[Rezension] Eagland, Jane – Mein Herz so wild

Originaltitel: Wildthorn
Genre: historischer Jugendroman (ab 14)
Reihe: -
Verlag: Dtv (2o1o)
Übersetzung: Ingrid Weixelbaumer
ISBN: 9783423248396
Seiten: 446
Website der Autorin: www.janeeagland.com

Kurzbeschreibung

Je nachdrücklicher die 17-jährige Louisa ihre geistige Gesundheit beteuert, desto weniger glaubt man ihr – und desto schlimmer wird ihre Situation. Denn Louisa ist in einer Irrenanstalt gelandet. Warum, kann sie nur ahnen. Weil sie anders ist? Weil sie als Mädchen einen Beruf erlernen will – was im viktorianischen England einem Sakrileg gleichkommt. Und wer steckt hinter ihrer Einweisung? Diese Ungewissheit und die demütigenden Schikanen zermürben Louisa. Wäre da nicht die junge Pflegerin Eliza, würde Louisa sogar an Selbstmord denken.

Andere auf Geisteskrankheit hinweisende Faktoren, die mir von Außenstehenden mitgeteilt wurden:
Exzessives Bücherlesen und Studieren, welches zu einer Schwächung des Geistes führt.  Das Verlangen, Männer nachzuäffen, besessen vom Ehrgeiz, eine Ärztin zu werden.

- Seite 3o7 -

Rezension

England um 187o: Die 17jährige Louisa Cosgrove wird von zu Hause fortgeschickt, um fortan bei einer anderen Familie zu leben. Dort kommt sie jedoch nie an. Stattdessen liefert man sie in eine Irrenanstalt ein, in der man ihr weismachen möchte, dass sie in Wirklichkeit eine junge Frau namens Lucy Childs sei.
Zunächst glaubt Louisa noch an eine Verwechslung, aber jeder Versuch, den Irrtum aufzuklären, wird nur als weiteres Indiz für ihren kranken Geisteszustand gewertet…

Während dem Leser recht schnell klar ist, dass es sich hier um ein Komplott gegen Louisa handeln muss, reagiert Louisa selbst zu Beginn noch ziemlich unaufgeregt auf ihre missliche Lage und macht damit einen naiven und reservierten ersten Eindruck, der – lernt man sie im Laufe der Zeit besser kennen – eigentlich gar nicht zu ihr passt.
Regelmäßige Rückblenden im ersten Teil des Buches nehmen uns mit in Louisas Kindheit, wir lernen ihre strenge Mutter, den eifersüchtigen Bruder und ihren unkonventionellen Vater (einen Arzt) kennen. Louisa war schon immer ein aufgewecktes, intelligentes Mädchen, das Fragen stellt und ihrem Vater nacheifert. Sie träumt schon früh von einem Medizinstudium, liest alles, was sie in die Finger bekommt und macht kleinere Experimente.
Aber je älter sie wird desto deutlicher macht man ihr klar, dass sich ein solches Verhalten für eine Frau einfach nicht schickt. Hinzu kommt, dass Louisa Gefühle für ihre Cousine entwickelt und sich weigert, eine Ehe einzugehen, weil sie mehr von ihrem Leben erwartet und selbst über ihr Schicksal entscheiden möchte. Eine Einstellung, die damals schlichtweg undenkbar war.

Sätze wie der oben zitierte haben mich – ebenso wie die erniedrigende Behandlung der Patienten in der Irrenanstalt – sprachlos und wütend gemacht, zumal es damals wohl tatsächlich passierte, dass ungemütliche Personen, die sich den gesellschaftlichen Konventionen nicht anpassten, abgeschoben wurden. Besonders mit diesem Wissen im Hinterkopf hat mich Louisas Geschichte sehr bewegt und auch wenn ich ihr Handeln zu Beginn nicht immer nachvollziehen konnte, habe ich sie als starke und sympathische Figur empfunden. Ihr Leidensweg ist gut durchdacht, die Auflösung zufrieden stellend.
Sprachlich ist die Geschichte eher einfach gehalten, kurze Sätze und eine schnörkellose Erzählung erlauben ein zügiges Lesetempo.

Die Einbindung des Themas der gleichgeschlechtlichen Liebe schien mir auf den ersten Blick zu viel des Guten, hätten Louisas Wissensdurst und ihre ablehnende Haltung doch genügt um deutlich zu machen, dass sie aus dem gesellschaftlichen Rahmen fällt. Die sich entwickelnde Liebesgeschichte war dann allerdings so zart und glaubwürdig erzählt, dass ich mir einen anderen Verlauf gar nicht hätte vorstellen wollen. Ich kann nur hoffen, dass sich potentielle Leser nicht davon abschrecken lassen, denn es ist einfach eine rührende und schöne Liebesgeschichte, bei der nicht das Geschlecht der Figuren, sondern die Liebe an sich im Vordergrund stehen sollte.

FAZIT: Ein gut erzählter, bewegender historischer Jugendroman, der interessante Themen aufgreift. Jane Eagland werde ich ab sofort im Auge behalten.

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