[Rezension] Lo, Malinda – Ash

Originaltitel: Ash
Genre: Jugendroman (ab 12)
Reihe: -
Verlag: PAN (2o1o)
Übersetzung: Karin Dufner
ISBN: 9783426283448
Seiten: 268
Website der Autorin: www.malindalo.com

Kurzbeschreibung

Als Ashs Vater stirbt, zeigt die Stiefmutter ihr wahres Gesicht und beginnt, das Mädchen wie eine Sklavin zu behandeln. Wann immer Ash ihr entkommen kann, schleicht sie sich in die tiefen Wälder denn dort, so heißt es, suchen die betörend schönen Feenmänner nach Frauen, um sie als ihre Geliebten mit in ihr Reich zu nehmen. Obwohl dies ihren Tod bedeuten würde, erscheint es Ash doch besser zu sein als das trostlose Leben, zu dem sie verdammt ist. Doch dann ändert sich alles, als der Königssohn beginnt, Brautschau zu halten: Als sein Hofstaat auch in Ashs Dorf kommt, trifft sie einen ganz besonderen Menschen, der ihr Leben auf ungeahnte Weise verändert…

Rezension

Die junge Ash hat den plötzlichen Tod ihrer Mutter noch nicht verwunden, als ihr Vater erneut heiratet und kurz darauf ebenfalls stirbt. Zu allem Übel hat er ihrer Stiefmutter einen Haufen Schulden hinterlassen, die Ash nun abarbeiten muss. Das behauptet zumindest die Stiefmutter. Und so wird aus Ash – der einst behüteten Tochter eines Kaufmanns und einer Kräuterfrau – eine Dienstmagd, während ihre beiden Stiefschwestern die schönsten und teuersten Kleider tragen, um sich möglichst bald einen passenden Bräutigam angeln zu können.

Das kommt Euch bekannt vor? Kein Wunder. Ashs Name erinnert schließlich nicht zufällig an Aschenputtel. Ihre Geschichte ist ganz bewusst an das Märchen angelehnt. Auch der weitere Verlauf der Handlung (Besuche am Grab der Mutter, der rauschende Ball im Schloss inklusive Tanz mit dem Königssohn) orientiert sich stark an der Vorlage der Gebrüder Grimm. Mit dem Unterschied, dass Ash ihr Glück nicht in den Armen eines Prinzen findet, sondern in denen einer Frau. Hinzu kommen die fantastischen Elemente, die Malinda Lo in ihre Version des Märchens eingebaut hat.

So flüchtet sich Ash in ihrer Verzweiflung immer wieder in Aberglaube und Fabelgeschichten, die ihre Mutter, die noch fest an Feen glaubte, ihr als Kind erzählte. Auf einem ihrer Streifzüge durch den Wald trifft Ash dann tatsächlich auf einen Feenmann, den mysteriösen Sidhean. Obwohl er sich weigert, sie ins Feenreich zu überführen und so von ihrer trostlosen, irdischen Existenz zu erlösen, freunden sich die beiden an. Als Ash die königliche Hofjägerin Kaisa kennen lernt und Sidheans magische Hilfe in Anspruch nimmt, um Kaisa auf eine Jagd begleiten zu können, muss sie jedoch erfahren, wie gefährlich es ist, mit einem Feenmann Geschäfte zu machen…

Die Idee, das Märchen einmal neu zu erzählen und aus dem armen Aschenputtel eine starke junge Frau zu machen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt statt auf ihren Prinzen zu warten, hat definitiv ihren Reiz. Problematisch ist allerdings, dass den allermeisten Lesern die Handlung in den Grundzügen bekannt ist und so zieht sich gerade der Anfang ziemlich in die Länge, weil man ja genau weiß, dass zunächst einmal beide Elternteile sterben müssen, bevor es mehr oder weniger losgehen kann. Interessanter wird die Geschichte mit dem Auftreten von Kaisa im zweiten Teil, wirkliche Spannung kommt aber auch hier nicht auf. Ständig werden kurze Feensagen eingeschoben, die Ash liest oder erzählt bekommt. Diese zeugen zwar von der Fantasie der Autorin und sind durchaus nett zu lesen, gleichzeitig bremsen sie den Leser aber auch immer wieder aus.

Lange Zeit ist darüber hinaus unklar, welche Rolle Sidhean und die Feen eigentlich spielen. Dass Sidhean und Ash sich anfreunden, wird zwar erzählt, so richtig mitverfolgen darf man ihre Annäherung allerdings nicht. Ohnehin bleibt über die gesamten 268 Seiten stets eine gewisse Distanz zwischen dem Leser und den Figuren bestehen. Ich kann mir aber vorstellen, dass Malinda Lo dies beabsichtigt hat, da Märchenfiguren ja auch eher schablonenhaft angelegt sind, sodass ich ihr die etwas blassen Figuren nicht so recht übel nehmen mag, zumal sie nicht nur eine wunderbar düstere, märchenhafte Atmosphäre schafft, sondern auch die Liebesgeschichte zwischen Ash und Kaisa sehr feinfühlig und in absolut richtigem Maß erzählt. Am Ende griffen dann auch die beiden Handlungsstränge besser ineinander als ich anfangs erwartet hatte, sodass ich in diesem Punkt wieder versöhnt war, wenngleich ich mir eine etwas weniger simple Auflösung gewünscht hätte.

FAZIT: Malinda Los Debüt lediglich als »Märchen vom lesbischen Aschenputtel« zu bezeichnen, wird der Geschichte keinesfalls gerecht. Trotzdem fehlen insgesamt betrachtet einfach ein paar Höhen und Tiefen.

Tipp: Im April erscheint Huntress, der zweite Roman von Malinda Lo. Die Geschichte ist im selben Setting angesiedelt, es handelt sich jedoch nicht um eine direkte Fortsetzung. Wann die deutsche Übersetzung erscheint, steht meines Wissens noch nicht fest.

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6 Responses to [Rezension] Lo, Malinda – Ash

  1. Bin da ganz deiner Meinung. Die atmosphäre war echt gut erzeugt, aber die handlung kam unheimlich zäh u langweilig daher. Dafür war die Liebesgeschichte wirklich sanft erzählt… Nur dem feenmannn konnte ich so gar nichts abgewinnen.

  2. Nina sagt:

    Hast du denn vor, »Huntress« zu lesen? Ich glaube, Malindo Lo hat an sich wirklich erzählerisches Talent, deswegen bin ich gespannt, was sie aus einer Geschichte macht, deren Grundhandlung man vorher nicht kennt. Und ob die Charaktere dann auch so oberflächlich bleiben oder ob das in »Ash« wirklich Absicht war.

  3. Katha sagt:

    Mir ging es da ähnlich wie dir und ich glaube auch, dass Malinda Lo sicherlich Talent hat. Und wäre der Anfang von “Ash” nicht so langweilig/vorhersehbar gewesen, hätte es wirklich ein gutes Buch sein können. Mich reizt “Huntress” ja schon irgendwie…

  4. @Nina: Ich bin hin und hergerissen. Habe schon irgendwie Lust Huntress zu lesen, genau aus den Gründen, die da aufzeigst, aber ich hab auch Angst mich tierisch zu langweilen. Ich glaube ich werde es erst kaufen und lesen, wenn ich in der richtigen Stimmung dazu bin.

  5. Winterkatze sagt:

    Ich werde auf jeden Fall “Huntress” lesen, denn ich konnte mit der langatmigen Erzählweise in “Ash” schon was anfangen – und hoffe, dass sich die Autorin noch deutlich weiterentwickelt. ;)

  6. Sue sagt:

    Ich stimme dir auch zu ^^, obwohl mich der Anfang nicht wirklich gestört hat.
    Ich mochte die ruhige Stimmung sehr und auch die sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte hat schön gepasst.
    Ich muss aber gestehen, dass mich die Beziehung von Ash und Kaisa etwas überrascht hat *lacht* Weiß nicht, warum ;)

    Dank für den Tipp mit “Huntress”!
    Das hab ich gar nicht mitbekommen… Ich werde mir definitiv das Buch holen, mal sehen, wie das Buch dann wird.

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