten schrieb und mich mit seinem eigenwilligen, poetischen Stil von der ersten bis zur letzten Seite verzauberte. Wie gesagt, das war einmal.
Heute kann ich mit Beschreibungen wie »ein schneller Schmerz aus Zähnen im Eis« oder Vergleichen wie »wie wütende Eiskristalle im sterbenden Schnee« nicht mehr viel anfangen. Wallendes Greisenhaar, ein junger Mann, der »mit beschwingtem Schritt aus einem Raum latschte« oder ein Boot, »das einzige [...], das verlassen auf dem tiefgrauen Wasser schaukelte und einsam, ziellos und verlassen wirkte«… Es mag Absicht gewesen sein, aber mich haben diese Stilblüten reichlich irritiert.
Auch die Charaktere – so schön ihre Namen auch klingen – blieben mir fremd. Zu Beginn war mir Vesper mit ihrer rebellischen Art und der frechen Schnauze zwar durchaus sympathisch. Doch dann tauchte Leander auf und knackte ihre harte Schale mit albernen Sprüchen und einer unzähmbaren Lockentolle.
Und so richtig und wichtig es auch ist, dass man sein Lachen nicht verliert – in manchen Situationen (Tod der Eltern, Bedrohung der Menschheit etc.) ist ständiges Kichern vielleicht nicht ganz die angemessene Reaktion. Mal abgesehen davon, dass jede noch so wilde Verfolgungsjagd an Spannung verliert, wenn die beteiligten Figuren währenddessen ständig Smalltalk betreiben.
Doch es ist nicht alles schlecht in »Grimm«, nein. Es gibt viele (teils recht originelle) Anspielungen auf bekannte Märchen und Mythen, kleine, bezaubernde Geschichten in der Geschichte… Nur die Geschichte selbst ist eben etwas flach, die Idee hinter der Rebellion der Märchenfiguren gut, die Auflösung allerdings zu knapp und das Ende höchst unnötig hochdramatisch. Das ganze Konstrukt wirkte auf mich halbfertig, zu wenig durchdacht.
Erstaunlich auch, dass Christoph Marzi sich nicht an seine eigenen, eigentlich ganz einfachen Regeln hält. Denn, wie hieß es noch in seinem Erstlingswerk? »Die Hölle ist die Wiederholung.« Warum lässt der Autor seine Leser dann aber erneut auf verängstigte Kinderscharen und Spiegelscherben treffen, die wir aus der Uralten Metropole doch bereits kennen?
Große Schrift, kurze, abgehackte Sätze und Absätze, die manchmal nur aus einem einzigen Wort bestehen, bekräftigen den Eindruck, dass hier eine Geschichte, die durchaus ausbaufähig gewesen wäre, künstlich aufgebauscht wurde.
FAZIT: Ein Mädchen, das anders ist. Ein Junge, der sich verliebt. Ein undurchsichtiger Mentor. Eine geheime Gesellschaft. Früher die Zutaten für mein literarisches Leibgericht, an dem ich mich mittlerweile leider satt gegessen habe.
Nach »Somnia« und »Lyra« nunmehr der dritte enttäuschende Marzi und damit mein vorerst letzter.






Somit habe ich auch meine Interesse an Grimm verloren. Deine Kritikpunkte wären genau das, was mir auf den Keks gehen würde. Ich werde das Buch irgendwann mal selber lesen… aber definitiv nicht jetzt, das kann noch warten!
Es hieß ja früher schon, dass Christoph Marzi wenig eigenes in seine Geschichten einbringt und sich zu stark an anderen Autoren (z.B. Neil Gaiman) orientiert. Das hat mich bei »Lycidas«, »Lilith« und »Lumen« aber nicht gestört. In »Somnia« fielen mir die vielen Wiederholungen dann zum ersten Mal negativ auf. Von »Heaven« war ich allerdings wieder so begeistert, dass ich »Somnia« für einen Ausrutscher hielt. Aber »Lyra« war dann so lasch, dass ich es bis heute nicht beendet habe.
Ich liebe es zwar, wenn Autoren Mythen und Sagenfiguren in ihre eigenen Geschichte einbauen, aber wenn ich z.B. die Bücher von Kai Meyer mit denen Marzis vergleiche, dann liegen dazwischen einfach Welten.
Hallo (:
Oh, das klingt ja gar nicht so gut. Grimm hatte mich schon die ganze Zeit total interessiert, aber jetzt bin ich schon ein wenig verunsichert! Mal sehen! Allerdings habe ich auch erst ein Buch von Marzi gelesen, vielleicht ändert das ja etwas
Finde deinen Blog total schön und habe dir deine Bewertungsherzen für meinen Blog geklaut >
… Ich hoffe, das ist okay!
Liebe Grüße,
Marie
“Somnia” fand ich eigentlich ganz gut, aber vielleicht mag das auch daran gelegen haben, dass ich zu der Zeit erst mit Marzis Büchern angefangen hatte und somit noch ganz “drin” war.
Mal sehen, “Grimm” liegt eh schon auf dem SUB, das werde ich dieses Jahr sicherlich noch lesen.
Hallo Marie,
freut mich, dass dir mein Blog gefällt! Aber die Herzchen, also, das sind meine. Ich hab damals schon die Sternchen zur Benutzung weitergegeben, aber die Herzchen, die mag ich nicht teilen. Tut mir leid, aber ich möchte da was Individuelles haben und so Herzen sind ja ganz schnell selbst gemacht, wenn du welche möchtest. Ich erkläre dir auch gerne, wie das geht, okay?
Alles klar, tut mir Leid. Wäre lieb, wenn du mir eklärst, wie man die macht (:
Liebe Grüße,
Marie
@ Katha
Vielleicht kannst du ja mehr damit anfangen. Vielen anderen hat das Buch gut gefallen. Abgesehen von meiner habe ich noch keine negative Besprechung entdeckt.
@ Marie
Ich mail dir.
Kein Problem!
Hach, das war ne super Rezension, Nina, die hab ich echt gern gelesen. Ich habe damals Lycidas angefangen und nie beendet (unter anderem wegen der Neil Gaiman Parallelen), die Stilblüten, die du da zitierst, bestätigen mich auf jeden Fall in dem Handeln nie wieder ein weiteres seiner Bücher gelesen zu haben.
Ooooookay, ich werd meine Zeit wohl nicht mit »Grimm« vertun. Du nennst einfach zu viele Dinge, die mich schon bei »Lyra« fürchterlich genervt haben, insofern glaube ich, dass mir Marzis aktuelles Buch ebenso wenig gefallen wird – zumal deine anderen Kritikpunkte mich definitiv zusätzlich nerven würden.
Ich glaube ich lass Grimm dann auch erst mal auf dem Wunschzettel und lese stattdessen erst Heaven, welches schon auf meinem SuB schlummert. So oder so wäre es mein erstes Buch von Marzi und da will ich nicht direkt eines der Schlechteren erwischen.
Danke für die Rezension
Oh man deine Rezension hat nun zur Folge, dass ich mir nicht mehr so sicher bin, ob ich Grimm lesen will.
Ich hab mich eigentlich drauf gefreut, dann aber doch noch nicht gekauft und nun….Das mit den Wiederholungen gefällt mir gaaar nicht. Ich hatte bisher das Glück, dass Mister Marzi mich noch nicht enttäuschen konnte, aber ich hab ja auch nur die Bücher gelesen, die du hier in den Kommentaren auch als gut befunden hast…
Nach solchen Rezensionen fühle ich mich ja immer ein bisschen schlecht. Diesmal besonders, weil ich Christoph Marzi am Anfang wirklich richtig richtig toll fand. Aber ich wundere mich echt über die ausnahmslos positiven Besprechungen. Haben die alle ein anderes Buch gelesen? Haben sie die Mängel überlesen? Sind die Mängel etwa nur Mängel nach meiner Definition von »Mangel«?
Ich weiß es nicht. Aber empfehlen kann ich das Buch leider wirklich nicht.
@ Nina: Ich denke, das liegt auch daran, dass für viele “Grimm” das erste Buch von Marzi ist. Bei Autoren, die ich schon öfter gelesen habe, liegen meine Erwartungen ja auch höher, als wenn es ein erster Roman ist z.B.
(Aber ich gebe zu, etwas gewundert hat es mich auch, aber vorallem da Marzis Bücher doch sonst immer so “umstritten” sind, selbst die Uralte Metropole hat nicht nur Fans)
@ Katha
Da könntest du recht haben. Das ist bei mir nicht anders.
Was die Besprechungen angeht… Ich habe eben eine 3-Sterne-Bewertung entdeckt, in der ebenfalls angesprochen wird, was ich kritisiere. Das hat mich in gewisser Weise schon etwas »beruhigt«.
Mich hat ja dein Tweet zu Grimm neulich schon nichts Gutes ahnen lassen, aber nun hab ich endgültig keine Lust das Buch zu lesen. Ich war auch von Somina mehr als nur enttäuscht (hab es wirklich teilweise nur quergelesen, damit ich durchkomme…) und dann nehme ich mir erstmal die Zeit für andere Bücher. Wobei ich im Dezember erst Heaven gelesen habe und das wirklich sehr schön fand.
Ich glaube, dass Autoren, von denen man schon viel gelesen hat, auch weit positivere Rezensionen bekommen, auch wenn ein Buch dann mal nicht so überzeugend ist. Vielleicht hängt das mit der Sympathie zum Autor zusammen?
Das ist gut möglich. Und ich mag Christoph Marzi ja auch. Seine Uralte Metropole gehört nach wie vor zu meinen LeseHighlights überhaupt und ich habe ihn auch schon auf einer Lesung erlebt und fand ihn sehr sympathisch. Aber deswegen kann ich ja nicht lügen, wenn mir ein Buch (mal) nicht gefällt.
Nina, mach dir bloß kein schlechtes Gewissen, weil deine Rezension mittelmäßig bewertet. Ich fand sie gut und es ist doch wichtig, dass du ehrlich bist. Wenn ein Autor Mist verzapft, muss er halt auch mit den Konsequenzen leben
Und es ist ja nicht so, dass du ihn persönlich angegriffen hättest. Fühl dich bloß nicht schlecht, weil dir ein Buch nicht gefallen hat!
Mit Christoph Marzi werde ich auch irgendwie nicht warm. “Grimm” steht zwar auf meiner Wunschliste, ist aber kein “Muss-ich-haben”-Buch…
Schöner Blog! Schaue nun gerne öfter vorbei.
Danke, das freut mich!
Ich mochte Christoph Marzi am Anfang sehr sehr gerne, aber leider konnte er mich auf Dauer einfach nicht überzeugen.