Archive for the ‘Rezensionen’ Category

[Rezension] Forman, Gayle - Wenn ich bleibe

Freitag, Februar 26th, 2010

Originaltitel: If I stay
Genre: Sonstige Belletristik
Reihe: -
Verlag: Blanvalet (2o1o)
Übersetzung: Alexandra Ernst
ISBN: 9783764503512
Seiten: 270
Website der Autorin: www.gayleforman.com

Kurzbeschreibung

Bleiben oder gehen, lieben oder sterben? Mia muss sich entscheiden: Soll sie bei ihrem Freund Adam und ihrer Familie bleiben - oder ihrer großen Liebe zur Musik folgen und mit ihrem Cello nach New York gehen? Was, wenn sie Adam dadurch verliert?
Und dann ist von einer Sekunde auf die andere nichts mehr, wie es war: Auf eisglatter Fahrbahn rast ein Lkw in das Auto, in dem Mia sitzt. Mit ihrer Familie. Sie verliert alles und steht vor der einzigen Entscheidung des Lebens: Bleiben oder gehen?

Rezension

Nach New York ziehen und dort mit ihrem Cello Karriere machen oder bei der Familie und der großen Liebe in Oregon bleiben?
Eigentlich sollte dies die bisher größte Entscheidung im Leben der 17jährigen Mia werden. Doch ein schrecklicher Autounfall, bei dem ihre Eltern ums Leben kommen und sie und ihr kleiner Bruder lebensgefährlich verletzt werden, stellt das musikalische Ausnahmetalent von jetzt auf gleich vor eine ganz andere Frage: Soll sie ihrer Familie folgen oder soll sie kämpfen? Gehen oder bleiben? Leben oder sterben?

Während Mias Körper auf der Intensivstation im Koma liegt, wandert ihr Geist durch das Krankenhaus, beobachtet ihre Freunde und Verwandte und erinnert sich an entscheidende Erlebnisse ihres jungen Lebens, die dem Leser neben Mias zarter Persönlichkeit auch das innige Verhältnis zu ihren Eltern und ihrem Bruder vor Augen führen. In kurzen, aber intensiv erzählten Episoden erfährt man, wie sich Mias Liebe zu ihrem Cello und zur klassischen Musik entwickelte, wie sie ihren Freund Adam, umschwärmtes Mitglied einer aufsteigenden Punk-Band kennen lernt und wie zwischen den beiden eigentlich so unterschiedlichen Menschen dennoch eine gefestigte Beziehung entsteht.
All diese Anekdoten, die teilweise bis in Mias Kindheit zurückreichen und auch ihre beste Freundin mit einschließen, machen deutlich, wie stark das Band zu ihren Eltern war, wie unbekümmert sie aufgewachsen ist und wie anders ihr Leben nun sein könnte, obwohl es das doch gar nicht dürfte.

Dabei gelingt es der Autorin nicht nur, den Leser mit ihrer warmherzigen, offenen Schreibweise zu fesseln. Auch der Aufbau der Geschichte vermag zu überzeugen. Vergangenheit und Gegenwart greifen so geschmeidig ineinander, dass man nicht – wie so oft – das Gefühl hat, aus der Handlung herausgerissen zu werden, sondern immer tiefer in die Geschichte eintaucht und über die gesamte Erzählung hinweg immer wieder bittere Tränen vergießt.
Denn immer wenn die Entscheidung gefallen scheint, bringt eine Geste, ein Wort, ein Gedanke oder Geschehen sie wieder ins Wanken - völlig nachvollziehbar und ohne aufgesetzt oder konstruiert zu wirken, sodass bis zum Schluss doch relativ unklar ist, wie das Ende ausfallen wird.

FAZIT: Ein aufwühlendes, tieftrauriges, aber wunderschönes Buch, das zeigt, wie kostbar das Leben ist und wie schnell alles vorbei sein kann. Rührend, ohne rührselig zu sein und so glaubwürdig und mitfühlend erzählt, dass man fast schon um die Verstorbenen trauert, obwohl diese doch eigentlich nur erfunden sind.

[Rezension] Bürkl, Anni - Schwarztee

Samstag, Februar 20th, 2010

Originaltitel: -
Genre: Krimi
Reihe: -
Verlag: Gmeiner-Verlag (2oo9)
Übersetzung: -
ISBN: 9783839210239
Seiten: 323
Website der Autorin: www.texteundtee.at

Kurzbeschreibung

Das beschauliche Altaussee im Salzkammergut. In Berenike Roithers neu eröffnetem Teesalon trifft man sich zur Lesung des skandalumwitterten Autors Sieghard Lahn. Doch ein Besucher steht zur Pause nicht mehr auf und schnell ist klar: Der Journalist Robert Rabenstein wurde ermordet.
Kein guter Auftakt für Berenikes beruflichen Neuanfang. Aber als Frau der Tat beschließt sie, selbst Licht ins Dunkel zu bringen - auch wenn sie sich dazu im fernen Wien der eigenen Vergangenheit stellen muss…

Rezension

Um ihr altes, von ihrer Karriere beherrschtes Leben in Wien zu vergessen, wagt Berenike Roither einen Neuanfang in Altaussee im Salzkammergut, wo sie einen kleinen, stilvollen Teesalon eröffnet, in dem es neben gutem Tee auch anspruchsvolle Literatur gibt.
Als bei einer dort veranstalteten Lesung des umstrittenen Autors Sieghard Lahn ein Journalist ermordet wird, ist es mit Berenikes – durch Tee und einen ausgeprägten Hang zur Esoterik – neu gewonnener Ruhe aber erstmal vorbei. Schließlich wurde Robert Rabenstein heimtückisch vergiftet. In ihrem Salon! So gerät Berenike nicht nur ins Visier der Polizei, sondern setzt bei ihren eigenmächtigen Ermittlungen auch ihr Leben aufs Spiel…

Anni Bürkls Erstlingswerk, dessen Kapitel allesamt nach verschiedenen Teesorten benannt sind, ist ungewöhnlich. Schon aufgrund des ganz eigenen Stils der Autorin, die häufig kurze Sätze, knackige Sätze gebraucht und an allen möglichen wie unmöglichen Stellen Anglizismen einstreut. Auf den ersten Blick wirkt das eigenartig, aber nach wenigen Seiten hat man sich bereits damit angefreundet und denkt sich So what?! Englisch und Tee, das passt doch. Und irgendwie spiegelt der etwas sperrige, aber trotzdem angenehme Stil ja auch Berenikes Charakter wider, der zu Beginn sehr schwer zu fassen ist.

Ja, Berenike glaubt an Qi und murmelt gerne mal das eine oder andere Mantra vor sich her, aber so richtig nimmt man ihr ihren Esoterikfimmel nicht ab. Viel zu sehr hat man das Gefühl, dass sie sich bloß in eine andere Existenz flüchtet, um ihre Vergangenheit komplett hinter sich zu lassen. Denn dass dort irgendetwas liegen muss, das sie belastet, wird fast schon zu offensichtlich angedeutet.
Die Auflösung allerdings entschuldigt Berenikes sprödes Auftreten, erklärt, warum es ihr beim Anblick gut aussehender Männer sehr schnell im Schoß zieht und macht sie zu einer interessanten, ganz besonderen Figur. Vertieft wird dies noch durch ihre schwierige Kindheit mit jüdischen Vorfahren und das angespannte Verhältnis zu ihren Eltern, das ebenfalls angerissen wird.

Auf gerade mal etwas über 300 Seiten hat die österreichische Autorin also einiges untergebracht, etwa auch ein Teebrevier, politische und historische Aspekte sowie ein paar weitere Leichen. Dabei geht der Kriminalfall aber fast schon etwas unter, denn auch wenn die Motive für die Morde nachvollziehbar und gut durchdacht sind, kommen die Opfer etwas unglaubwürdig ums Leben und auch die Polizei macht bei ihren Ermittlungsarbeiten keinen guten Eindruck.

Das alles ändert aber nichts daran, dass ich mich jetzt schon auf Berenikes 2. Fall freue, der im Herbst dieses Jahres unter dem Titel »Ausgetanzt« erscheinen wird.

FAZIT: Ein etwas anderer, atmosphärischer und intelligenter Krimi – nicht nur für Teeliebhaber.

[Rezension] Schweikert, Ulrike - Das Herz der Nacht

Montag, Januar 18th, 2010

Originaltitel: -
Genre: Phantastik
Reihe: -
Verlag: Lyx (2oo9)
Übersetzung: -
ISBN: 9783802582233
Seiten: 478
Website der Autorin: www.ulrike-schweikert.de

Kurzbeschreibung

Wien im 19. Jahrhundert. In den Salons des Hofadels und der schönen Fürstin Therese Kinsky wird der Vampir András Petru Báthory von den Damen umschwärmt. Da erschüttert eine grausame Mordserie die Kaiserstadt, und András gerät unter Verdacht. Die Schlinge zieht sich zu. Als es fast zu spät ist, erkennt er, dass nicht nur seine Existenz auf dem Spiel steht. Ein Wettlauf beginnt, um die zu retten, die er liebt…

Rezension

Die Nacht narrt unsere Sinne gern in ihrer Düsternis. (Seite 117)

Gefangen in einer lieblosen Ehe und den Konventionen des Wiener Adels, verfällt Fürstin Therese Kinsky nur zu leicht dem Charme des Grafen Báthory; weckt der geheimnisvolle und attraktive Mann doch längst vergessene Gefühle von jugendlicher Leidenschaft.
Auch Sophie, die blinde Tochter der Pianistin Karoline Wallberg findet Gefallen an András, der nach Tod riecht und nach Einbruch der Nacht bei ihrer Mutter Klavierstunden nimmt.
Was niemand weiß: András ist ein jahrhundertealter Vampir, der fernab seiner Heimat Transsylvanien eine unauffällige Existenz plant. Doch eine Mordserie, deren Opfer stets mit aufgerissenen Kehlen aufgefunden werden, macht ihm einen grausamen Strich durch die Rechnung, denn der Mörder scheint keineswegs menschlicher Natur…

In »Das Herz der Nacht« nimmt Ulrike Schweikert ihre Leser mit auf eine schaurig-schöne Reise, die im Wien des 19. Jahrhunderts beginnt und mit dem Großen Brand in Hamburg endet.
Ausgiebige Recherche und bildstarke Beschreibungen lassen sowohl die damalige Gesellschaft mit ihren prunkvollen Bällen als auch das bunte Treiben in den Straßen und Gassen der Donaumetropole lebendig werden und bieten eine gelungene Kulisse für die Geschichte um den einnehmenden Vampir, dessen menschliche Neigungen ihm zum Verhängnis werden sollen.

Neben der vortrefflichen Zeichnung der Handlungsorte und des Sittengemäldes des Hofadels, sind der Autorin ihre Figuren besonders gelungen, denn diese sind – anders als in vielen anderen Vampirromanen - nicht bloß blutleere Abziehbilder, sondern überzeugen durch ihre charakterliche Tiefe, die in ihren persönlichen Dramen wurzelt.
Besonders die scharfzüngige Fürstin Therese wächst dem Leser schnell ans Herz, indem sie mit ihrer offenherzigen Kritik an der Arroganz des Adels für Witz und Schwung sorgt. Ihr ist es nur zu gönnen, dass sie in der Gegenwart von András noch einmal richtig aufblüht.
Aber auch Karoline und Sophie nehmen den Leser sogleich für sich ein, alleine schon deshalb, weil sich durch ihr Auftreten ein Dreiecksverhältnis entspannt, das den Roman über eine einfache Liebesgeschichte hinausgehen lässt.
Und auch András ist ein interessanter Charakter, der endlich mal wieder Merkmale eines klassischen Vampirs aufweist, etwa indem er in einem Sarg schläft.

Die an das 19. Jahrhundert angepasste Sprache runden den Roman und dessen düstere Grundstimmung angenehm ab, jedoch drosseln allzu steife Formulierungen und ausschweifende Beschreibungen der Umgebung phasenweise das Lesetempo.
Allerdings nicht mehr gegen Ende des Buches, denn während die Geschichte bis zum großen Finale in Hamburg zwar nicht langweilig, aber doch eher ruhig und von unterschwelliger Spannung geprägt war, kommt plötzlich ein Zeitsprung, der sich nicht ganz so nahtlos an die vorangegangene Erzählung anfügen mag, die nunmehr etwas hektisch wirkt und in einer eher unbefriedigenden Auflösung des Rätsels gipfelt.

Nichtsdestotrotz ist »Das Herz der Nacht« allerdings ein niveauvoller Gruselroman, der Emotionen weckt und so manche angenehme Gänsehaut beschert.

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[Rezension] Dierssen, Oliver - Fledermausland

Montag, Januar 11th, 2010

Originaltitel: -
Genre: Phantastik
Reihe: -
Verlag: Heyne (2oo9)
Übersetzung: -
ISBN: 9783453266636
Seiten: 448
Website des Autors: -

Kurzbeschreibung

Sebastian Schätz, Anfang zwanzig, treibt eher planlos durch Hannover. Seine Freundin Kim ist zwar überirdisch schön, hält ihn aber noch auf Abstand. Also ist für Sebastian Priorität Nummer eins, Kim ganz für sich zu erobern. Doch auf einmal häufen sich die seltsamen Ereignisse: Zuerst muss er sich nachts gegen eine Fledermaus wehren, und zwar nackt. Dann vermasselt ihm auch noch ein Vampir das lang ersehnte Date mit Kim. Als er schließlich von einem unheimlichen Hausgeist und ein paar korrupten Zwergen entführt wird, dämmert Sebastian Schätz so langsam, dass er da in etwas hineingeraten ist: Ist die Welt völlig verrückt geworden oder nur er selbst? Für Sebastian beginnt die längste und wildeste Nacht seines Lebens. Er muss nicht nur sein, sondern auch Kims Leben verteidigen - und am Ende ist nichts mehr, wie es einmal war…

Rezension

Ich bin ein Kabinenimsitzenpinkler und stehe dazu. (S. 67)

Eigentlich sollte er in Hannover studieren. Studenten mag Sebastian Schätz aber nicht. Und außerdem ist in seinem Kopf eh kein Platz mehr für etwas anderes als Kim, die Frau seiner (unerfüllten) Träume.
Infolgedessen arbeitet er als Aushilfe in einem Asiamarkt mit dubiosen Lebensmittelangeboten und lebt so vor sich hin - bis der nächtliche Überraschungsbesuch einer kleinen Fledermaus seinen sonst eher geruhsamen Alltag völlig durcheinander bringt. Lange Zeit, darüber nachzudenken, ob er vielleicht den Verstand verloren hat, bleibt Sebastian allerdings nicht, denn plötzlich wollen die skurrilsten Gestalten ihm und Kim an den Kragen…

Der Einstieg in die Geschichte ist leider wenig gelungen. Zu ausschweifend, zu belanglos, zu sprunghaft in der Satzstellung. Nach etwa 70-80 Seiten hat man allerdings das Gefühl, der Autor habe nun genug Schwung geholt und die Geschichte kommt endlich kräftig ins Rollen.
GEZ-Zwerge, Oger, leichenknabbernde Männer im Spülschrank… Wer hätte gedacht, dass Hannover ein Tummelplatz für allerhand bizarre Fabelwesen ist?
Sebastian jedenfalls nicht. Der will auch nach einem sehr realen Zusammenstoß mit einem Vampir nicht wirklich an dessen Existenz glauben und sucht nach logischen Erklärungen, was ihn – im Gegensatz zu herkömmlichen Helden, die immer wenig realistisch jede noch so wahnwitzigen Situation einfach hinnehmen – sehr menschlich und sympathisch macht.

Basti ist eben ein Antiheld. Ein liebenswerter Chaot, der so verschossen ist in seine Kim, dass er selbst im tiefsten Schlamassel nur an ihr Wohlergehen denkt. Das kann zwar hier und da ermüdend sein, ist aber immerhin konsequent. Ebenso wie sein Unvermögen, etwas auf die Reihe zu kriegen. Da kann er noch so große Töne spucken, am Ende bekommt er doch wieder nur selbst eins auf die Mütze.

Erzählt wird die Geschichte sehr umgangssprachlich, was sie auf der einen Seite entsprechend lebendig macht, andererseits aber auch ziemlich seicht. Zum Ende hin muss man aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse allerdings doch noch etwas konzentrierter lesen, um die Beweggründe der einzelnen Charaktere nachvollziehen und den spannenden, teils sehr überraschenden Wendungen folgen zu können.
Schade nur, dass der ein oder andere Faden auch nach Abschluss der knapp 450 groß bedruckten Seiten noch etwas lose in der Luft hängt. Möglicherweise Material für eine Fortsetzung?

Genügend außergewöhnliche, haarsträubende und vor allem unglaublich komische Einfalle hat der Autor jedenfalls. Das muss man ihm lassen. Selten begegnet man so unglaublich vielen verrückten Figuren, die die Lachmuskeln mal wieder so richtig ordentlich strapazieren.

FAZIT: Dranbleiben lohnt sich. Besonders auch zu empfehlen für Fans von Christopher Moore.

Tipps: Leseprobe | Interview mit Oliver Dierssen

[Rezension] Gier, Kerstin - Saphirblau. Liebe geht durch alle Zeiten

Donnerstag, Januar 7th, 2010

Originaltitel: -
Genre: Fantasy
Reihe: Zeitreise-Trilogie (2)
Verlag: Arena (2o1o)
Übersetzung: -
ISBN: 9783401063478
Seiten: 395
Website der Autorin: -

Kurzbeschreibung

Gideon und Gwendolyn sind bis über beide Ohren verliebt. Doch Liebe unter Zeitreisende birgt ungeahnte Tücken. Gut, dass Gwendolyn jede Menge Ratgeber an ihrer Seite weiß, sei es nun ihre beste Freundin Leslie oder Geisterfreund James. Nur Xemerius, ein leicht anhänglicher Wasserspeier, sorgt eher für Turbulenzen, als dass er hilft. Und als Gideon und Gwendolyn ein weiteres Mal in die Fänge des Grafen von St. Germain geraten, wird ihre Liebe auf eine harte Probe gestellt…

Rezension

»Beziehungen zwischen zwei Zeitreisenden haben noch nie unter einem guten Stern gestanden,« sagte er. »Ebenso wenig wie Beziehungen zwischen den Familien der de Villiers und den Montroses. Und in Zeiten wie diesen muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass man im Grunde niemanden trauen kann.« (Seite 224)

So ganz glücklich ist Gwendolyn mit der Tatsache, dass sie plötzlich zu einem mysteriösen Geheimbund von Zeitreisenden gehört, immer noch nicht. Doch sie tut, was sie kann. Während ihre beste Freundin Leslie mittels (Internet)Recherche so viele nützliche Informationen wie möglich zusammenstellt, versucht sie, die Sticheleien ihrer eifersüchtigen Cousine Charlotte auszublenden und stellt sich ihren Pflichten als ‚Rubin‘ im Kreis der Zwölf. Auch wenn sie noch nicht richtig weiß, welche Rolle sie in der ganzen Sache eigentlich spielt.
Aber zum Glück ist da ja Gideon, der ihr zwar immer wieder erschreckend feindselig begegnet, aber irgendwie doch an ihr interessiert zu sein scheint. Warum sollte er sie sonst andauernd küssen wollen?

Während für den Leser unsagbar lange Monate vergangen sind, in denen er auf die Fortsetzung warten musste, ist für Gwendolyn und Gideon die Zeit stehen geblieben, denn »Saphirblau« setzt genau dort an, wo »Rubinrot« aufhörte – beim Kuss unserer beiden Hauptfiguren. Womit auch schnell klar ist, dass die Liebe und die mit ihr verbundenen Irrungen und Wirrungen entsprechend viel Platz in der Geschichte einnehmen werden.
Aber auch über die vermeintlichen Ziele der Wächter, die möglichen Umstände des Diebstahls des zweiten Chronografen und den unheimlichen Grafen von Saint Germain erfahren wir mehr. Allerdings nicht viel, denn auch am Ende diesen Bandes tappt man als Leser noch ziemlich im Dunkeln und von den Versuchen, die Zusammenhänge richtig zu deuten, schwirrt einem auch schnell mal der Kopf; wie auch vom Auftreten der vielen unterschiedlichen Personen. Hier sorgt jedoch ein angehängtes Personenverzeichnis für Abhilfe und wiederholende Ausführungen zu den Geschehnissen aus dem ersten Teil erleichtern glücklicherweise den Wiedereinstieg in die Geschichte.

Nichtsdestotrotz ist die Lektüre, wenngleich der Stil flüssig ist wie eh und je und die Seiten nur so dahin fliegen, schon ein wenig kompliziert. Und auch die Zeitreisethematik wirkt im Vergleich zum Vorgängerband wesentlich komplexer. Nicht selten fragt man sich, ob bestimmte Vorgänge überhaupt noch logisch sind. Da Zeitreisen im Grunde aber ohnehin ein Paradoxon sind, sollte man diesen Aspekt allerdings nicht allzu kritisch sehen. Denn, wie die Autorin auch selbst in einem Interview verriet, bleiben »bei allen Bemühungen, wohl immer ein paar kleine Haken« übrig.

Dank des urkomischen Humors und der liebenswerten und lebensechten Charaktere - wie etwa den sehr an einen (aus dem Verkaufsfernsehen bekannten) Modedesigner erinnernden Mr. Giordano - kann man etwaige logische Stolpersteine aber sowieso getrost übersehen. Stattdessen lacht man bei einem Auftritt Gwendolyns auf einer Soirée Tränen, fühlt ihre Schmetterlinge im Bauch und verliebt sich gefährlicherweise nicht nur in Gideon, sondern auch in Xemerius, den vorlauten Wasserspeierdämon, der Gwen neuerdings auf Schritt und Tritt begleitet.

Das Ende wird für viele Leser wahrscheinlich reichlich unbefriedigend sein, da die beiden Hauptstränge ziemlich unerwartet enden. Jedoch haben Gwendolyn und Gideon auch diesmal wieder eine Zeitreiseetappe hinter sich gebracht und ihre jeweiligen Aufgaben mehr oder weniger erfolgreich erfüllt. Aus diesem Grund kann man – im Hinblick darauf, dass es sich eben um den zweiten Teil einer Trilogie handelt – schon von einem runden Ende in Bezug auf diesen Abschnitt sprechen.
Und wer nach den knapp 4oo Seiten immer noch nicht genug hat, kann sich bis zum Erscheinen der Fortsetzung ja an dem Zahlencode versuchen, der auf der letzten Seite zu finden ist und der einen Hinweis auf die kommenden Entwicklungen geben könnte. Oder das Buch einfach immer wieder zur Hand nehmen und die wunderschöne Aufmachung bewundern, die auch diesmal wieder ein wahrer Augenschmaus ist.

FAZIT: Eine süffige und höchst amüsante Mischung aus erstem Herzklopfen, mysteriöser Fantasy und spannendem Krimi, die – wie schon der erste Teil – Jung und Alt begeistern und den September herbeisehnen lassen wird, in dem mit »Smaragdgrün« der Abschluss der Reihe erscheinen wird.

Tipps: Interview mit Kerstin GierRezension zu »Rubinrot«

[Rezension] Hub, Ulrich & Mühle, Jörg - An der Arche um Acht

Sonntag, Januar 3rd, 2010

Originaltitel: -
Genre: Kinderbuch
Reihe: -
Verlag: Dtv (2009)
Übersetzung: -
ISBN: 9783423713924
Seiten: 85

Kurzbeschreibung

Pinguine streiten gerne. Auch über die Frage nach Gott. Ist der liebe Gott wirklich lieb? Sieht er alles? Oder gibt es ihn vielleicht gar nicht? Noch während die drei Pinguine debattieren, beginnt es zu regnen: Die große Sintflut kommt. Zwei Tickets für die Arche Noah sind noch zu kriegen. Aber was ist mit dem dritten Pinguin? Die watschelnden Vögel fassen einen waghalsigen Plan…

Rezension

Das Ticket berechtigt nur zur Beförderung. Ein Anspruch auf einen Sitzplatz besteht nicht. Der Weiterverkauf von Tickets ist untersagt. Nach der Sintflut verlieren die Tickets ihre Gültigkeit. (Seite 25)

In einer Gegend, die nur aus Schnee und Eis besteht, gleicht im Leben der drei Pinguine ein Tag dem anderen. Als sich jedoch ganz überraschend ein gelber Schmetterling in die Einöde verirrt, den der kleinste der Pinguine unbedingt abmurksen möchte, entbrennt eine heftige Diskussion zwischen den drei Freunden über die Existenz Gottes.
Während die beiden größeren Pinguine Gott als allmächtigen Schöpfer verstehen, der sich eine Menge Regeln ausgedacht hat, die man besser befolgt, stört sich der kleine Pinguin ganz unfromm an Gottes Unsichtbarkeit, die für ihn ein klarer Nachteil ist. Da sich das Trio einfach nicht einigen kann, gipfelt der Streit darin, dass der kleine Pinguin die beiden anderen wutentbrannt zurücklässt.

Kurz darauf bekommen die beiden Großen Besuch von einer Taube, die ihnen verkündet, dass Gott genug hat von den Streitigkeiten auf Erden und daher eine Sintflut schickt, um die Welt auszulöschen und noch einmal von vorne anzufangen. Nur jeweils zwei Tiere einer Art sollen sich um Acht an der Arche Noah einfinden, um dem Tod in den Fluten zu entrinnen.
Die Pinguine willigen ein, doch was ist mit ihrem Freund? Den können sie – trotz aller Zankerei – doch nicht einfach zurücklassen.
Und so schmuggeln sie den Kleinen einfach auf die Arche und sorgen damit für einige Aufregung…

Ursprünglich handelt es sich bei der Geschichte um ein Theaterstück, das unter der Regie des Autors 2006 uraufgeführt und seitdem – ebenso wie die Hörspielfassung – mehrfach ausgezeichnet wurde.
Unbeschwert und unaufdringlich lässt Ulrich Hub seine Pinguine philosophische Fragen aufwerfen, die irgendwann wohl jedes Kind einmal stellt: Wer ist Gott? Wo ist er? Und warum kann man ihn nicht sehen?
Kindgerecht und vor allem auf höchst amüsante Weise versucht er, Antworten zu geben, ohne dabei eine bestimmte Auffassung in Stein zu meißeln, denn letztlich sind alle gebotenen Ansätze frei interpretierbar und stehen – besonders im Hinblick auf das unkonventionelle Ende – vielleicht auch nicht immer ganz im Einklang mit dem, was die Kirche predigt.

Neben dem ausgesprochen ulkigen Schreibstil voller Wortwitz und spritziger Dialoge sind es besonders die wunderbar herzigen Illustrationen von Jörg Mühle, die dieses 85 Seiten starke Büchlein zu einem süßen und intelligenten Leseerlebnis machen.
Einziger Kritikpunkt ist ein Logikfehler am Schluss, der zwar erzählerisch seine Berechtigung hat, aber letztendlich eben doch ein Fehler bleibt.

FAZIT: Eine kleine, aber feine Geschichte über Freundschaft, Glaube und Toleranz, die auch bei großen Lesern Anklang finden dürfte.

Tipp: Ein Blick ins Buch

[Rezension] Sedgwick, Marcus - Das Buch der toten Tage

Sonntag, Januar 3rd, 2010

Originaltitel: The Book of Dead Days
Genre: Jugendliteratur
Reihe: Boy & Willow (1)
Verlag: Dtv (2007)
Übersetzung: Friedrich Kur
ISBN: 9783423622943
Seiten: 317
Website des Autors: www.marcussedgwick.com

Kurzbeschreibung

Boy, ein Junge ohne Namen und Vergangenheit, ist Assistent des launischen, aber genialen Magiers Valerian. Als sein Herr immer unberechenbarer wird, ahnt Boy, dass er vor etwas unvorstellbar Fürchterlichem Angst hat. Boy hat Recht: Valerian hat einen verhängnisvollen Pakt mit den Mächten des Bösen geschlossen. Nur das mysteriöse Buch der toten Tage kann ihn jetzt noch retten.

Rezension

Jetzt, in den wenigen Tagen, bevor das neue Jahr anbrach, herrschte eine Art Ruhe vor dem Sturm. (Seite 134)

Bevor der mysteriöse Valerian ihn unter seine Fittiche genommen hat, lebte Boy auf der Straße. Nun hat der namenlose Junge als Famulus des Magiers zwar ein Dach über dem Kopf, aber ein glückliches Leben ist ihm dennoch nicht vergönnt, denn sein exzentrischer Meister behandelt ihn wie einen Leibeigenen.
Gegen Ende des Jahres wird Valerians Verhalten immer merkwürdiger. Der große Magier scheint sich vor etwas zu fürchten. Und tatsächlich: Valerian hat einen Pakt mit dem Bösen geschlossen. Ihm bleiben nur noch wenige Tage, um ein magisches Buch zu finden, das sein Leben retten könnte. Gemeinsam mit Boy und dem Waisenmädchen Willow begibt er sich auf eine schaurige Suche, die sie immer weiter in die Dunkelheit führt…

Zeitlich spielt das Buch während der so genannten toten Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr, in einer unbenannten Epoche, in der elektrisches Licht noch eine seltene Ausnahme ist.
Auch ein genauer Handlungsort wird dem Leser nicht verraten, jedoch erzählt der Autor im Vorwort, dass er sich von den Pariser Katakomben, dem Kanalsystems Bolognas und den Krakauer Friedhöfen inspirieren ließ und so ist der Schauplatz der Geschichte eine gelungene Mischung aus den genannten Orten, deren morbider Anstrich für eine gruselige Grundstimmung sorgt.
Hinzu kommen blutige Morde und die Frage, ob der undurchsichtige Valerian nur ein geübter Illusionist ist, der auf der Bühne mit Täuschungen und Tricks arbeitet, oder ob er tatsächlich über magische Fähigkeiten verfügt, so wie es manches Mal den Anschein hat. Ohnehin sind er und sein ehemals guter Freund Kepler, Naturphilosoph und Astrologe, die interessanteren Figuren in dem Roman.
Die etwa 15jährigen Boy und Willow, zwischen denen sich schnell zarte Bande entwickeln, sind zwar durchaus sympathisch und wecken das Mitgefühl des Lesers, bleiben als eigentliche Hauptfiguren aber noch etwas blass.

Auch der Plot ist anfänglich nicht allzu komplex. Zwar werden schnell einige Fragen aufgeworfen, Hinweise für mögliche Entwicklungen werden aber erst gegen Ende gestreut. Bis dahin verfolgt man eine etwas eigentümliche, dafür aber wunderbar gruselige Suche nach dem rätselhaften Buch der toten Tage, die in einem dramatischen Kampf unter der Erde gipfelt, bei dem sich die Ereignisse etwas überschlagen und man leicht den Überblick verliert, wer denn nun gut, und wer böse ist.

Neben der düsteren Atmosphäre und der Kürze der Kapitel ist es vor allem der anschauliche Schreibstil, der dazu beiträgt, dass sich das Buch sehr zügig lesen lässt. Zum Ende hin geht es dann aber etwas zu schnell, denn die Morde bleiben ungeklärt und auch Boys Herkunft sowie die Absichten diverser Figuren werden wohl erst in der Fortsetzung, die 2oo7 unter dem Titel »Bei Einbruch der Nacht« erschienen ist, näher beleuchtet.

FAZIT: Ein kurzes Abenteuer für zwischendurch, das vom Gruselfaktor sicherlich auch für Erwachsene geeignet sein dürfte.

[Rezension] Nicholls, David - Zwei an einem Tag

Sonntag, November 29th, 2009

Originaltitel: One day
Genre: Liebesromane
Verlag: Kein & Aber (2oo9)
Übersetzung: Simone Jakob
ISBN: 9783036955421
Seiten: 541
Website des Autors: www.david-nicholls.de

Kurzbeschreibung

20 Jahre. 2 Menschen. 15. Juli 1988. Emma und Dexter, zwei eigentlich füreinander bestimmte Menschen, begegnen sich mit zwanzig zum ersten Mal. Schon am nächsten Tag trennen sich ihre Wege. Wo werden sie am 15. Juli ein Jahr später sein und wo das Jahr danach? Werden sie zusammenkommen?

»Und - was ist mit Ihnen passiert?«
»Das Leben. Das Leben ist passiert.« (Seite 378)

Rezension

15. Juli 1988: Nach der Collageabschlussfeier landen Dexter Mayhew und Emma Morley miteinander im Bett. Obwohl die beiden Zwanzigjährigen unterschiedlicher nicht sein könnten und jeder am nächsten Morgen in ein komplett neues Leben starten wird, beschließen sie, Freunde zu werden – was ihnen trotz zwischenzeitlicher Funkstille auch tatsächlich gelingt.
Über zwei Jahrzehnte hinweg darf der Leser die Höhen und Tiefen dieser Freundschaft nun verfolgen. Jahr für Jahr gewährt uns der Autor jeweils am 15. Juli einen Einblick in das Leben der beiden Hitzköpfe, lässt uns ihre Sehnsüchte nachempfinden, ihre Freude teilen und mehr als einmal ihre Fehler verfluchen, die das so sehr gewünschte Happy End immer wieder verhindern.

Genau diese Fehler sind es allerdings, die das Buch so realistisch machen. »Zwei an einem Tag« ist keine rosarote Herzschmerzromanze im Stile von Pilcher oder Sparks, sondern eine erstaunlich kitschfreie und dennoch warmherzige, kluge Geschichte, wie sie sonst eigentlich nur das Leben schreibt. Und da läuft bekanntlich nicht immer alles so, wie man es gerne hätte.
Auch Emma und Dexter sind keine perfekten Romanhelden, die sämtliche Erwartungen des Lesers umgehend erfüllen. Beiden spielt das Leben immer wieder übel mit, überhäuft sie mit Problemen und Sorgen, die man nur allzu oft wiedererkennt.
Die spröde, intelligente Emma muss viel zu schnell erleben, wie ihre früheren Ideale auf der Suche nach ihrem Platz im Universum bald schon in Vergessenheit geraten und dass auch ein ausgezeichneter Abschluss und eine sichere Beziehung keine Garantie für ein glückliches Leben sind.
Dexter wiederum ist zwar weniger gescheit, weiß sich dafür aber gut zu verkaufen. Der charmante Frauenheld aus gutem Elternhaus führt zunächst ein aufregendes Jet-Set-Leben, doch auch Spaß und Erfolg können seine innere Leere nicht füllen; ebenso wenig wie Alkohol und Drogen, die ihn nach und nach zu zerstören drohen.

Es mag an der ausführlichen Beschreibung der Charaktere liegen oder an der Tatsache, dass man knapp zwanzig Jahre ihres Lebens miterlebt. Was auch immer der Grund dafür ist, ich habe mich Romanfiguren selten so nah und verbunden gefühlt wie Dexter und Emma. Ihr – immer wieder überraschendes – Schicksal wird so intensiv und einfühlsam geschildert, dass es schwer vorstellbar ist, dass diese beiden Figuren tatsächlich nur auf dem Papier existieren.
So habe ich jede einzelne der eng bedruckten 541 Seiten – auch dank der angenehmen, fließenden Sprache des Autors – geradezu inhaliert, die Charakterstudien und die tragische, wunderschöne Liebesgeschichte genossen und irgendwo im letzten Drittel angefangen, Rotz und Wasser zu heulen. So sehr, dass ich das Buch lieber nicht weiter in der Bahn lesen wollte, sondern die Lektüre auf den Feierabend zu Hause verschoben habe, damit niemand sieht, dass ich schon wieder verstohlen zum Taschentuch greife.
Trotzdem habe ich jeden Moment mit dem Buch ausgekostet und hatte am Ende, als sich der Schluss nicht länger herauszögern ließ, das Gefühl, zwei sehr gute Freunde zurücklassen zu müssen.

FAZIT: Pointiert, leicht und zugleich schwermütig, amüsant und gleichzeitig tieftraurig. Eine der schönsten, wenn nicht gar die schönste Liebesgeschichte, die ich je gelesen habe und die mich über die letzte Seite hinaus noch lange Zeit beschäftigt hat.

[Rezension] Wright, Jason F. - Die Mittwochsbriefe

Mittwoch, Oktober 28th, 2009

Originaltitel: The Wednesday Letters
Genre: Liebesromane & Frauenliteratur
Reihe: -
Verlag: Heyne (2008)
Übersetzung: Marie Rahn
ISBN: 9783453266094
Seiten: 285
Website des Autors: www.jasonfwright.com

Kurzbeschreibung

Fast vierzig Jahre waren Jack und Laurel verheiratet, als sie in derselben Nacht Arm in Arm sterben. Die drei erwachsenen Kinder kommen zum Begräbnis im Elternhaus zusammen - und entdecken im Keller ein Vermächtnis: Tausende von Briefen, die der Vater jeden Mittwoch an die Mutter schrieb. Wunderbare Briefe voller Liebe und Gefühl. Und ein Brief, der ein schreckliches Familiengeheimnis offenbart.

Rezension

In einer einzigen Nacht verlieren die drei Cooper-Geschwister beide Elternteile und finden sich im Zuge der Beerdigung seit langer Zeit wieder in ihrem Elternhaus ein: Matthew, der Vorzeigesohn, der verzweifelt versucht, Nachwuchs zu bekommen, Samantha, eine allein erziehende Polizistin mit schauspielerischen Ambitionen, und Malcolm, das schwarze Schaf der Familie, der vor Jahren nach Brasilien geflüchtet war; zum einen, um einem drohenden Gefängnisaufenthalt zu entgehen und zum anderen, um Abstand von seiner Jugendliebe Rain zu gewinnen, die mittlerweile einen neuen Freund hat.
Im Keller der kleinen Pension, die ihre Eltern führten, finden Matthew, Samantha und Malcolm tausende an die Mutter adressierte Briefe von ihrem Vater – die Mittwochsbriefe.
Anfangs noch zurückhaltend machen die Geschwister sich daran, die Briefe zu sortieren und nach und nach zu lesen. Dabei erfahren sie nicht nur mehr über ihre Eltern und deren fast 40jährige Ehe, sondern stoßen auf ein dramatisches Familiengeheimnis, das bislang Selbstverständliches plötzlich in Frage stellt…

Anders als zu erwarten wäre, spielen die titelgebenden Briefe eine verhältnismäßig geringe Rolle. Zwar offenbaren sie besagtes Familiengeheimnis, ansonsten sind es jedoch mehr oder weniger belanglose, unchronologische Liebesbekundungen, manche rührend schön, andere fast schon kitschig, selbst geschriebene, sehr religiös angehauchte Liedtexte oder Anekdoten, etwa von einem Besuch in Graceland, die Laurel eigentlich selbst auch miterlebt hatte.
Deutlich im Vordergrund steht stattdessen das Verhältnis der Geschwister untereinander, vor allem aber Malcolm, die eigentliche Hauptfigur der Geschichte. Er steht nicht nur mit dem Gesetz in Konflikt und hat immer noch sehr starke Gefühle für Rain, sondern ihn trifft ein Ereignis in der Vergangenheit seiner Eltern auch deutlich heftiger als Matthew und Samantha.

Leider waren sämtliche Auflösungen und Entwicklungen allerdings so vorhersehbar, dass ich an keiner Stelle auch nur ansatzweise überrascht war und auch die Charakterzeichnung wirkte besonders in Bezug auf Jack und Laurel reichlich überzogen. So werden sie nicht nur von ihren Kindern, sondern auch auf diversen Trauerveranstaltungen von sämtlichen Personen, die im Laufe ihres Lebens in irgendeiner Weise mit ihnen zu tun hatten, als perfektes Ehepaar dargestellt, dessen Liebe, Nächstenliebe und vor allem Fähigkeit, zu verzeihen, einfach grenzenlos war. Hierbei wird Laurel wird fast schon als eine Art Heilige dargestellt, was irgendwann einfach zu viel des Guten ist; ebenso wie der sehr stark ausgeprägte Glaube an Gott, der die Geschichte in eine Richtung gehen lässt, der ich persönlich wenig abgewinnen konnte.

Dennoch kann ich nicht behaupten, dass mich das Buch gar nicht berührt hätte. Alleine von der Thematik geht es jemandem, der auch schon den einen oder anderen Verlust zu beklagen hatte, einfach nahe; auch wenn die Cooper-Kinder selbst manchmal etwas ichbezogen und weniger emotional agieren, als es hier und da angebracht wäre.
Alles in allem wirkt die Geschichte aber zu pathetisch, zu unnatürlich und zu überladen, um den hohen Erwartungen, welche die Grundidee weckt, wirklich gerecht zu werden. Darüber kann leider auch der schön verpackte Epilog, der in einem separaten Briefumschlag auf der Innenseite des Buches steckt, nicht hinwegtäuschen.

[Rezension] Kizer, Amber - Meridian. Dunkle Umarmung

Montag, Oktober 26th, 2009

Originaltitel: Meridian
Genre: Jugendliteratur
Reihe: Fenestra (1)
Verlag: PAN (2009)
Übersetzung: Karin Dufner
ISBN: 9783426283011
Seiten: 347
Website der Autorin: www.amberkizer.com

Kurzbeschreibung

»Mein Name ist Meridian. Ich gehöre leider nicht zu den Mädchen, die man gerne zu Geburtstagsfeiern einlädt – denn obwohl ich es ganz sicher nicht will, muss ich mein Leben mit dem Tod teilen. Ich bin eine Fenestra: Durch mich gelangen die Seelen der Verstorbenen in den Himmel. Aber davon wusste ich nichts, bis ich sechzehn Jahre alt wurde – und plötzlich in großer Gefahr schwebte…«

Einzig und allein die Seele, die durch mich hindurchgeht, könnte bestätigen, dass ich die Wahrheit sage. Doch leider wird sie anschließend kein Telegramm an ihre Freunde und Angehörige schicken, in dem sie ihnen mitteilt, dass ich nicht übergeschnappt bin. (Seite 189)

Rezension

Schon seit ihrer Geburt ist der Tod der ständige Begleiter von Meridian. Jeder neue Morgen beginnt für sie mit dem Entsorgen von Tierkadavern, die sich in ihrem Zimmer, in ihrem Bett, manchmal sogar auf ihrem Kopfkissen sammeln. Mit der Zeit lernt sie, sich mit dem Gedanken zu arrangieren, dass sie für den Tod der Kreaturen verantwortlich ist und auch die schlimmen Schmerzen, für welche die Ärzte keine Ursache finden, gehören bald schon zu ihrem Leben. Ein Leben als übernächtigte, ständig kränkelnde Einzelgängerin.
An ihrem 16. Geburtstag kommt es dann zur Katastrophe. Nachdem Meridian nur knapp einem Anschlag auf ihr Leben entkommen ist, bei dem mehrere junge Menschen sterben müssen, wird sie von jetzt auf gleich zu ihrer Tante Merry geschickt. Den Kontakt zu ihren Eltern und dem jüngeren Bruder muss sie zur Sicherheit aller sofort abbrechen.
Völlig verstört reist Meridian nach Revelation in Colorado und erfährt dort endlich von ihrem Schicksal: Meridian ist eine Fenestra, ein Wesen, das die Seelen von Verstorbenen in den Himmel geleitet. Riskant ist nur, dass mittlerweile auch menschliche Seelen ihren Weg durch Meridians Körper suchen und dieser den Anforderungen noch nicht gewachsen ist.
Mit Hilfe ihrer Tante und dem geheimnisvollen Tens soll Meridian lernen, ihre Fähigkeiten zu beherrschen, doch in der Gemeinde von Revelation häufen sich immer mehr seltsame Todesfälle und es entwickelt sich ein religiöser Fanatismus, der dem Dreiergespann sehr gefährlich werden soll…

Sowohl sprachlich als auch inhaltlich zieht »Meridian« den Leser gleich in seinen Bann. Nach einem kurzen Prolog, in dem man einen Abriss über Meridians Kindheit und Jugend erhält, geht es auch schon los. Rasanter hätte die Autorin den Einstieg in die Geschichte kaum gestalten können. Gemeinsam mit Meridian, die ihre Erlebnisse in eindringlicher, aber auch angenehm selbstironischer Weise schildert, steht man vor der großen Frage, was die Ursache für die überstürzte Flucht ist. Nach und nach erhält man Antworten und lernt nicht nur die Fenestrae kennen, sondern auch deren Gegenspieler, die Aternocti. Hier hat die Autorin einige sehr schöne, neue Ideen zu Papier gebracht, die sich wohltuend von den üblichen Verdächtigen der aktuellen Fantasy-Szene abheben.
Trotz der fantastischen Komponente wirkt der Roman aber auch sehr realistisch. Vor allem die Rolle der Dorfkirche und deren Einfluss auf die Menschen dort erinnern an die Zeiten der Hexenverbrennung und scheinen zwar unglaublich, aber irgendwie auch erschreckend möglich.

Besonderer Pluspunkt des Romans ist neben der spannenden Handlung und den runden und sympathischen Charakteren die Tatsache, dass er eine Bandbreite an Emotionen weckt - ob nun aufgrund der zarten Liebesgeschichte, die sich im Laufe der Zeit entwickelt, den Hassgefühlen, den man bestimmten Personen entgegenbringt, den teils sehr dramatischen Geschehnissen oder der Thematik an sich. Immerhin spielt der Tod eine große Rolle in dem Roman und so manches Ereignis geht ordentlich an die Nerven.
Obwohl die Grundstimmung entsprechend düster ist, gibt es aber auch zahlreiche warmherzige Szenen und durch die lebenskluge Tante lernt nicht nur Meridian einige nützliche Weisheiten, wie etwa, dass die Sonne eigentlich nie unter-, sondern immer aufgeht, nur eben für jemand anderen.

Im Verhältnis zum eher ruhigen Mittelteil macht das Ende zwar einen etwas überladenen Eindruck und manche Kapitel enden etwas abrupt, was für kurzzeitige Verwirrung sorgen kann. Insgesamt ist das Buch aber trotzdem ein fesselnder Auftakt zu einer Reihe, deren Fortsetzung für 2011 geplant ist. Doch keine Sorge, es erwartet Euch zum Glück kein böser Cliffhanger. Meridians erster Kampf ist in diesem Teil abgeschlossen, der Grundstein für die nächste Runde ist jedoch gelegt.
Nicht unerwähnt bleiben darf im Übrigen die wunderschöne Aufmachung des Buches, dessen flexibler Einband mit glänzenden Totenköpfen und Rosenranken versehen ist, die auch die Kapitelanfänge schmücken.

FAZIT: Eine abwechslungsreiche, berührende Geschichte, die man nur sehr ungerne zur Seite legt.

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