[WTF?!] Conni und der Amazon-Skandal

Als ich gestern Morgen folgende Schlagzeile las, wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte: “Wirbel um Kinderbuchheldin: Carlsen-Verlag streicht Amazon-Passage aus Conni-Buch
Das Problem: Conni, die Heldin einer bekannten Kinderbuchserie, bekommt im neuesten Band einen Amazon-Gutschein zum Geburtstag geschenkt. “Skandal!”, schrie der Buchhandel. “Schleichwerbung!” Selbst von Boykott war die Rede, einige Buchhändler wollten sich weigern, den Band zu verkaufen. Der Carlsen-Verlag zieht daraus seine Konsequenzen, lässt das Wörtchen “Amazon” in Rücksprache mit der Autorin in der nächsten Auflage weg.

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Nun ist Amazon für den Buchhandel sicher eine üble Erfindung, Werbung in einem (Kinder)Buch weder nötig noch angebracht. Jedoch, Amazon ist nun einmal Teil unseres Alltags, Conni mit 15 Jahren alterstypisch sicher auch mal online unterwegs – und ihre Freundin wohnt in Großbritannien. Da ist so ein Amazon-Gutschein eben praktisch. Zumal man davon ja auch nicht nur Bücher kaufen kann.

Davon aber abgesehen frage ich mich, wann der (Buch)Handel endlich merkt, das Jammern nicht hilft, sondern Tun? Diejenigen von euch, die schon länger hier mitlesen, wissen, dass ich während des Studiums in einer Buchhandlung gearbeitet habe, die leider, aber wenig überraschend, schließen musste. Schuld daran waren nicht nur Amazon, Thalia und Co., sondern hier spielten etliche Faktoren ein Rolle, u.a. die Tatsache, dass der Service leider nicht immer der beste war und dass man einfach nicht mit der Zeit ging, neuen Ideen keine Chance gab. Dann darf man sich aber auch nicht beschweren, wenn man irgendwann auf der Strecke bleibt. Denn wie heißt es so schön? Die Konkurrenz schläft nicht. Ich sage nicht, dass es leicht ist, sich gegen Riesen wie Amazon zu behaupten, aber es gibt etwas, dass der kleine Buchladen bieten kann, was Amazon nicht hat: Persönlichkeit nämlich.

Übrigens, eventuell möchte sich ja noch ein Elektronikhersteller beschweren? Die Kopfhörer auf dem Cover sehen verdächtig nach Apple aus…

23 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Und das Shirt verdächtig nach H&M ;)
    Ich hatte es bei Irina schon geschrieben: Was eine unnötige Diskussion und eigentlich noch schlimmer finde ich, wie schnell der Verlag da einbricht.
    Diese Jammerei des Buchhandels geht mir schon seit Monaten auf den Geist, dies ist ja lange kein Einzelfall mehr.
    Es gibt genug (auch kleinere) Buchhandlungen, die gute Strategien haben, um Amazon die Stirn zu bieten, auch ohne solch lächerliche Aktionen. Leider eben nicht alle, wie deine und anscheinend auch die, dieser beiden Buchhändlerinnen hier. Die bleiben dann eben auf der Strecke, wie alle anderen Unternehmen anderer Branchen es auch tun würden, wenn sie nicht mit der Zeit gehen.

  2. Ich finde es einfach nur lächerlich, was da vor sich geht. Anstatt zu jammern und zu boykottieren, soll der Handel endlich aufwachen und mutig werden! Meine Güte… Carlsen hätte nicht klein beigeben brauchen, das könnte man nun wirklich auf alles ummünzen…

    Liebe Grüße
    Sandra

  3. Hi,
    hier mal eine Stimme aus dem Buchhandel ;) Grundsätzlich hast du Recht – Konzepte müssen her, die Konkurrenzfähig sind. Einen blassen, vom Schicksal geschlagenen Buchhändler möchte keiner sehen und das zu Recht. Dennoch bin ich in diesem Falle der Meinung, dass der Buchhandel zu Recht empört war und der Verlag zu recht “eingeknickt” ist. Der Erfolg der Kinderbuchserie “Conni” wäre ohne den stationären Buchhandel nämlich gar nicht möglich gewesen. Ein Phänomen, an dem Amazon gänzlich unbeteiligt war. “Conni” verkauft sich nämlich am besten, wenn die Bücher irgendwo sichtbar ausgestellt oder sogar schön dekoriert sind. “Conni” ist das was auf einmal jedes Kleinkind (zunächst gab es ja nur die großformatigen Pixi-Bücher) haben wollte, wenn es die Bücher irgendwo sah. Wenn Conni nun also zur Amazon-Kundin wird, fühlt sich das für den stationären Buchhandel ein bisschen wie ein Dolchstoß an…
    Liebe Grüße,
    Mareike

    • Ganz ehrlich, sie hat einen Gutschein bekommen. Einen. Von einer Freundin aus Großbritannien, die von dort aus schwer an einen Gutschein aus Connis Lieblingsbuchladen kommt. Conni ist 15, sie ist zeitgemäß vernetzt. Da ist für mich ein Amazon-Gutschein völlig legitim und bedeutet noch lange nicht, dass Conni jetzt zur Amazon-Kundin wird oder jeder Conni-Leser aufgrund dessen dem stationären Buchhandel den Rücken kehrt. Ich denke, hier muss man einfach differenzieren und in dem konkreten Fall war der Amazon-Gutschein für die Geschichte am glaubwürdigsten. Dass eine einzige Erwähnung allerdings so eine Welle schlägt und derart argumentiert werden muss, spricht nicht für den Buchhandel, tut mir leid.

  4. Ich finde ja, zumindest hier in Berlin fehlt ein Buchladen der gleichzeitig auch ein Cafe ist. Ich glaube, da könnte der Buchhändler einen stabilen Umsatz machen, wenn das Cafe denn gemütlich gestaltet ist.

    Zur Schleichwerbung sage ich mal nichts. Man wird immer jemanden finden, der sich über bestimmte Dinge aufregen kann und wird.

    • Den wird es ganz bestimmt geben. Ich denke aber auch, dass totschweigen oder verteufeln keine Strategie ist, die aufgeht.

      • Nö, ich will nichts totschweigen oder verteufeln. Mir ist es eigentlich so ziemlich egal ob da jetzt “Geschenkgutschein” oder “Amazon-Geschenkgutschein” steht. Der Sinn wird nicht verändert, weswegen ich darin auch keine Zensur sehe. Notfalls sollen sie eben für jeden Buchhändler eine extra Version auf den Markt bringen ;-).

    • @Sven: Doch, gibt es, allerdings hat er “nur” englische Bücher (für mich persönlich ein Traum, aber ich weiß ja nicht, ob das für dich auch infrage kommt): http://www.shakesbooks.de/. Große Auswahl und ein sehr uriger und gemütlicher Buchladen in Prenzlauer Berg, wo es auch Kaffee, Tee und Gebäck gibt.

  5. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, wo du da den Zusammenhang siehst? Ich finde es einfach ziemlich… sagen wir unhöflich.. denjenigen, der mich groß raus gebracht hat, so vor den Kopf zu stoßen. Es ist jetzt nichts, was mich persönlich sehr stört, dennoch ist die Erwähnung von Amazon recht überflüssig, für mich also eindeutige (und keine Schleich-) Werbung. Das ist für mich nichts dramatisches, aber ich kann schon nachvollziehen, dass es manchen sauer aufstößt. Sähe ich nicht anders, wenn ein Schauspieler für einen Film mit Quentin Tarantino einen Oscar gewänne und in einem Interview dazu dauernd Steven Spielberg erwähnen würde. Macht man halt nicht.
    Dass die Buchhändler aktiv werden/ bleiben müssen, sehe ich genauso, aber zum Einen ist diese Beschwerde doch eine Aktivität und zum Anderen sehe ich persönlich viele Buchhandlungen, die sich ihre Nischen schaffen und so ganz wunderbar auf dem Markt überleben können. Trotzdem haben sie doch ein Recht zu sagen “Was soll das denn jetzt?”. Oder etwa nicht?

    Manchmal sollte man die Dinge einfach mal so lesen, wie sie dort stehen und nicht direkt das Bild eines hysterischen, immer gegen Amazon und Thalia wetternden, im 19. Jahrhundert stehen gebliebenen Kleinbuchhändlers vor sich sehen, der nichts tut außer Klagen. ;-)

    Trotzdem frage ich mich manchmal: Woher kommt deine Abneigung gegen den Buchhandel? Ich lese diesen Blog gerne (zumindest die Buchbeiträge), aber es entsteht oft der Eindruck (erhärtet natürlich durch den Kauf des Kindles), dass du etwas gegen den stationären Buchhandel / andere Anbieter als Amazon hast. Täuscht das?

    • Unhöflich? Mag sein, aber so funktioniert der Markt. Der Buchhandel hat Conni nicht groß rausgebracht, weil er Conni so toll findet. Die Conni-Bücher wurden verkauft wie alle anderen Pixibücher auch. Vermarktet hat sie der Verlag, indem er z.B. POS-Material zur Verfügung gestellt hat, wie etwa diese hübschen Piximänner, in denen die Bücher oft angeboten werden. Daran hat nicht nur der Verlag verdient, sondern auch der Buchhandel. Das wird in der Diskussion gerne vergessen.

      Jetzt bekommt Conni eben einen Amazon-Gutschein geschenkt, mit dem sie sich ja auch eine CD oder ein T-Shirt kaufen könnte. So what? Ist jetzt jeder Autor dem stationären Buchhandel etwas schuldig, weil dieser seine Bücher verkauft?

      Ich finde die Reaktion einfach völlig übertrieben. Natürlich kann man sich daran stören, es wirft aber für mich kein gutes Licht auf die Beschwerdeführer. Auf Amazon schimpfen und “den Feind totschweigen” hat für mich nichts mit “aktiv werden” zu tun. Es kommt kein Kunde mehr in einen Buchladen, dessen Service nicht stimmt, nur weil Amazon (oder jeder andere Anbieter) in dem Buch nicht mehr erwähnt wird. Und übrigens, Werbung, die nicht als solche gekennzeichnet wird, ist Schleichwerbung. ;-)

      Wie du auf die Idee kommst, ich hätte etwas gegen den stationären Buchhandel, frage ich mich aber wirklich. Wo kann man das denn herauslesen? Ich habe oft genug betont, dass ich den stationären Buchhandel lieber unterstütze, dass ich schon ewig und drei Tage eine gute Buchhandlung suche, in der ich mich wohl fühle. Ist aber bisher noch nicht passiert.

      Vom Kauf eines Kindle, den ich im Übrigen gar nicht mehr besitze, wie ich mehrfach erwähnt habe, auf eine Abneigung gegen den stationären Buchhandel zu schließen, finde ich absolut hanebüchen. Zumal ich selbst in einer Buchhandlung gearbeitet habe – und das sehr gerne. Nur war ich eben auch enttäuscht, wie weltfremd man dort oft agiert hat.

      Ich betone also noch einmal, dass ich den stationären Buchhandel gerne unterstütze, deswegen werde ich die Vorteile, die mir z.B. Angebote wie Skoobe bieten, aber nicht verkennen.

      • Hmm, ich verstehe schon auf jeden Fall was du meinst – sehe es aber halt einfach anders. Der Zusatz “Amazon” zum Gutschein, erscheint mir schlicht überflüssig, weswegen ich ihn als Lektor / Verlag / Schriftsteller einfach weggelassen hätte. Ich denke auch nicht, dass Carlsen jetzt zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet ist, man macht sich ja gegenseitig groß. Trotzdem finde ich persönlich es halt nicht nötig, Amazon zu erwähnen. Vor allem in dieser amazonempfindlichen Zeit , hätte ich persönlich (!) es einfach weggelassen.
        Und vielleicht liegt es auch wirklich daran, welche Buchhändler man kennt. Ich kenne halt haupsächlich solche, die dem Verlag schreiben würden “Hört mal Leute, was soll das denn? Muss das sein?” als wütend zu schreien “ICH BOYKOTTIERE EUCH!”.

        Das freut mich sehr zu hören. Ich wollte dich damit auch keinesfalls angreifen, sondern eben deswegen fragen, ob der Eindruck täuscht oder stimmt.
        Ich besitze übrigens auch einen E-Book-Reader und arbeite zudem in einer Buchhandelskette. Für manchen kleinen Buchhändler bin ich also definitiv auf der dunklen Seite der Macht. Die meisten sind da aber viel offener als man denkt und kümmern sich lieber um ihre Facebookseite oder ihre versandkostenfreie Lieferung als um die “Anderen”.

        Und ich bin übrigens ebenfalls dieser aufgebauschten Amazondiskussion überdrüssig. Ich kenne Menschen, die gerne beim Amazon kaufen und deren Beweggründe ich nachvollziehen kann. Alles was ich denen sage ist: “Schaut mal woanders, Amazon ist oft sogar teurer als andere Anbieter, weil sie es sich leisten können.”

        • Ich denke ja auch nicht, dass der Zusatz zwingend nötig wäre. Oder dass Werbung in Kinderbüchern grundsätzlich angebracht ist. Nur finde ich eben, dass die Wahl des Anbieters vor dem Hintergrund der internationalen Freundschaft durchaus realistisch ist.
          Ich will den Verlag da aber auch gar nicht verteidigen. Nicht, dass es noch so rüberkommt, als würde ich den Zusatz bestehen. ;-) Ich kann nur einfach die in meinen Augen übertriebene Reaktion nicht nachvollziehen, denn sie macht den Buchhandel kleiner, als er sein müsste. Für mich war diese Beschwerde einfach kein Zeichen von Stärke.

      • Ach, was mir noch einfiel: Das mit der Suche nach einer guten Buchhandlung kenne ich. Ich meine, als Buchhändlerin kauf ich halt jetzt in “meiner” Filiale, aber sonst finde ich das auch sehr schwierig. Ich liebe schöne, kleine Buchhandlungen, möchte aber halt trotzdem einen guten Service haben (wobei ich nichts übermenschliches erwarte, sondern einfach so Sachen wie eine gewisse Kulanz im Umtausch etc.) und gleichzeitig eine Buchhandlung, in der ich mir nicht so “beobachtet” vorkomme weil sonst nichts los ist. Gar nicht so einfach.

        (Und ich wollte dich mit meiner Nachfrage nicht traurig machen übrigens. Entschuldige, das war nicht meine Absicht!)

        • Ach, da brauchst du dich nicht entschuldigen! So was passiert. Ich lasse mich ja gerne auf Diskussionen ein, bin auch niemandem böse, wenn er anderer Meinung ist als ich. Aber wenn ich falsch verstanden werde, dann wurmt mich das.
          Abneigung ist ja schon ein starkes Wort. Noch dazu Abneigung gegen alle anderen Anbieter als Amazon. Dabei habe ich nirgends geschrieben, dass ich Amazon dem stationären Buchhandel oder anderen Onlineanbietern vorziehe. (Anfangs hatte ich auch kein Partnerprogramm mit Amazon, sondern mit buecher.de. Da ich dann aber selbst einen Kindle kaufte, habe ich das Programm geändert – das ich im Übrigen als Service an den Leser verstehe, der jederzeit selbst entscheiden kann, ob er das verlinkte Buch dort kaufen mag oder nicht.)

          Warum ich mich für einen Kindle entschieden hatte, hatte ich damals auch erzählt. Sogar, dass ich eigentlich gar nicht glücklich damit war, mich damit an Amazon zu binden, dass mir Amazon (zum Zeitpunkt des Kaufs) für mich aber die besten Möglichkeiten bot.
          All das habe ich geschrieben und trotzdem hast du es falsch aufgefasst. Das soll kein Vorwurf an dich sein und ich finde es toll, dass Missverständnisse über die Kommentarfunktion aus der Welt geschafft werden können. Aber es zeigt mir mal wieder, dass letztlich jeder das aus meinen Worten herauslesen kann, was er evtl. herauslesen möchte. Und das finde ich im Zweifel eben traurig.

  6. Ich kann den Buchhandel auf der einen Seite schon ein wenig verstehen. Oder es zumindest nachvollziehen… aber ich denke, Amazon ist schon fast so ein stehender Begriff wie Tempo, O.B., Google etc. Ob dass dem Buchhandel nun gefällt oder nicht. Daher wäre mir die Erwähnung eines “Amazon-Geschenkgutscheins” in einem Buch vermutlich nicht weiter aufgefallen. Häufig findet man ja auch schon in einem Roman ein Iphone, jemand chattet auf facebook oder sonst wie… und die Konkurrenten beschweren sich auch nicht. Ob das jetzt die Globalisierung, Vernetzung oder Schleichwerbung ist…ich möchte das nicht beurteilen müssen.

    • Die Frage, ob Amazon mit Tempo, Google etc. gleichzusetzen ist, habe ich mir auch gestellt. Ich vermute, mir wäre die Erwähnung auch nicht aufgefallen, weil es so völlig normal geworden ist, bei Amazon zu bestellen.
      Dass der Buchhandel damit nicht glücklich ist, kann ich aber auch nachvollziehen. Nur hätte ich das in dem Fall eben einfach geschluckt. Das wäre für mich die weitaus stärkere Reaktion gewesen.

  7. Ich finde, wenn man die Branchennachrichten verfolgt, ist es kein Wunder, dass man eine Abneigung gegen den Buchhandel entwickelt – wobei mir natürlich klar ist, dass man erstens “den Buchhandel” nicht über einen Kamm scheren darf und dass du zweitens gar keine Abneigung gegen den Buchhandel hast, Nina. Andererseits: erst Kindle, dann iPad … wo soll das hinführen? Warum keinen Tolino kaufen, der als die Rettung des Buchhandels gilt (obwohl er ja genau von den Großbuchhandlungen initiiert wurden, die den Sortimentern in Wahrheit das Leben schwermachen)? Ich schweife ab!

    Ich bleib dabei: Ich finde, dass “der Buchhandel” zunehmend hysterischer wird und sich damit eher immer mehr Sympathien verspielt – was mich angeht, ist das zumindest so. Es ist nun mal nicht zu ändern, dass die Dinge im Fluss sind und man auf neue Entwicklungen und Gegebenheiten eben reagieren muss. Das tun meinem Empfinden nach derzeit eher wenige Buchhändler; der Großteil des Buchhandels verschwendet seine Energie auf selbstmitleidiges Jammern, während er weiter an den zwanghaften Strukturen festhält. Aber ich schweife schon wieder ab!! ;)

    In der Tat ist es überflüssig zu erwähnen, dass der Gutschein von Amazon ist. So überflüssig wie die Erwähnung eines iPhones im Speziellen oder von Facebook oder Google. Allerdings sind diese Unternehmen/Geräte inzwischen so in unseren Alltag integriert, dass die Erwähnung beim Lesen überhaupt nicht auffallen würde; erst die Diskussion darüber rückt die Sache richtig den Fokus der Leute.

    • Hysterisch trifft es wohl ganz gut, auch wenn meine Sympathien generell immer noch bei den kleinen Buchläden sind und ich nach wie vor die Hoffnung nicht aufgegeben habe, irgendwann meine Lieblingsbuchhandlung zu finden. Wenn die Zeit es zulässt, komme ich auch heute noch an keiner Buchhandlung vorbei, ohne nicht wenigstens mal zu gucken. Auch wenn ich zurzeit selten Bücher kaufe, weil ich zum einen noch so viele ungelesene Bücher in den Regalen stehen habe. Zum anderen aber ganz klar auch wegen Skoobe. Das Prinzip und die Auswahl sind einfach fantastisch, das kann mir so – leider – kein Buchhändler bieten.
      Allerdings merke ich nach mehreren eBooks auch, dass mir Papier und Tinte irgendwann fehlen. Den Kindle hatte ich gekauft, um eBooks für mich zu testen, das iPad kam dann nicht als Kindle-Ersatz, sondern weil ich es brauchte. Skoobe spielte für die Kaufentscheidung keine Rolle, kam mir aber natürlich sehr gelegen. Solange die App funktioniert, werde ich mir in Richtung eReader also keine Gedanken machen. Trotzdem möchte ich auf einen gesunden Mix aus eBook und Print nicht verzichten. Und dafür brauche ich auch einen guten Buchhändler, der sich – so wie Händler anderer Branchen auch – eben entsprechend umstellen muss.

  8. Man muss ein wenig aufpassen, dass man die Sache nicht zu sehr aufpustet. Dass ein Verlag etwas ändert oder zumindest intern diskutiert, weil es einem oder mehreren Händlern nicht gefällt, ist ein relativ alltäglicher Vorgang. Diese enge Beziehung ist ein wenig anders als in anderen Branchen, wo die Händler weit weniger Einfluss auf das Produkt haben. Nicht selten werden noch Cover oder Titel vor Erscheinen geändert, weil die Resonanz aus dem Buchhandel negativ waren. Das kann man kritisch sehen, aber vor diesem Hintergrund sollte man das “Einknicken” Carlsens bewerten.
    Auch sonst wundere ich mich: Einmal heißt es, es hätten sich nur zwei Buchhändlerinnen beschwert, dann ist die Rede von einem allgemeinen Aufstand und Boycott-Aufrufen. Ja, was nun? Ich habe ein wenig das Gefühl, dass vor dem Hintergrund der albernen Anti-Amazon-Bewegung der Branchenpresse dieser Vorgang ziemlich aufgepuscht wird. Man sollte ein wenig aufpassen, dass man nicht in das Bashing verfällt, das man der Branche derzeit im Bezug auf Amazon (nicht zu Unrecht) vorwirft. Manches muss man tatsächlich aus dem Kontext der Gepflogenheiten innerhalb der Branche bewerten.

    Die Buchhändlerin in mir fand die Amazon-Erwähnung übrigens auch etwas unglücklich. Einmal, weil ich Schleichwerbung in Kinderbüchern nur begrenzt sinnvoll finde und dann wegen des besonderen Verhältnisses der Händler zu dieser Reihe. Das wurde oben ja bereits beschrieben. Man hätte einfach nur “(Buch)gutschein zum Online einlösen” schreiben können. Und gut isses.
    Einen großen Aufreger oder eine Beschwerde wäre es mir aber nicht wert gewesen. Ich denke übrigens auch, dass auch die meisten Händler das relativ entspannt sehen, man hört halt wie immer nur die, die am lautesten schreien.

    • Wie viele Buchhändler sich beschwert haben, kann ich dir leider auch nicht sagen. Ich habe mich nur auf den verlinkten Artikel bezogen, den Buchhandel zu verallgemeinern ist aber sicherlich falsch.

      Dass bei negativer Resonanz Änderungen vorgenommen werden, kommt durchaus auch in anderen Branchen vor und ist ja auch nur verständlich. Diese Entscheidungen werden aber meist nicht nach persönlichem Gefallen getroffen, sondern nach der Frage, was sich besser verkauft. Im Prinzip finde ich das in Ordnung. Schließlich sind die Buchhändler direkt am Kunden, können dem Verlag wertvolles Feedback geben. Denn – das dürfte klar sein – verkaufen wollen beide.

      Diesen speziellen Fall würde ich persönlich allerdings anders beurteilen, da sich hier einfach jemand auf den Schlips getreten fühlt. Da erstaunt es mich dann schon, dass der Verlag so schnell “einknickt”. Besonders, wenn es wirklich nur zwei Buchhändlerinnen gewesen sein sollten.

      Im Übrigen frage ich mich, ob ein “Gutschein zum Online-Einlösen” nicht auch schon problematisch gewesen wäre. Nicht jeder kleine Buchladen hat einen eigenen Online-Shop, unsere Buchhandlung z.B. hatte noch nicht mal eine Website. Mich würde nicht wundern, wenn sich daran nicht auch der eine oder andere gestört hätte.

      Dass Conni im stationären Buchhandel groß geworden ist, kann ich nachvollziehen. Es gibt Artikel, die online nicht so gut funktionieren bzw. Pixi gab es ja lange vor dem Onlinehandel. Ich bin selbst mit Pixi groß geworden. Von einem besonderen Verhältnis zu sprechen, finde ich dennoch schwierig, da hier etwas emotionalisiert wird, das ich persönlich eher unter dem wirtschaftlichen Aspekt betrachten würde. Ich finde auch, dass Werbung in einem Kinderbuch nicht nötig oder angebracht ist, frage ich mich aber eben, ob die Erwähnung zwingend Werbung ist oder ob “Amazon”, wie oben auch schon angesprochen, mittlerweile vielleicht schon auf einer Ebene mit Tempo, Cola etc. zu sehen ist. Würde Conni regelmäßig bei Amazon einkaufen, könnte ich den Ärger verstehen. Bei einem einmaligen Gutschein nicht.

      • Du sagst, dass du es aus rein wirtschaftlicher Sicht siehst. Aber das besondere an der Buchbranche ist eben, dass sie in vielen Bereichen noch persönlicher und nicht rein wirtschaftlich ist. Deshalb gibt es eben auch diese emotionalen Entscheidungen.
        Buchhänder haben zu Conni tatsächlich eine besondere Beziehung, die nicht nur mit “wir haben sie groß gemacht” zu tun hat. Ich kann das schwer beschreiben, das ist vielleicht eines der Dinge, bei denen man vielleicht wirklich tiefer drinstecken muss, um sie ganz zu verstehen.

        Ich weiß nicht ob Amazon schon so weit ist wie Tempo, ich denke es ist auf dem Weg da hin. Und ich denke, das ist genau der Grund, warum die Buchhändler sich daran stören: Jedes Mal, wenn der Firmenname so selbstverständlich erwähnt wird wie Tempo, befördert man diesen Prozess ein wenig mehr. Suchmaschine? Googeln. Coffee to go? Starbucks. Bücher? Amazon. Ich kann schon verstehen, wenn man das als problematisch und unpassend empfindet, wenn das schon der jungen Generation anhand ihrer Lieblingsheldin übermittelt wird.

        Übrigens hätte ich kein Verständnis, wenn das “online” das Problem wäre. Dank der Barsortimente hat jede kleine Buchhandlung die Möglichkeit sich ohne zu viel Aufwand einen Webshop einzurichten. Wer das nicht tut ist tatsächlich selbst schuld.

        Ich fühle mich bei dem Thema wirklich zwischen den Stühlen. Denn einerseits finde auch ich die Aufregung unter den Buchhändlern (wie viele es nun auch sein mögen) übertrieben, aber ich habe auch ein gewisses Verständnis dafür. Ich denke auch, dass der Buchhandel wirklich den Hintern hochkriegen und etwas tun muss, um seine Kunden zu halten, statt zu jammern und mit dem Finger auf andere zu zeigen. Aber es ist auch ein “Kampf” zwischen ungleichen Gegnern.

  9. Aus meiner Sicht wird das Ganze viel zu sehr aufgepuscht. Allein in diversen Buchhandelsgruppen auf Facebook geht es hoch her… Viele Buchhändler fühlen sich wirklich persönlich angegriffen und sehen durch “den Onlinehändler, dessen Namen nicht mehr genannt werden darf” ihren Umsatz und ihr Ansehen in Gefahr.
    Ich sehe das jedoch nicht so. Sicher ist Amazon eine große Konkurrenz, weil’s bequem ist dort alles zu bestellen – nicht nur Bücher. Aber diese “drohende Übermacht” ist auch eine Chance, sich selbst und sein Verhalten als Buchhändler in Frage zu stellen und zu verbessern. Denn wir können nicht gegen Amazon ankommen, aber wir können den Kunden persönliche Beratung und noch viel mehr bieten, was Amazon eben nicht kann. Hat der Onlineriese schon mal eine Lesung auf die Beine gestellt oder andere Aktionen geboten, die den Kunden Spaß machen? Nein. Sie bieten nur Ware (egal welcher Art) gegen Geld. Das Zwischenmenschliche bleibt auf der Strecke und genau das ist der Punkt an dem man als Buchhändler ansetzen muss. Mit der Zeit und dem Kunden gehen, das ist wichtig!
    Und genau deshalb verteufle ich Amazon auch nicht, sondern bin froh darüber, dass er vielen den “virtuellen Tritt” in den Allerwertesten gibt. Und das gilt nicht nur für den stationären Buchhandel, sondern für alle, die irgendwie mit der Branche verbunden sind.

    Das war mein Wort zum Sonntag ;-)

    LG
    Marie

    PS:
    Bisher war mein Titelvorschlag für den nächsten Band ja immer “Conni, Phillip und die ungewollte Schwangerschaft” oder “Conni, Anna und das Komasaufen”, doch nach dieser Diskussion fände ich “Conni, Mändy und der böse Gutschein, der alle in den Ruin treibt” besser. Oder?

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