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[Rezension] Zafón, Carlos Ruiz – Der Mitternachtspalast

Kurzbeschreibung

Die Zwillinge Ben und Sheere wachsen getrennt auf, um sie vor dem unbekannten Verfolger zu schützen. Doch als die beiden sechzehn werden, beginnen die Schrecken von neuem; es kommt zu mysteriösen Todesfällen in ihrem Umfeld. Auf der Suche nach der Wahrheit geraten die Zwillinge immer tiefer in die düstere Unterwelt Kalkuttas. Es beginnt ein grausiges Spiel um Leben und Tod – mit einem Widersacher, dessen Wahn alles Vorstellbare übersteigt…

Rezension

Kalkutta 1932: Um sie vor dem Mörder ihrer Eltern zu schützen, werden die Zwillinge Ben und Sheere kurz nach ihrer Geburt getrennt. Während Sheere an der Seite ihrer Großmutter heranwächst, verbringt Ben die ersten 16 Jahre seines Lebens in einem Waisenhaus. Dort gründet er gemeinsam mit seinen Freunden die Chowbar Society, einen Geheimbund, der sich regelmäßig in einem verlassenen Haus, dem titelgebenden Mitternachtspalast trifft.
An ihrem letzten gemeinsamen Abend, bevor die Jugendlichen das Waisenhaus verlassen müssen, tauchen plötzlich eine alte Frau und ein Mädchen auf. Es stellt sich heraus, dass der Mörder ihrer Eltern den Zwillingen immer noch nach dem Leben trachtet. Gemeinsam wollen die Freunde versuchen, den mysteriösen Mann zu stellen und setzen dabei auch ihr eigenes Leben aufs Spiel…

Carlos Ruiz Zafón war für mich bislang ein absoluter Garant für großartige Literatur. Der Schatten des Windes und Das Spiel des Engels gehören zu meinen liebsten Büchern und auch Zafóns Jugendromane Der dunkle Wächter und Der Fürst des Nebels haben mir sehr gut gefallen.
Mit Der Mitternachtspalast, einem weiteren Jugendroman, der in Spanien bereits 1994 erschienen ist, hat sich Carlos Ruiz Zafón allerdings keinen Gefallen getan. Und mir auch nicht.

Es fängt schon damit an, dass der Roman nicht wie üblich in Europa spielt, sondern in Indien. Daran konnte ich mich anfangs nur schwer gewöhnen und auch wenn ich insgesamt nachvollziehen konnte, warum Zafón seine Geschichte in Kalkutta angesiedelt hat, so hat er es dennoch nicht geschafft, mich vollends in diese Stadt eintauchen zu lassen. Trotz ausführlicher Beschreibungen wurde der Handlungsort für mich einfach nicht greifbar.
Ähnlich verhält es sich auch mit den Figuren. Obwohl auch den Nebenfiguren einprägsame Eigenschaften zugeschrieben wurden, wurde ich mit keinem Charakter so richtig warm. Ehrlich gesagt konnte ich sie bis zum Schluss kaum auseinanderhalten – was sehr wahrscheinlich daran lag, dass ich ab der Hälfte des Hörbuchs auch nur noch mit einem Ohr hingehört habe.

Schuld daran war der schlichtweg katastrophale Aufbau der Geschichte. Der Einstieg erfolgt im Jahr 1916. Wir erleben eine mäßig spannende Verfolgungsjagd, deren Ausgang von vorne herein klar ist. Es folgt ein Sprung ins Jahr 1932, wo wir dieselbe Geschichte noch einmal hören. Diesmal in Form eines Monologs einer Figur, die die Geschichte später (wenn auch etwas abgewandelt) noch einmal erzählt. Dies ist nicht nur völlig sinnfrei, sondern drosselt das Tempo des Romans ungemein, sodass ich recht schnell den Spaß an der Geschichte verloren habe. Selbst das große Finale konnte nichts mehr retten, zumal die Auflösung auch viel zu konstruiert war und einige Ungereimtheiten enthielt.

Sprachlich scheint Carlos Ruiz Zafón sich in den letzten Jahren deutlich gesteigert zu haben. 1994 waren seine Metaphern leider wenig poetisch, unzählige platte Vergleiche sorgen dafür, dass der Schreibstil viel zu überladen wirkt. Gruselstimmung kam jedenfalls keine auf. (Und das sagt jemand, der sich schon bei den ??? fürchtet.) Stattdessen waren viele Szenen unnötig brutal.
Rufus Beck macht seine Sache als Sprecher wie immer sehr souverän, für eine bessere Bewertung reicht es aber leider nicht. Schon alleine, weil ich der Übersetzerin den unsäglichen Plural ,Tunnels‘ nicht verzeihen kann.

FAZIT: Wäre das mein erster Zafón gewesen, hätte ich ziemlich sicher keinen zweiten mehr angefasst.

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Genre: Jugendbuch/Schauerroman • Verlag: Argon Verlag (2011) • ISBN: 9783839850688 • Laufzeit: 503 min. • Sprecher: Rufus Beck • Website des Autors: www.carlosruizzafon.com
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TippDieses Hörbuch gibt es auch bei audible.de.

[Rezension] Gier, Kerstin – Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner

Kurzbeschreibung 

Kati ist mit Felix glücklich, aber nach fünf Jahren hat sich der Alltag in ihr Liebesleben geschlichen – und damit die Zweifel: Ist es überhaupt eine gute Idee, mit ihm alt werden zu wollen? Als sie Mathias kennen lernt und sich in ihn verliebt, wird Katis Leben plötzlich kompliziert. Und turbulent. Besonders, als sie von einer Straßenbahn erfasst wird und im Krankenhaus wieder zu sich kommt. Exakt einen Tag, bevor sie Felix das erste Mal begegnet ist – fünf Jahre zuvor.
Würden Sie alles genauso machen, wenn Sie die letzten fünf Jahre noch einmal leben könnten? Was würden Sie ändern?
Dieses Mal möchte Kati alles richtig machen – und sich für den richtigen Mann entscheiden.

Rezension

Man kennt das ja. The grass is always greener on the other side of the fence. Selten ist man mit dem, was man hat, wirklich zufrieden. Für die Romane von Kerstin Gier gilt das allerdings nicht. Wenn man auf der Suche nach richtig guter, kurzweiliger Unterhaltung ist, kommt man an ihren Büchern einfach nicht vorbei.
Wenn man es dann auch noch ein bisschen ungewöhnlicher mag – umso besser. Denn offensichtlich (und zu meiner großen Freude) hat das Thema Zeitreisen die Autorin nach der Edelstein-Trilogie noch nicht losgelassen und so schickt sie mit der schlagfertigen Kati diesmal eine erwachsene Protagonistin in die Vergangenheit.

Eigentlich ist die Gute seit fünf Jahren glücklich mit Felix verheiratet. Wäre da nur nicht der Alltag, der sich langsam in ihre Beziehung eingeschlichen und dafür gesorgt hat, dass romantische Momente zur absoluten Seltenheit geworden sind. Kati vermisst das Kribbeln im Bauch und so ist es wenig überraschend, dass sie sich Hals über Kopf in den smarten Mathias verliebt.
Doch was soll sie jetzt tun? Felix verlassen? Ein neues Leben mit Mathias anfangen? Das Schicksal nimmt ihr die Entscheidung aus der Hand und wirft sie fünf Jahre in der Zeit zurück. Nach einem Sturz vor die Straßenbahn wacht sie im Krankenhaus auf – einen Tag vor ihrer ersten Begegnung mit Felix.

Wie gewöhnlich sind auch bei diesem Roman Lachtränen garantiert, denn Kerstin Gier hat nicht nur ein Händchen für eine gesunde Mischung aus skurrilen und sympathischen Charakteren, sondern auch für unglaubliche Situationskomik.
Dass schnell absehbar ist, zu welcher Erkenntnis Kati am Ende ihres Abenteuers gelangen wird, ist Nebensache. Einzig, dass Kati lieber mit dem Feuer spielt statt das Gespräch mit Felix zu suchen und ihr altes Leben doch sehr schnell hinter sich lassen möchte, habe ich ihr ein bisschen übel genommen. Aber schließlich ist kein Mensch perfekt und so ganz glaubt Kati ja auch nicht, dass sie tatsächlich in der Zeit gereist ist. Vielmehr redet sie sich hartnäckig ein, in einer Parallelwelt gelandet zu sein, in der sie die Möglichkeit hat, zu verhindern, dass über DIE HOCHZEIT oder DIE TANTE in der Zukunft in Versalien gesprochen werden muss. Dass dabei nicht immer alles glatt läuft, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.

FAZIT: Wie immer umwerfend komisch und leider viel zu kurz.

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Genre: Liebe/Humor  • Verlag: Luebbe (2o11) • ISBN: 9783785760505 • Seiten: 282 • Website der Autorin: kerstingier.com

[Rezension] Strandberg, Mats – Halbes Leben

Kurzbeschreibung

»Verzeih mir! Ich kann nicht sagen, warum. Such mich nicht! Hass mich nicht!« Jakob hat Jessica nur diese kurze Nachricht hinterlassen. Doch Jessica kann Jakob auch nach Jahren nicht vergessen. Warum ist er so plötzlich verschwunden? Natürlich sucht sie ihn, hasst ihn manchmal und hat das Gefühl, nur halb zu leben. Dann stirbt auch noch ihre Großmutter und hinterlässt ihr einen langen Brief: Es ist die Lebensgeschichte, die auf einer Lüge beruhte. Jessica erkennt, dass sie ihr eigenes Leben überdenken muss. Sie schöpft neue Kraft die sie schon bald braucht, um nicht nur das eigene, sondern auch Jakobs Leben zu retten.

Rezension

Seitdem ihre große Liebe Jakob urplötzlich verschwand und ihr nur einen Zettel mit den Worten »Verzeih mir! Ich kann nicht sagen, warum. Such mich nicht! Hass mich nicht!« hinterließ, hat TV-Moderatorin und (ironischerweise) Beziehungsexpertin Jessica völlig den Boden unter den Füßen verloren. Mit Hilfe von Psychopharmaka führt sie auch Jahre später nur noch ein halbes Leben.
Als ihre Großmutter stirbt und ihr einen langen Brief hinterlässt, in dem sie Jessica in ein großes Familiengeheimnis einweiht, beginnt Jessica, ihr Leben zu überdenken. Bis sie eines Tages einem Mann über den Weg läuft, der Jakob zum Verwechseln ähnlich sieht…

Zu glauben, Jakob und Jessica stünden im Mittelpunkt der Geschichte, wäre jedoch ein großer Irrtum, dem ich (Klappentext sei Dank) natürlich erlegen bin. Während die Handlung in der Gegenwart lange Zeit still steht, erfährt der Leser in umfassenden Rückblenden die Lebensgeschichte von Jessicas Großmutter, die erzwungen durch die damaligen Konventionen auf einer großen Lüge beruht.
Zwar ist das Schicksal der Großmutter durchaus interessant, jedoch sind die Bezüge, die Jessica zu ihrem eigenen Leben herzustellen versucht, kaum nachvollziehbar und der historische Erzählstrang wirkt vom eigentlichen Hauptstrang zwischenzeitlich völlig losgelöst.

Über lange Strecken hatte ich das Gefühl, zwei verschiedene Hörbücher parallel zu hören, wobei mir die Geschichte der Großmutter letztlich sogar deutlich besser gefallen hat, da Jessica in der Gegenwart in Selbstmitleid zerfließt und sich durch ungerechtes Verhalten gegenüber ihren Mitmenschen bei mir nicht gerade beliebt machen konnte.
Hinzu kommt, dass sie eine sehr distanzierte Persönlichkeit ist, was in der Kombination mit der kühlen Vortragsweise der Sprecherin dazu führte, dass ich über die gesamte Dauer des Hörbuchs kein Stück mit ihr mitfühlen konnte. Ich mag einfach keine Charaktere, die sich derart hängen lassen und ihr gesamtes Lebensglück nur auf eine einzige Person ausrichten. Zumal auch nie wirklich rüberkam, warum die Beziehung zwischen Jakob und Jessica so besonders sein soll.

8 von fast 10 Stunden passiert daher auch nicht viel, bevor es kurz vor dem Ende mit der (extrem konstruierten) Aufklärung von Jakobs Verschwinden plötzlich so spannend wird, dass ich schon wieder das Gefühl hatte, in einem anderen Hörbuch gelandet zu sein. Historisches Gesellschaftsdrama, Liebesgeschichte, brutaler Thriller – für sich alleine hätten die Geschichten vielleicht funktioniert, die Übergänge sind allerdings so abrupt, dass ich mir gewünscht habe, der Autor hätte sich einfach für ein Genre entschieden.
Insgesamt konnten mich weder der Aufbau des Romans noch die einfache Sprache des Autors überzeugen. Besonders die Tatsache, dass unzählige Sätze mit »Jessica« anfangen, hat meine Nerven ordentlich strapaziert.

FAZIT: Zwei Herzchen für die starke Großmutter. Das lang gezogene Jessiiicaaaa der Sprecherin werde ich aber so bald wohl nicht aus dem Ohr bekommen.


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Genre: Liebe/Drama/Historisch/Thriller • Verlag: RADIOROPA Hörbuch (2011) • Sprecherin: Ursula Berlinghof  • ISBN: 9783836806138 • Laufzeit: 585 min.
Tipp: Dieses Hörbuch gibt es auch bei audible.de.