[Rezension] Jonasson, Jonas – Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Der Kaffeetisch ist gedeckt, die Gäste warten. Doch Allan Karlsson hat andere Pläne für seinen 100. Geburtstag. Er klettert aus dem Fenster, kehrt dem Altenheim den Rücken, entwendet am Busbahnhof kurzerhand einen (nur auf den ersten Blick harmlosen) Koffer und steigt in den nächstbesten Bus. Schon bald hat er nicht nur die Polizei auf den Fersen, die den rüstigen Alten zurück ins Seniorenheim bringen möchte. Auch eine Bande Krimineller ist hinter Allan her. Eine rasante Verfolgungsjagd durch Schweden beginnt, bei der nicht zuletzt ein paar Leichen und ein ausgewachsener Elefant ihren Auftritt haben…

Eigentlich dachte ich immer, dass es mir nie schräg genug sein könnte. Jonas Jonasson hat mich mit seinem Debütroman jedoch eines Besseren belehrt. Obwohl ich schrullige Figuren sonst sehr gerne mag, war mir die dümmliche Darstellung der meisten Charaktere auf Dauer doch zu viel. Besonders, weil Jonas Jonasson sehr stark zur Übertreibung neigt, sodass sein an sich wunderbar nüchterner Humor oft ins Alberne kippt.
Gleiches gilt für etliche Wendungen in der Geschichte, die irgendwann nicht mehr unterhaltsam, sondern nur noch abstrus sind. So werden neben der Handlung in der Gegenwart in regelmäßigen Rückblenden diverse Stationen in Allans Leben beschrieben, der – obwohl (oder gerade weil) politisch absolut interessiert – die Weltgeschichte im Alleingang schreibt, indem er sämtlichen bedeutsamen Staatschefs des letzten Jahrhunderts persönlich begegnet und beim gemütlichen Abendessen ganz arglos weltkriegsentscheidende Informationen ausplaudert. Das war die ersten beiden Male noch amüsant. Nach gut der Hälfte habe ich mich jedoch dabei ertappt, dass ich nicht mehr ganz so konzentriert zuhörte und infolgedessen manche Zusammenhänge nicht mehr so ganz mitbekam.

Otto Sander als Sprecher war daran übrigens auch nicht ganz unschuldig, da er Allans Geschichte in meinen Augen etwas sehr unaufgeregt erzählt. Außerdem (und da bin ich vielleicht etwas empfindlich, aber ich kann es nicht ändern) haben mich seine Atemgeräusche gestört. Ich weiß, der Mann muss ab und an einatmen. Das ist auch gut so. Aber hier waren die Geräusche so laut und pfeifend, dass ich das Hörbuch nur im Auto gehört habe, wenn das Motorengeräusch das Atmen übertönt hat.

FAZIT: Stellenweise durchaus witzig, aber insgesamt leider selbst für meine Verhältnisse viel zu absurd.

...


Genre: Gegenwartsliteratur
Verlag: Der Hörverlag (2011)
ISBN: 978-3867177818
Laufzeit: 7 Std. 34 min. || gesprochen von Otto Sander

➤ Tipp: Dieses Hörbuch gibt es bei amazon.de oder bei audible. Dort gibt es auch eine ungekürzte Version (gelesen von Peter Weis, 13 Std. 25 min.)


16 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Nina,
    mir hat die Geschichte sehr gefallen aber die Atemgeräusche von Otto Sander empfand ich auch als sehr störend. Man hatte manchmal das Gefühl, er würde außer Atem kommen…Und seine Stimme war mir ein bisschen zu eintönig:-(

    Méditerranée

    • Ich war anfangs auch guter Dinger, dass mir die Geschichte gefallen wird und musste auch das eine oder andere mal schmunzeln. Aber auf Dauer wurde es mir einfach zu viel.
      Die Atemgeräusche haben mich übrigens total überrascht, als ich sie das erste Mal wahrgenommen habe. Ich habe das Hörbuch nämlich im Auto begonnen und wollte abends im Bett weiterhören. Da habe ich mich dann erstmal gewundert, was das denn für ein Pfeifen ist. :D Die Stimme finde ich sonst gar nicht so unpassend, aber der Vortrag ist leider sehr monoton. Auch wenn der Erzählton sehr nüchtern ist, aus dem Vortrag hätte man mE trotzdem mehr machen können.

  2. Hach, ich liebe dieses Buch. Habe für entsetztes Schauen der Mitfahrer in derSBahn gesorgt. So schön verschroben und verzwickt. Vllt ist es ein Unterschied ob man es liest oder hört. Keine Ahnung, bin jedenfalls noch begeistert. :)

    • Ich mag verschroben sonst wirklich richtig richtig gerne, aber irgendwann wurde es mir leider zu albern. Otto Sander war als Sprecher zwar eher nicht so optimal, aber ich glaube, auch beim Lesen wären am Ende nicht mehr als 2 Herzen rausgesprungen.

  3. Ich habe das Buch gelesen und fand es super. Vielleicht gibst Du der geschriebenen Version ja noch einmal eine Chance?
    Liebe Grüße
    die Astrid

  4. Endlich mal jemand, der mit mir einer Meinung ist über dieses Werk. Ich mochte es am Anfang und mit der Zeit steigerte sich die kleine Skurrilität des Werkes ins unsagbar Lächerliche. Das war zuviel. Ich habe die Lektüre nach einem guten Viertel abgebrochen. Ich verstehe bis heute nicht, wie sich dieses Werk solange in des Bestsellerlisten halten konnte. Aber anscheinend gibt es mehr Leser, die das Buch mochten als ich dachte.

    Ich mag skurril sonst sehr gerne, aber mehr z.B. in der Art von FForde mit seinen Thursday Next Romanen…

    • Dann hast du die richtig absurden Sachen ja gar nicht mehr mitbekommen. ;) Mein Humor/Sinn für Skurriles geht aber auch mehr in Richtung Jasper Fforde. Hast du Grau schon gelesen? Das ist definitiv eines meiner Jahreshighlights!

  5. Ich habe auch vor einiger Zeit dieses Hörbuch runtergeladen, weil die Geschichte sehr interessant klang. Anfangs dachte ich noch: hey, die Stimme des Autors klingt genauso wie die Buchfigur alt ist, wie passend! Das war dann für mich persönlich leider nicht so positiv, weil trotz der vielen auch interessanten Vorkommnisse (wenigstens bis zu der Stelle, an der ich schließlich abbrach) ein wenig der Schwung fehlte. Nach einem guten Drittel habe ich dann abgebrochen, weil es immer merkwürdiger wurde und die emotionslose Erzählung doch spektakulärer Ereignisse mir gar nicht gefallen hat. Jetzt habe ich es als Buch in meinem Regal stehen; mit der Hoffnung, dass es mir besser gefällt, lese ich es mit eigenen Augen.
    Ich kann bis dahin deine Meinung auf jeden Fall nur unterschreiben. Trotz der vielen positiven Meinungen und den wenigen Negativen zu dieser Geschichte.

    Liebe Grüße!

    • Genau das habe ich am Anfang auch gedacht. Die Stimme schien mir passend, die nüchterne Erzählweise gefiel mir. Aber irgendwann nutze sich das ab, die Atemgeräusche störten… Und wie du schon sagst, es fehlte einfach der Schwung. So absurd die Geschichte auch war, trotzdem war sie irgendwie auch vorhersehbar. Schließlich muss Allan ja alle Staatsmänner durchkriegen. ;)

  6. Ich habe zwar das Hörbuch noch nicht gehört aber das Buch ist echt der Hammer. Das beste Buch was ich je gelesen habe.

    Nina vielleicht solltest du dir einfach mal das Buch durchlesen. Die Story und wie es geschrieben ist, ist echt toll und sehr gut. Ich würde es dir echt ans Herz legen.

    Dieses Buch ist für mich das absolut beste Buch das es seit langem gab.

    • Ich freu mich, dass das Buch so viele begeisterte Leser gefunden hat und die Story hat mir im Ansatz ja auch gefallen, aber irgendwann wurde es mir zu bunt. Das war mir alles zu aufgesetzt. Ich befürchte daher, dass ich an der geschriebenen Variante kaum mehr Spaß haben würde. Es gibt noch so viele andere Bücher, die gelesen werden wollen. Da mag ich einem Buch, das mich schon beim ersten Mal nicht umgehauen hat, nicht noch eine zweite Chance geben. ;-)

  7. Ich bin auch ein Fan von diesem Buch, aber ich kann auch verstehen, wenn man es nicht mag. Bücher sind nunmal Geschmacksache und ich finde es sogar gut, wenn ein Buch nicht nur positive oder nur negative Stimmen bekommt.
    PS: Jasper Fforde ist sehr genial :-)

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