Kurzbeschreibung
Ein kleines Mädchen stirbt, und der Hauptverdächtige wandert in den Knast – unschuldig?
15 Jahre später: Wieder verschwindet ein Kind, und der Albtraum beginnt von vorn – für die Ermittler und den Täter von damals. Ein verurteilter Psychiater und ein besessener Kommissar – ein erbittertes Psychoduell um Schuld und Rache.
Wie gefährlich ist Gerechtigkeit?
Rezension
Die Tür öffnete sich nur einen Spalt weit, das Gesicht eines Mannes tauchte auf, und mir stockte der Atem.
– Seite 11 –
15 Jahre ist es her, seit Kriminalhauptkommissar Bernd Menkhoff und sein Partner Alex Seifert den Psychiater Dr. Lichner wegen Mordes hinter Gitter brachten. Während Menkhoff von der Schuld des selbstgefälligen Arztes überzeugt war und vielleicht sogar ein persönliches Interesse an dessen Verurteilung hatte, quälen Kriminalkommissar Seifert Jahre später noch Zweifel. War Lichner wirklich der Mörder der kleinen Juliane oder saß womöglich ein Unschuldiger 13 Jahre lang im Gefängnis?
Als Menkhoff und Seifert einem anonymen Hinweis zu einer Kindesentführung nachgehen, gerät Dr. Lichner überraschend erneut ins Visier der beiden Kommissare…
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Kriminalkommissar Alex Seifert. Er erinnert sich zurück an die Ermittlungen im Fall der ermordeten Juliane. Parallel dazu schildert er den aktuellen Fall, in dem Dr. Lichner angeblich sein eigenes Kind entführt haben soll – ein Kind, das nach Aussage des Psychiaters gar nicht existiert.
Zwar bekommt der Leser so gleich zwei Geschichten geboten, die nach und nach zu einer finalen Handlung zusammenlaufen, jedoch sind die ständigen Zeitsprünge auf Dauer eher unbequem. Alle paar Seiten wechselt die Szene und obwohl Zeitangaben über den Kapiteln deutlich machen, in welchem Jahr man sich gerade befindet, verliert man leicht den Überblick und muss innehalten, um sich gedanklich neu zu sortieren.
Leider bieten auch die Charaktere keine Möglichkeit zur besseren Orientierung. Zwar werden ihnen einprägsame Eigenschaften zugeschrieben, jedoch merkt man ihnen – obwohl zwischenzeitlich 15 Jahre vergangen sind – keinerlei Entwicklung an, sodass man ihr jüngeres kaum vom älteren Ich unterscheiden kann.
Erstaunlich ist auch, dass Seifert, obgleich Erzähler, die blasseste Figur ist. Die eigentliche Hauptfigur ist sein Freund und Kollege Menkhoff, der allerdings häufig zu übertriebenen und wenig nachvollziehbaren Handlungen neigt, sodass er weder authentisch noch sympathisch rüberkommt.
Auch sprachlich konnte mich Arno Strobel, dessen Erstling Der Trakt mich vor gar nicht allzu langer Zeit noch richtig begeistert hatte, nicht überzeugen. So manches Mal stolperte ich über seltsame Formulierungen und hatte das Gefühl, dass der Autor für das, was er sagen wollte, einfach nicht die richtigen Worte gefunden hat. Seinen Figuren geht es da übrigens ähnlich. Die wörtliche Rede ist geprägt von Ähms und Gestotter, was die Dialoge zwar natürlich, aber eben auch schlecht lesbar macht.
Eines muss man dem Buch allerdings lassen: Es ist trotz allem ein Pageturner. Grund dafür sind die kurzen Kapitel, die oft mit einem Cliffhanger (wie aus dem Lehrbuch; siehe Zitat) enden. Das kann manchmal nervig sein, weil man nach dem Ende eines Kapitels in einer völlig anderen Szene (und Zeit) landet. Da die nächste Szene aber auch wieder mittendrin endet, liest man das nächste Kapitel eben auch noch schnell. Und das nächste und das nächste…
Schließlich ist die Handlung auf beiden Zeitebenen spannend und hält durchaus die eine oder andere Überraschung bereit, sodass ich mir über einen längeren Zeitraum unsicher war, ob ich mit meinen Vermutungen richtig lag. Die Auflösung war mir allerdings zu überspitzt, der gesamte Fall zu sehr konstruiert. Hinzu kamen ein paar Kleinigkeiten, die mir unlogisch oder aufgesetzt erschienen, wie etwa die oberflächliche Thematisierung des Wesens (eines Menschen).
FAZIT: Hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Schade!
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