Brands in books. Yay or nay?

Gestern Abend habe ich The Making Of Us von Lisa Jewell beendet. Eine Rezension wird es geben, vorher möchte ich aber ein Thema ansprechen, das mich seit ein paar Tagen sehr beschäftigt: Brands in books, also die Erwähnung von Marken oder Produkten in Büchern.
Im aktuellen Roman von Lisa Jewell arbeitet eine Figur nämlich nicht etwa bei irgendeiner Modekette, sondern bei ZARA. Ihr Lippenstift ist von MAC. Eine andere Figur benutzt den Touch Éclat von YSL und tippt ihre mails auf einem MacBook. Da frage ich mich doch: Ist das wichtig? Oder einfach Product-Placement? Und ist das jetzt gut oder ist das schlecht?Ich kann mich erinnern, schon Rezensionen zu Romanen gelesen zu haben, in denen die explizite Nennung von Marken als negativ empfunden wurde, weil es keinen tieferen Sinn habe. Ich selbst kann mich dem nicht anschließen, da es für mich sehr wohl einen Unterschied macht, ob jemand nur in einem Klamottenladen arbeitet oder eben bei ZARA. Diese nähere Bestimmung macht das Setting der Story für mich realer und vor allem greifbarer. ZARA kenne ich. Irgendeinen imaginären Laden kenne ich nicht.
Genauso ist für mich eine Figur authentischer und mir näher, wenn sie Produkte benutzt, die auch zu meinem Alltag gehören oder die ich zumindest kenne. Die Figuren wirken auf mich in diesem Fall weniger wie eine Romanfigur, sondern wie jemand, den ich kennen könnte und der mir vielleicht sogar (Verzeiht mir meine Oberflächlichkeit!) eher sympathisch ist, wenn er einen ähnlichen Geschmack hat wie ich.

Deswegen würde mich brennend interessieren, wie ihr das seht. Habt ihr das Gefühl, eine Figur besser zu kennen, wenn ihr wisst, welches Auto sie fährt statt nur, dass es ein rotes ist? Schließt ihr von den verwendeten Produkten auf den Lebensstil oder den Charakter der Figuren oder ist euch das völlig egal? Oder stört es euch vielleicht sogar, weil ihr so viele Informationen gar nicht braucht? Brands in books – yay or nay?

37 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich gebe jetzt mal die typische Juristenantwort: Das kommt darauf an *g*

    Zum einen kommt es für mich darauf an, was für Marken genannt werden und wie oft. Zum anderen darauf, wie lebensnah die ständige Erwähnung ist und ob sie, wenigstens relativ, wichtig für die Handlung ist.

    Nehmen wir mal das Beispiel Make-up: Ich persönlich interessiere mich nicht sonderlich dafür, sodass mich die ständige detaillierte Erwähnung darüber, welchen Lippenstift, Mascara, Lidschatten, etc die Hauptfigur benutzt vermutlich eher nerven würde. Bei Kleidung würde ich es zwar auch nicht ständig hören wollen, aber da kann die Unterscheidung zwischen Sachen von H&M oder von Gucci oder sowas schon wichtig für die Handlung oder zumindest für die Einschätzung einer Figur sein. Die Erwähnung, dass man bei Zara arbeitet würde mich dagegen nicht stören und in dem Fall würde ich dir zustimmen, dass es die Handlung dann vielleicht etwas authentischer macht. Die einmalige Nennung des genauen Fahrzeugs könnte ich auch noch nachvollziehen, denn es macht schon einen Unterschied, ob man einen roten Porsche oder einen roten Toyota oder was auch immer fährt. Ständig sollte man das aber nicht erwähnen, finde ich.

    Es gibt aber auch Sachen, wo ich die Markennennung generell ablehnen würde, z.B. bei Lebensmitteln. Es käme mir einfach unnatürlich vor, wenn jemand beispielsweise explizit von ‘Coca Cola’ spricht statt einfach nur ‘Cola’ zu sagen. Das käme mir dann deutlich wie eine Produktplazierung vor, weil es für mich einfach nicht lebensnah ist. Die Unterscheidung zwischen PC und Mac beispielsweise fände ich dagegen in Ordnung, weil das schon einen Unterschied macht.

    Ich hoffe, ich konnte mich verständlich ausdrücken^^ Ich bin jedenfalls nicht generell gegen solche Nennungen, aber es sollte nicht allzu häufig vorkommen und sich damit immer in einem bestimmten Rahmen bewegen.

    • Ich fand deine Antwort sehr verständlich. :) Und da hast Recht, es kommt auf jeden Fall darauf an, wie oft solche Nennungen vorkommen und ob sie sich gut einfügen oder tatsächlich einfach nur nach Werbung klingen. In dem Roman von Lisa Jewell waren es übrigens auch nur die genannten Produkte/Marken. Es war also sehr im Rahmen und passte zum Genre, aber trotzdem hat mich das Thema beschäftigt.

  2. Vom wissenschaftlichen Standpunkt könnte ich jetzt mit Pop-Literatur kommen, die durch die Nennung von Markennamen etc. eine Art Zeitgeist-Konservierung vornimmt. Dadurch wird auch Authentizität erzeugt. Stell dir vor, da stünde, der Laptop ist von der fiktiven Firma XY, da würde man eh Vergleiche zu realen Firmen herstellen oder das Ganze driftete in die vollkommen fiktive Ecke ab. Ich vermute allerdings, dass für das genannte Buch solche Maßstäbe eher weniger greifen ;-)
    Sieht man vom Wissenschaftlichen ab, ist es mir relativ egal, welche Markennamen in einem Roman vorkommen. Nimmt es allerdings überhand, so dass dauernd so etwas drin steht, also so nach dem Motto: “Susi sitzt am Schreibtisch und tippt auf ihrem Apple, während sie eine Coke trinkt, eine Camel raucht und nachher fährt sie noch in die Stadt, um bei Prada zu shoppen.”, wird mir das zu viel – solche Art Literatur wäre mir eh zu oberflächlich … Wenn man es nur mit dieser Methode schafft, Authentizität zu schaffen, ist das ein Armutszeugnis.

    • Wenn man es nur mit dieser Methode schafft, Authentizität zu schaffen, ist das ein Armutszeugnis.

      Ehrlich? Wenn ein Autor es nur mit dieser Methode schaffen würde, Authentizität zu schaffen, dann hätte er meinen größten Respekt verdient, denn dann hätte er es geschafft, aus einem Produktkatalog einen Roman zu machen. ;)
      Nein, ernsthaft. Du hast natürlich Recht. So einen Satz, wie du ihn beispielhaft genannt hast, würde ich auch nicht lesen wollen. Ich finde die Nennung von Marken/Produkten zwar generell hilfreich, um einen Charakter für mich realer zu machen, aber nur über Marken definieren sollte sich die Figur nicht. Das wäre mir auch zu oberflächlich, ganz klar.

  3. Puh, hm. Hab mich mit dem Thema noch nie beschäftigt. Bisher wurden in den Büchern, die ich so lese, keine Marken genannt, glaube ich.
    Solange die Marken nicht andauernd genannt werden, ist das sicher okay. Man wird ja auch so schon genug zugeballert mit Markennamen. Ob in Blogs, auf der Straße, im Fernsehen. In amerikanischen Filmen wir ddas Apple-Logo ja auch nicht verdeckt durch etwas anderes, wie das in Deutschland der Fall ist (oder gibt’s das auch hier?).

    • Interessant, dass du “zugeballert” sagst, was ja doch eher negativ klingt. Ich persönlich verstehe Marken (und in dem Punkt ist auch völlig egal, ob es günstigere oder teuere Marken sind) einfach als Teil meines Alltags. Wahrscheinlich wirkt deswegen auch ein Buch auf mich realer, wenn dieser Bezug über die Nennung bestimmter Produkte hergestellt wird.

  4. Hm, generell ist es mir so oder so egal. Manchmal geht es mir aber schon so, dass es mich richtig reißt, wenn ein Produkt erwähnt wird, dass ich kenne – sei es VW, Ben&Jerry’s o.ä.
    Oft ist es irrelevant, manchmal aber nicht. So etwa bei Kinsellas Shopaholic-Serie – da sind Markennamen wichtig, weil Becky ihr Leben danach richtet – und warum neue Marken erfinden, wenn die bekannten die Idee so viel besser rüberbringen? Oder in Stiefvaters Wolves of Mery Falls-Trilogie. Da fährt Sam einen VW, und das ist irgendwie wichtig, weil das zu Sams Charakter passt, der deutsche Lyrik rezitiert. In einer Zeit, in der Bücher sich immer fester mit dem Alltag vermischen und es sehr starke Genre wie Contemporary Romance/ Fantasy gibt, sag ich: yay.

    • Neue Marken erfinden finde ich ja total bescheuert. Am schlimmsten ist allerdings, wenn bekannte Marken verfälscht werden. So was mag ich aber generell nicht. Verfälschte Städtenamen z.B. finde ich auch ziemlich unnötig.

  5. Mich stört das eigentlich nicht. Solange es zum Buch und zur Story passt und nicht ständig erwähnt wird, sodass man den Eindruck bekommt, dass der Autor da einen heimlichen Werbevertrag erfüllt, finde ich es ok.
    Zumindest in Jugendbüchern. Bei anderen Büchern sollte man gewisse Begriffe zumindest versuchen zu vermeiden, da ältere Leser diese sicherlich nicht kennen. Mein Opa liest auch viel aber wüsste z.B. ganz sicher nicht, was ein iMac, Blackberry oder Hollister ist ;) Ich finde da würde Computer, Handy und Modegeschäft völlig ausreichen.

    • Interessanter Punkt. Ich glaube nämlich, dass auch nicht alle Leser von Lisa Jewell wissen, was ein Touch Éclat ist. Und man kann ja auch kein Experte in allen Bereichen sein und alle Begriffe, Marken etc. kennen. Aber eigentlich sollte sich das dann aus dem Zusammenhang ergeben, oder?

  6. Ich hatte noch nie ein Buch mit sowas in der Hand – aber ich würde sagen: sicherlich macht das die Personen realer und besser nachvollziehbar und vorstellbar. Kennst du Au bonheur des dames (Das Paradies der Frauen) von Zola? Ein großartiger Roman über die Welt der Grands magasins in Paris, eine Liebesgeschichte und den Niedergang der kleinen Läden. Auf jeden Fall definieren sich die Figuren die in dem Grands Magasins arbeiten nicht nur über das Kaufhaus in welchem sie arbeiten, sondern über die Abteilung – eine wunderbare Geschichte, so schon altmodisch – ich bin ja sowieso ein großer Fan von Zola. Product placement in abgeschwächter Form in seiner Urform – herrlich.
    Und wenn es für die Figurenzeichnung und die Handlung gewinnbringend ist, warum nicht?

    xxx Anita

  7. Wenn man es nur mit dieser Methode schafft, Authentizität zu schaffen, ist das ein Armutszeugnis.
    Ich finde Frau von Saltkrokan bringt es hier ziemlich auf den Punkt.
    Ich habe mal ein Buch gelesen, indem vermehrt bezüglich Mode + MakeUp nur die Marken genannt wurden und nicht die Sache an sich (das Dior-Kleid, der MAC-Liedschatten, etc.). Mich hat das ungeheuer genervt und brachte für mich ein schlechtes Licht auf die Charaktere, weil sie automatisch nur noch auf das Nutzen dieser Marken reduziert wurden und es im Buch so rüber kam, als wäre das normale gelbe Sommer-Kleid einfach nicht genug gewesen. Mir fehlt grundsätzlich der Bezug zu solchen “High-Fashion”-Dingen, daher finde ich es tatsächlich einfach nur nervig. Mir wäre es lieber Marken würden nicht genannt werden. Mir ist es dahingehend auch ziemlich wurscht, ob der Protagonist nun auf einem Mac rumtippselt oder einem Windows-PC. Ich kenne zumindest kein Buch, indem das jemals von Bedeutung gewesen wäre.

    • Es kommt sicher auch immer darauf an, ob die genannten Produkte/Marken einen persönlich auch interessieren. Wenn eine Figur z.B. ein Baumhaus baut, muss ich auch nicht wissen, welche Werkzeuge er dabei benutzt. ;)

  8. Jetzt, da du es ansprichst… ich habe vor einigen Tagen “Jetzt ist gut, Knut” von Bettina Haskamp ausgelesen. Da wird an mehreren Stellen erzählt, dass die Portagonistin bei Prada shoppen geht oder sich eine Gucci Tasche leistet. Das passte aber in die Handlung, denn die Dame hat im Lotto gewonnen und “gönnt” sie nun etwas. Es ist für sie etwas Besonderes in solche Läden zu gehen. Fehlten die Namen, fehlte das Verständnis.
    Dein erwähntes Beispiel finde ich da schon schwieriger. Es erinnert mich immer schnell an Hollywoodfilme, in denen “zufällig” die Automarke zu erkennen ist, oder zu sehen, auf welchen Laptop von welcher Firma der Schauspiler tippt.
    Ob das Mädel bei Zara arbeitet oder in einem anderen Klamottenläden, spielt für mich keine Rolle und außer, dass ich mir dann vorstellen kann, wie der Laden genau aussieht, hilft es ja vermutlich nicht näher bei der Handlung. Auch Makeup-Firmen genau zu erwähnen, finde ich unnötig. Selbst wenn ich das gleiche benutzen würden, würde ich mich “abgestoßen” fühlen, weil ich mich zwangsläufig fragen würde, warum der Autor das so gemacht hat, was er damit erreichen will.
    Genrell finde ich Produktplatzierungen schwierig. Deshalb begrüße ich es wohl auch, wenn soviele weggelassen werden, wie möglich.

    • Vielleicht frage ich Lisa Jewell einfach mal. Wäre auf jeden Fall interessant. :)
      Die Automarke ist mir als solche übrigens relativ egal. Mir geht es da mehr um das Modell. Ich finde es einfach spannend zu sehen, was genau der Autor/die Autorin sich für die Figuren überlegt hat. Ich habe schon oft von Autoren gelesen, die ganze Mappen mit Lebenslauf, Beziehungen, Hobbys etc. zu einzelnen Figuren anlegen. Davon schaffen es dann zwar nicht alle Infos ins Buch, aber allein die Vorstellung, dass jemand ein komplettes Leben (eben auch mit Vorlieben zu bestimmten Produkten) entwickelt, finde ich ziemlich beeindruckend.

  9. Mir ist aufgefallen, dass just in Jugendromanen das wohl immer mehr im Kommen ist, dass aktuelle In-Brands eingeflochten werden, früher wars nur McDonalds oder so, aber eben jetzt mehr angesagte Modemarken, mit denen sich die jungen Leute (hört sich das dooooooof an….) identifizieren, die sie kennen.
    Ich selbt hab mich dabei ertappt, dass ich dann ein konkreteres Bild vor Augen habe, eine Momentaufnahme, meinetwegen auch beim Beispiel mit dem Lippenstift, ich seh dann vor mir, wie die weibliche Hauptfigur mit eben dem Lippie schminkt und dann lächel ich einfach. Wahrscheinlich freu ich mich in dem Moment, weil ich durch so ein Ding einen direkten Zugang zur Geschichte habe, näher dran bin.

    Liebe Grüße
    Bine

    • Ich habe in letzter Zeit wenige Jugendromane gelesen, daher kann ich zu dieser Beobachtung leider nichts sagen. Was mir aber aufgefallen ist: Es gibt auch Fälle, in denen die Nennung moderner (in dem Fall) Technik in die Hose gehen kann.
      In der Arthur-Trilogie von Gerd Ruebenstrunk habe ich mich vor einer Weile sehr daran gestört, dass die Hauptfigur irgendwann ein iPhone (oder war es HTC?) in der Hand hält, obwohl die Stadt, in der die Geschichte ihren Anfang nimmt, nie genannt wird. Das passte für mich so einfach nicht zusammen, weil die Trilogie sonst auch eher wie eine zeitlose Abenteuergeschichte daher kommt.

      • Die Artur-Bücher hab ich bis jetzt noch ungelesen im Schrank (aber irgendwann…) aber halt in diesen Fantasy-Jugendbüchern ist mir das aufgefallen. I-Phone kommt unheimlich oft vor, Starbucks auch.
        Ich denke aber nicht, dass die genannten Firmen sich selbst da einbringen, sondern dass wirklich die Autoren dadurch den Realitätsbezug für die Jugend herstellen wollen und die Firmen freuen sich einfach still, weil so der Bekanntheits- und Beliebtsheitsgrad steigt.

        Liebe Grüße
        Bine

  10. Puh, eine schwierige Frage. Ich erinnere mich noch sehr genau an das “Labyrinth der Spiegel”. Dabei ging mir die Nennung eines IT-Unternehmens ganz schön auf die Nerven. Es war für mich absolut irrelevant, nicht notwenig für die Geschichte und hat mir den Spaß am Lesen eher verdorben. Ebenso ging es mir bei “Evermore”, da hört sie gleich auf den ersten Seiten Musik in ihrem Ipod. Generell nicht schlimm, aber wenn sonst keine Markennamen auftauchen, sticht sowas sehr heraus und dann kann es mich auch definitiv nerven!
    Dann gibt es aber auch wieder andere Bücher, die ohne die Nennung von Markennamen gar nicht funktionieren würden. Und das trifft längst nicht nur für die Popliteratur zu. Aber es muss halt zu der Geschichte passen. Marken erfinden, das finde ich eine viel schwierigere Angelegenheit. Noch schlimmer finde ich das allerings bei Musik. Nennt ein Autor ein Lied in seinem Buch, sollte er sich da wohl einen Zusammenhang gedacht haben. Und wenn ich dann nach dem Lied suche und herausfinde, dass es diese Band gar nicht gibt, dann nervt mich das. Dann sollte ein Buch lieber ohne die Nennung von Marken und Titel auskommen.
    Also mein Fazit: Ein Yay mit Einschränkungen ;) Aber lieber reale Marken, als erfundene Brands in books.

    • Beim iPod würde ich das, glaube ich, nicht so eng sehen, weil die Dinger einfach von sehr sehr vielen Leuten genutzt werden. Das ist für mich fast schon wie die Tempo-Taschentuch-Sache. ;)

      Erfundene Musik ist mir bisher noch nicht untergekommen, finde ich aber auch ziemlich schwachsinnig. Ich finde es nämlich ganz schön, wenn hier und da ein Lied erwähnt wird. Spontan fällt mir da Christoph Marzi ein, zu dessen Büchern es ganze Soundtracks gibt. Das fand ich am Anfang sehr spannend, weil Musik eben sehr gut Emotionen rüberbringt und man sich durch das Gehörte noch mehr einfühlen kann – in den Roman und auch in seine Entstehungsgeschichte. Zumindest geht mir das so. Bei Marzi wurde es in den letzten Romanen allerdings zu viel und ich hatte das Gefühl, die Stimmung solle nur noch durch die genannten Musiktitel erzeugt werden. Das fand ich auf Dauer dann sehr sehr nervig, zumal ich den Großteil der Titel auch nicht kannte.

  11. Ich denke, da kommt es auf den Kontext an bzw. auf den Wert für den Kontext. Wenn es, wie oben mal geschildert, darum geht zu verdeutlichen, dass ein Lottogewinner sich was gönnt, da können bestimmte Luxusmarken diesen Eindruck sicher verstärken. Prinzipiell ist es mir aber vollkommen schnuppe, an welchem Notebook oder Computer eine Figur zum Beispiel sitzt. Mich stört es dann eher, wenn da nicht einfach der Laptop aufgeklappt wird, sondern der Acer Aspire mit 17 Zoll-Bildschirm – so ähnlich hab ich das schon mal gelesen und fand es ätzend. :-D Es ist mir auch außerhalb der Literatur im normalen Leben absolut unwichtig, mit welchen Marken jemand lebt.
    Frau Saltkrokan und Steffie haben das für mich auch schon schön in Worte gefasst. Es mag sicherlich Ausnahmen geben, aber eigentlich mag ich dieses Product-Placement nicht.

    • Acer Aspire mit 17 Zoll-Bildschirm?! :shock: Das geht selbst mir zu weit. Und das, obwohl ich es generell schon sehr spannend finde, mit welchen Marken jemand lebt. Könnte ja sein, dass da auch interessante Sachen für mich dabei sind. ;) Und wie gesagt, mit Marke meine ich jetzt nicht Luxusmarken.

  12. Ich finde es generell meistens positiv, da ich mir, wie du sagst, einfach ein besseres Bild von der Person und ihrem Leben machen kann. Welche Marken man benutzt, sagen ja schon etwas über eine Person aus. Allerdings hängt es für mich auch von der Atmosphäre des Buchs ab, ob ich soetwas als störend oder nicht empfinde und natürlich ob es für den Charakter relevant ist. Manche Bücher haben einfach einen zeitlosen Touch, bei dem ich es komisch fände, wenn ich durch die Nennung echte Marken zu sehr in meine Realität zurückgeholt werden würde.

    • Jepp, genau das meinte ich mit meinem Kommentar zur Arthur-Trilogie. Die Geschichte startet wie ein zeitloses Abenteuer, man erfährt nicht, wann und wo die Story beginnt und dann ist da irgendwann dieses iPhone. Das hat mich völlig rausgerissen.

  13. Generell finde ich Markennennung in Büchern unsinnig – privat ist es mir auch relativ egal, ob jemand Kleidung von C&A, H&M, Only oder Levis trägt. Bei manchen Fällen lässt sich aber eine Nennung schwer umgehen: Es wird statt eines Haartrockners ein Fön benutzt, obwohl diesen Namen ja vom Patent her nur eine Firma benutzen dürfte (welche das ist, weiß ich grad nicht) und es wird nicht in ein Fast-Food-Restaurant oder eine Burger-Bar gegangen, sondern eben zu McDonalds – als Leser weiß man hier einfach sofort, was gemeint ist und es wirkt greifbarer. Zudem sind die Markennamen hier oft auch schneller dahergeschrieben und -gelesen als die korrekten, allgemein nutzbaren Begriffe.
    Ansonsten halte ich Markennennungen dann noch für okay, wenn sie dem Leser etwas über die Person oder den Ort sagen: Eien Straße, in der es Gucci, Prada und Dior gibt stelle ich mir anders vor als eine x-beliebe Straße ohne genauere Informationen. Eine Figur, die nur Apple-Produkte nutzt, nur die angesagtesten Marken trägt und einen Ferrari fährt, lässt mich sofort an eine auf Statussymbole fixierte Person mit einem Job in höherer Position (Manager, Anwalt …) denken – und das wird immer dann interessant, wenn man weiß, dass diese Person ihren Status im Laufe der Geschichte hinterfragt, ihn verliert oder ähnliches.
    Generell benötige ich aber keine Marken – entweder ein Charakter ist gut und facettenreich geschrieben (dann wirkt er automatisch auf mich realistisch und greifbar) oder eben nicht (und dann helfen auch keine Marken, um ihn mir glaubhafter erscheinen zu lassen). Sinnloses Name-Dropping wirkt auf mich daher eher abstoßend,weil es mir das Gefühl gibt: Hier will jemand zeigen, wie gut er sich mit den aktuellen Trends und Szenen auskenn. Oder ich bekomme gar das Gefühl, dass mir hier jemand einen Lebensstil nicht nur schmackhaft, sondern regelrecht aufdrängen möchte.

    @ Verena: Product Placement im Sinne der Schleichwerbung ist in Dtl. verboten. Das hängt damit zusammen, dass im deutschen TV und Rundfunk Werbung und Programm deutlich erkennbar voneinander getrennt sein müssen. Deswegen steht auch bei Veranstaltungen wie der WOK-WM oder dem Turmspringen von ProSieben oben immer “Dauerwerbesendung” – es gibt zwar keine Werbeclips oder ähnliche Anpreisungen, aber es ist durch Sponsoren finanziert, die Teams sind teilweise nach Marken benannt etc.

    • Generell benötige ich aber keine Marken – entweder ein Charakter ist gut und facettenreich geschrieben (dann wirkt er automatisch auf mich realistisch und greifbar) oder eben nicht (und dann helfen auch keine Marken, um ihn mir glaubhafter erscheinen zu lassen).

      Das stimmt natürlich. Eine absolut platte Figur wirkt auf mich auch nicht realer, nur weil sie bestimmte Marken/Produkte nutzt. Die Figur muss vorher schon rund sein, aber wenn eben dann noch ab und an so eine Info fällt, ist der Realitätsbezug für mich einfach größer.

  14. Ich schließe mich tendenziell der Meinung von Kathrin an.
    Generell finde ich es überflüssig und teilweise nervig bis abstoßend, wenn dauernd Marken genannt oder etwa betont wird, dass die Hauptfigur ein MacBook oder iPod benutzt — who cares?!
    Es kommt natürlich auch auf das Genre an: bei Krimis etwa törnt es mich total ab, weil es irrelevant ist. Bei Chick-Lit mag es teilweise anders sein. Aber auch da würde mich ein Overkill an Markennennungen stören. Es interessiert mich einfach nicht, und die Figuren werden dadurch für mich kaum glaubhafter. Vielleicht bin ich auch einfach nicht so konsum- und markenfixiert. Aber gute Autoren sind schon immer ohne Namedropping ausgekommen oder haben sich halt selber was ausgedacht. Und das wird sich meiner Meinung nach nicht ändern. Marken kommen und gehen und verändern sich. Damit wird man sich in einigen Jahrzehnten kaum noch mit identifizieren oder anderweitig was anfangen können. Aber vielleicht kommt das auch eher in Büchern vor, die in 5, 10, oder 20 Jahren vergessen sein werden.

    • I care. So als Konsumkind. ;)

      Marken kommen und gehen und verändern sich. Damit wird man sich in einigen Jahrzehnten kaum noch mit identifizieren oder anderweitig was anfangen können.

      Sie spiegeln damit aber auch ein wenig die Zeit wider, in der die Geschichten spielen. Die Stephanie-Plum-Reihe von Janet Evanovitch z.B. nimmt ihren Anfang in den 90ern, was durch Kleidungsstil, Technik etc. deutlich wird und für mich einen Großteil des Charmes der Geschichte ausmacht. Ich glaube, wenn die Bücher in der heutigen Zeit spielen würde, würden sie mich gar nicht so sehr interessieren. Diese 90er-Nostalgie macht die Bücher für mich zu etwas Besonderem und das wird durch die Nennung bestimmter Produkte eben noch verstärkt.

  15. Ich denke es kommt generell auf die Dosis an und ob es einfach zur Handlung passt. Klar es ist toll die gleichen Kekse zu essen wie seine Helden, dann fühlt man sich ihnen gaaaaaaaaaaanz nahe, aber so ein Markendauergebrabbel ginge mir persönlich mehr als gegen den Strich, weil es den Lesefluss erheblich einschränkt. Zumal ich vielleicht gar nicht weiß worum es sich handelt und nachsehen mag… und bei einem oder zwei kann man mal nachsehen, bei 50 nervt es.

  16. Interessante Frage! Ich kann mich erinnern, dass ich das früher immer total toll fand, wenn von z.B. iPods die Rede war und nicht von einem MP3-Player. Ich fand das einfach viel “cooler” und “hipper”. Ich glaube ein bisschen geht es mir damit immer noch so, aber es muss halt auch zur Story und in den Stil passen. Wenn ich mich da z.B. an das letzte Gossip Girl Buch, das ich gelesen habe, erinnere, da hat es mich tierisch genervt, dass wirklich alle paar Seiten Designerlabel genannt wurden. Aber auch hier passt es eigentlich zum Buch, die leben nun mal in dieser High Society Markenwelt.
    Das Doofe an so viel Name-Dropping ist aber, dass es so schnell an Aktualität verliert. Wenn man heute eine moderne Marke in seinem Buch nennt, kommt es Lesern in 5 oder 10 Jahren deshalb vielleicht altbacken vor. Autoren, die so was machen stellen sich also selbst ein Bein (es sei denn sie wollen eh nur angesagte Bücher für den Moment schreiben).

    • Es kommt halt auch darauf an, welche Marken man nennt. Gerade im High-Fashion-Bereich gibt es ja doch ein paar ganz Große, die über mehrere Jahrzehnte erfolgreich sind. Ich behaupte aber mal, dass häufige Markennennungen eh in Genres vorkommen, in denen Bücher weniger für die Ewigkeit geschrieben werden als für den Moment. ;)
      Das Altbackene kann aber, wie ich ein bisschen weiter oben schon schrieb, auch sehr charmant sein. Stephanie Plum kann ich mir anders gar nicht vorstellen.

  17. Von mir an dieser Stelle ein NAY! Ich denke man kann das Problem mit dem Schauplatz auch anders lösen.
    Es ist mir in einigen Genre, besonders YA Romanen schon aufgefallen, dass ein Handy zum iPhone wird und die Schuhe Manolos sein müssen, etc. Hat vielleicht auch was damit zu tun, dass bestimmte Marken zum Synonym geworden sind.

    Eine urkomische Doku zum Thema Productplacement (in Filmen) ist übrigens der zweite Film von “SuperSize Me” Morgan Spurlock: http://www.youtube.com/watch?v=T4Ng2P3zxfM

    LG, Katarina :)

    • Aber es gibt doch gar kein Problem mit den Schauplätzen. Ich habe nie gesagt, dass ich solche Nennungen brauche, sondern nur, dass sie mir gewisse Dinge erleichtern oder sagen wir vielleicht besser, bequemer machen. Ich hab schon noch genug Fantasie, um mir einen Schauplatz auch vorstellen zu können. ;) Aber in bestimmten Genre finde ich solche Ergänzungen eben praktisch.

      Was aber natürlich nicht heißt, dass ich dein NAY! nicht voll und ganz akzeptiere. :) Ich habe nur den Eindruck, dass nicht so ganz rüberkam, was ich eigentlich sagen wollte. ;)

  18. Ich mag das überhaupt schon. Schon weil es mir wirklich pupsegal ist, welche Kosmetikmarke irgendwer verwendet. Bei Autos sehe ich das vllt noch ein, denn es sagt schon etwas aus, ob jemand Audi oder Smart fährt, aber alles andere ist für mich absolut nebensächlich. Mich interessiert meistens nicht mal wirklich, wie eine Romanfigur aussieht, da ist mir der verwendte “Lippie” nun echt egal.
    Das hat mich zB bei “Verblendung” auch unfassbar gestört, dass das ganze Buch voller Apple Product Placement war.

    Also von mir ein klares NAY!

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