Kurzbeschreibung
Eine verstümmelte Frauenleiche wird ans Havelufer geschwemmt, und Hauptkommissar Julius Kern steht vor einer neuen Herausforderung: Siebzehn Frauen hat der so genannte Schläfenmörder bereits ermordet, und die Opfer haben nur eines gemeinsam – eine Schlagwunde an der rechten Schläfe. Inmitten der schwierigen Ermittlungen erhält Kern einen anonymen Brief von einem alten Bekannten: Tassilo Michaelis, freigesprochener Massenmörder und Kerns Erzfeind, scheint Informationen zu besitzen, die Kern auf die Fährte des Schläfenmörders führen könnten. Doch er verlangt dafür einen hohen Preis …
Rezension
»Tassilo. Was für ein Vergnügen, Sie wiederzusehen!«
- Seite 213 -
Drei Jahre, nachdem er den Putzteufelfall zu den Akten legen konnte, bekommt es Hauptkommissar Julius Kern erneut mit einem Serienmörder zu tun, der eine blutige Spur durch ganz Deutschland zieht. 16 Frauen hat er bereits ermordet – jede auf eine andere grausame Art und Weise. Gemeinsam ist den Opfern lediglich eine Wunde an der rechten Schläfe, die der Mörder ihnen mit einem Hammer beigebracht hat.
Als in Berlin ein weiteres Opfer gefunden wird, wird Kern auf den Fall angesetzt. Zur Seite steht im Eva Fuchs, eine Fallanalytikerin vom LKA Bayern. Doch so sehr sie sich auch bemühen, lange Zeit treten die beiden bloß auf der Stelle. Nur der freigesprochene Psychopath Tassilo, der bei Kommissar Kern schon früher für schlaflose Nächte sorgte, scheint Licht ins Dunkel bringen zu können und spinnt die Fäden zu einem perfiden Spiel…
Eines muss man Vincent Kliesch lassen: Er schreibt verdammt spannende Bücher. Auch wenn die Identität des Mörders von Anfang an klar ist, gelingt es dem Autor immer wieder, seine Leser durch überraschende Wendungen zu fesseln und in die kranke Psyche eines Menschen eintauchen zu lassen, der skrupellos mordet und dabei gerne auch mal für eine ordentliche Sauerei sorgt. Leser mit empfindlichem Magen seien an dieser Stelle also gewarnt.
Wie schon in Die Reinheit des Todes nimmt sich Vincent Kliesch viel Zeit dafür, die Beweggründe seines Psychopathen zu schildern. Das gelingt ihm auch diesmal wieder hervorragend, jedoch bleibt sein Ermittler auch im zweiten Teil verhältnismäßig blass. Wird er auf den ersten Seiten noch als eine Art Superheld eingeführt, der mal eben eine Geiselnahme im Alleingang beendet und als einziger in der Lage scheint, den Schläfenmörder zu überführen, soll im Laufe der Handlung zwar auch seine unsichere Seite gezeigt werden; so ganz ist Vincent Kliesch der Versuch, Kern mehr Tiefgang zu verleihen, aber leider nicht geglückt. In Die Reinheit des Todes steckten Kern und seine Frau in einer schweren Ehekrise. Für Julius Kern liegt das drei Jahre zurück, nicht aber für den Leser. Wenn nun also eine fesche neue Kollegin daher kommt, die Kern Avancen macht, dann kann der gute Mann seinem bestem Kumpel noch so nachvollziehbar erklären, warum ihm die Anerkennung von Eva Fuchs gut tun. Als Leser denkt man trotzdem Was für ein Idiot!
Abgesehen davon kann man Vincent Kliesch aber kaum einen Vorwurf machen. Der Plot ist wahnsinnig spannend und logisch konstruiert und schreit – auch wenn der Schläfenmörderfall zufrieden stellend gelöst wurde – nach einer weiteren Fortsetzung. Man darf gespannt sein, in welches Umfeld Vincent Kliesch diese ansiedeln wird. Immerhin spielte Die Reinheit des Todes in der Gastronomie, in der Vincent Kliesch jahrelang arbeitete, und in Der Todeszauberer steht der Mörder Abend für Abend – wie der Autor selbst auch – auf der Bühne.
FAZIT: Stellenweise ist das Buch unnötig blutig und weist in manchen Punkten etwas zu deutliche Parallelen zum Vorgänger auf. Das macht Der Todeszauberer ganz sicher nicht zu einem schlechten Buch, kostet ihm – im Vergleich – aber ein Herz. Irgendwie hatten wir das halt alles schon mal. Dennoch ist es ratsam, Die Reinheit des Todes vorher gelesen zu haben, da sehr oft auf die Geschehnisse des ersten Teils Bezug genommen wird.
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Tolle rezi!
Ich mag das Cover gern leiden, aber ansonsten… naja, du kennst ja meine Meinung zum ersten Buch
Ich werd mir das zweite nicht zulegen.
Lg, Antje
Ich finde das Cover ja ein bisschen eklig. Diese blutigen Nägel… Wääh! Zumal ich da jetzt immer an eine Szene aus dem Buch denken muss. Es geht aber gerade noch. Es gibt Bücher, die würde ich schon alleine aufgrund des fiesen Covers nicht lesen.
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Oh, das erinnert mich daran, dass der erste Band noch auf meinem SUB liegt
Ich denke, sobald ich mein aktuelles Hörbuch (einen Thriller
) ausgehört habe, werde ich das mal lesen
Na ja, dass die Figuren (vor allem Kern) dieses Mal etwas blass geraten sind, liegt vielleicht daran, dass der Spannungsaufbau mit dem ersten Buch identisch ist. Nur der Aufbau, nicht die Geschichte, wohlgemerkt. Die Geschichte an sich hat mir ziemlich gut gefallen. Und dank meines blutlüsternden Gemüts war es mir auch nicht zu grausam oder brutal. Da ich “Die Reinheit des Todes” aber direkt davor gelesen habe, hat mich “Der Todeszauberer” nicht ganz so überzeugen können, weil die gleiche Masche (selbst der Showdown hatte das gleiche Tempo) so viel zu offensichtlich war. Ich bin mir aber auch sicher, dass Leute, die den ersten Teil schon im vergangenen Jahr gelesen haben, nun mit dem zweiten Band Freude haben können.
Das stimmt wohl. Dein Gemüt ist deutlich blutrünstiger als meins. Irgendwann traue ich mich wegen der Fotos nicht mehr auf dein Blog.
Ich denke, wenn ich die beiden Bücher direkt hintereinander gelesen hätte, hätte ich mich an der Ähnlichkeit wahrscheinlich auch mehr gestört (vgl. mein Linwood-Barcley-Erlebnis). So sind mir die Parallelen zwar aufgefallen (besonders auch mit Blick auf den Showdown), aber weil es trotzdem gut war, konnte ich sie Vincent Kliesch noch mal verzeihen. Beim dritten Mal bin ich dann aber wahrscheinlich strenger.
Was der Spannungsaufbau mit den Figuren zu tun haben soll, erschließt sich mir aber nicht ganz. Wie meinst du das? Es wäre ja trotzdem genug Raum geblieben, um Kern ein paar mehr Ecken und Kanten zu verleihen. Zur Not hätte man halt die Ampelaktion gleich zu Beginn weggelassen. Die fand ich nämlich fast schon ein bisschen albern.
Och komm, so schlimm sind die Fotos auf meinem Blog nun auch wieder nicht. Das neue Startbild ist wenigstens nicht ganz so blutig wie das davor. Und ein wenig brutal muss es schon sein, denn schließlich geht’s ja um Krimis und Thriller und nicht um Jugend- oder Liebesromane. Schlimmer wird es aber nicht mehr – versprochen.
Und nun noch ne Erklärung: Faktisch hat Kliesch seinen Figuren genau so viel Platz wie beim ersten Band gelassen – und zwar in einer ähnlichen Reihenfolge. Er hat also das Aufbaugerüst übernommen und nur leicht variiert (und dabei Figuren ausgetauscht – Meisner wurde zum Beispiel durch Dennis ersetzt). Was lediglich weggefallen ist, sind die Erinnerungen an Tassilos Tat. Dafür gibt es aber die Passagen mit der Kollegin aus Bayern. Jedenfalls hat Kern genau so viel Platz wie im Vorgänger. Nur kennt man ihn jetzt eben besser. Im ersten Band hat es ausgereicht, die zertüttete Ehe lediglich zu skizzieren, weil man sich als Leser viel besser etwas darunter vortsellen kann. Jetzt sieht das aber anders aus. Die beiden sind wieder zusammen, haben aber trotzdem noch ihre Probleme. Statt darauf genauer einzugehen, bleibt Kliesch da aber erneut an der Oberfläche kleben – wie bei Band 1, wo es ja funktioniert hat. Nur hier eben nicht. Wenn er da die Ampelszene gestrichen oder etwas anderes geschrieben hätte, wäre das Konzept vielleicht aufgegangen. Gut, er hat es ein wenig persönlicher werden lassen, weil jetzt auch Kerns Familie involviert ist. Aber das ist ja eigentlich nur ein billiger Trick, um den Leser emotional bei der Stange zu halten. Der einfache Schreibweg eben. Und das ist schade. Mal schauen, wie die Trilogie enden wird …
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