[Rezension] Barreau, Nicolas – Die Frau meines Lebens

Warum soll es die Liebe auf den ersten Blick nur in Büchern geben? Der Pariser Buchhändler Antoine glaubt fest daran, dass das, was sich jemand für ein Buch ausgedacht hat, auch im wahren Leben passieren kann. So erkennt er in Isabelle, die ihm eines Tages in seinem Lieblingscafé gegenüber sitzt und ihm beim Aufstehen heimlich ihre Telefonnummer zusteckt, nicht irgendeine junge hübsche Frau mit honigblondem Haar, sondern die Frau seines Lebens.
Dumm nur, dass gerade in dem Moment, in dem er die unbekannte Schöne anrufen möchte, ein Vogel sein Geschäft auf dem Zettel mit ihrer Nummer verrichtet und die letzte Ziffer nicht mehr lesbar ist. So bleiben Antoine 10 Versuche – und 24 Stunden, um seine Traumfrau zu finden.

Dabei nimmt Nicolas Barreau seine Leser mit auf einen Streifzug durch die Straßen, Cafés und Gärten der französischen Hauptstadt. Französische Worte und Sätze unterstreichen die dichte Atmosphäre noch und wecken die Sehnsucht nach einem spontanen Kurztrip in die Stadt der Liebe.
Ein näheres Interesse an Antoine habe ich hingegen nicht entwickeln können, da dieser doch eine ziemliche Dramaqueen ist und seine Geschichte stellenweise ein wenig zu schmalzig erzählt. Sein Charakter ist für mich nicht ganz rund. So erzählt er etwa, er sei ein hoffnungsloser Romantiker, beschreibt sich aber vielmehr wie ein Frauenheld, der von seiner gut aussehenden Kollegin mit Brad Pitt verglichen wird. Vielleicht wäre es besser gewesen, Nicolas Barreau hätte für seine Geschichte eine andere Erzählperspektive gewählt.

“Es muss wirklich ziemlich komisch ausgehen haben, wie ich da so stand, mit meinen zwei Sträußen, meinen regenfeuchten braunen Locken, meinen blauen Augen, die aufgeregt den kleinen Park absuchten, und meinem heftig klopfenden Herzen.” (S. 46)

Solche Sätze klingen als Selbstbeschreibung einer Figur in meinen Augen einfach unnatürlich. Und warum Isabelle nun gleich die Frau seines Lebens ist, wird im Verlauf der Geschichte auch nie so ganz klar.
Sieht man das (und die Tatsache, dass die Uhren bei Antoine etwas schneller laufen als gewöhnlich) aber nicht so eng, kann man mit dem Buch 1-2 gemütliche Lesestunden verbringen. Mir hat die Jagd auf Isabelle, bei der Antoine auf einige skurrile Persönlichkeiten trifft, trotz der Kritikpunkte Spaß gemacht. Lange im Gedächtnis bleiben wird mir die Geschichte allerdings nicht.

FAZIT: Federleicht? Ja. Lebensklug. Eher nicht. Auf jeden Fall aber ein charmantes, verträumtes Büchlein, für das man sich erst gar kein Lesezeichen raussuchen muss.

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Genre: Liebesroman • Verlag: Piper Taschenbuch (2009) • ISBN: 9783492253567 • Seiten: 144

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mir hat Das Lächeln der Frauen auch besser gefallen. Nichts desto trotz ein Buch was ich empfehlen kann, wie du schon schreibst, charmant und verträumt und es liest sich mal eben so weg :)

    • Ich glaube, wenn es mein erstes Buch von Nicolas Barreau gewesen wäre, hatte ich nicht wenige Wochen danach schon wieder etwas von ihm gelesen. Es war zwar schön, aber eben nur für 1-2 Stunden. Das Lächeln der Frauen war insofern ganz klar der besser Einstieg und hat mich auch nach der mittelmäßigen Frau meines Lebens neugierig auf weitere Bücher von Barreau gemacht.

  2. Ich liebe deine Bücher-Rezensionen, großes Lob!:) Sie sind immer ehrlich, gut formuliert, kritisch und ausführlich, sodass man ein Gefühl dafür bekommt, ob das Buch für einen selber geeignet wäre.
    Zudem finde ich es toll, dass du dir die Mühe machst, öfter Rückmeldungen zu den Leserkommentaren zu geben, was mir zuletzt besonders bei dem “50-shades”-Post postitiv aufgefallen ist. Sowas fehlt auf manchen Blogs bedauerlicherweise. Behalt dir das also unbedingt bei;)
    Liebe Grüße und eine schöne Woche!

    • Liebe Trishelle,

      das freut mich sehr! :D Nach über 180 Rezensionen fragt man sich nämlich schon hin und wieder, ob sich die Texte nicht irgendwann zu sehr ähneln und ob man sich nicht lieber kürzer fassen sollte. Aber manche Dinge müssen eben gesagt werden. ;)

      Das Antworten auf Kommentare werde ich auf jeden Fall beibehalten. Manchmal klappt es vielleicht nicht mehr am selben Tag, aber wenn ich eine Antwort geben kann, dann kommt sie auch. :) Letztlich ist es nämlich der Austausch, der das Bloggen für mich so spannend macht, deswegen freue ich mich immer über Kommentare. Besonders wenn sich vielleicht auch mal eine kleine Diskussion entwickelt.

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